Mehr Stellen und mehr Lohn: Das prognostiziert die Wirtschaftsumfrage der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK), die am Mittwoch präsentiert wurde.

Arbeit Aargau, die Dachorganisation der Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände im Kanton, teilt diesen Optimismus nicht. «Die Darstellung erweckt einen falschen Eindruck, denn der Industrie im Aargau geht es alles andere als gut», schreibt die Organisation in einer Mitteilung.

Im Bericht zur Studie heisse es, «dass in den letzten drei Jahren seit dem Frankenschock in der Metallindustrie über 3 Prozent, in der Elektro- und Maschinenindustrie gar über 5 Prozent der Arbeitsplätze verloren gingen».

Die rosigen Prognosen der Handelskammer für den Wirtschaftsstandort Aargau seien «alles andere als glaubwürdig», hält Arbeit Aargau fest, zumal sich die Studie nur auf das letzte Halbjahr 2017 beziehe. Angesichts der grossen Abbaupläne von General Electric (GE) könne kaum von «guten Aussichten» für die Arbeitnehmenden gesprochen werden, schreibt die Organisation.

Tatsächlich ist unklar, ob sich GE an der Umfrage der Handelskammer beteiligt hat. Fest steht aber, dass der Abbau bei General Electric – angekündigt sind 1400 Stellen – wohl erst im kommenden Jahr vollzogen wird.

Arbeitslosigkeit gestiegen

Laut der Studie der Handelskammer wollen die teilnehmenden Unternehmen im laufenden Jahr rund 800 neue Stellen schaffen. Rechnet man dies auf sämtliche Mitgliedsfirmen hoch, dürften im Kanton Aargau gar 1700 neue Jobs entstehen. Auch bei diesen Prognosen meldet Arbeit Aargau grosse Vorbehalte an. «Die statistischen Daten zur Arbeitslosigkeit lassen einen anderen Schluss zu als jenen der AIHK», heisst es in der Mitteilung.

Während die Arbeitslosigkeit seit Mitte 2017 bis Ende des Jahres klar gestiegen sei, habe zugleich die Zahl der offenen Stellen deutlich abgenommen. «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist also weiter sehr angespannt», schreibt Arbeit Aargau.

Auch die Aussage der Handelskammer, dass die Löhne steigen dürften, entbehrt laut den Gewerkschaftern jeglicher Grundlage. Während im Bericht zur Studie von «gut gefüllten Auftragsbüchern» der Firmen die Rede sei, heisse es zur Lohnentwicklung nur, dass die Arbeitnehmenden allenfalls leicht profitieren dürften. Die Formulierung verrate, «dass die Prognose bisher nicht der Realität entspricht».

Die Gewerkschaften fordern deshalb eine Verbesserung des Gesamtarbeitsvertrages in der Maschinen-, Elektro- und Metallbranche. Angepasst werden sollten unter anderem Mindestlöhne, Kontrollen und Vollzug. Darüber hinaus fordert die Dachorganisation eine umfassende Industriepolitik mit einer Agenda für den digitalen Wandel. Angesichts der angespannten Situation in der Industrie müssten auch weitere Massnahmen geprüft werden, um den nach wie vor überbewerteten Schweizer Franken abzuschwächen.

Arbeit Aargau weist zudem auf eine Studie von Swissmechanic und Unia hin. Diese habe im November gezeigt, dass nicht nur der starke Franken der Industrie zusetze. Für manche Firmen sei es auch schwierig, Investitions- und Liquiditätskredite zu beziehen. Jedem fünften bis achten Betrieb sei in den letzten Jahren ein Kredit zur Finanzierung der Geschäftstätigkeit verweigert worden. Deshalb müssten «alternative Finanzierungsformen jenseits von Bankkrediten angedacht werden».