Baden-Dättwil
Gewerkschaft im Spar-Streik gibt zu: «Vielleicht hätten wir früher abbrechen sollen»

Der Schlagabtausch zwischen Spar-Führung und Gewerkschaft blieb im «Talk täglich» auf Tele M1 aus – der Detailhändler liess sich entschuldigen. Stattdessen kritisierte der Gewerbeverbandspräsident die Blockade des Shops: «Sicher kein Erfolg für Unia»

Manuel Bühlmann
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Svetlana Ivcetic, ehemalige Schichtleiterin bei Spar, Pascal Pfister, Unia, und Kurt Schmid, Gewerbeverbandspräsident (v.l.).Mathias Marx

Svetlana Ivcetic, ehemalige Schichtleiterin bei Spar, Pascal Pfister, Unia, und Kurt Schmid, Gewerbeverbandspräsident (v.l.).Mathias Marx

Mathias Marx

Zwar ist der Streik beim Spar-Tankstellenshop in Baden-Dättwil beendet, der Arbeitskonflikt ist deswegen aber noch lange nicht beigelegt. Die Gewerkschaft Unia und der Detailhändler Spar gehen rechtlich gegeneinander vor. Zudem eröffnete das kantonale Einigungsamt letzte Woche ein Verfahren.

Zum offenen Schlagabtausch kam es am Dienstagabend im «Talk täglich» auf Tele M1 (HIer gehts zur Sendung: http://telem1.ch/de/showgrid/talktaeglich-_30.html) trotzdem nicht. Die Geschäftsleitung von Spar liess sich entschuldigen. Kurt Schmid, Präsident des Aargauer Gewerbeverbands, sprang ein – und kritisierte das Vorgehen der Streikenden und der Unia. Er habe weitgehend Verständnis für das Streikrecht, die Blockade des Tankstellenshops sei jedoch eine Straftat. «Damit wurde der Bogen überspannt», sagte Schmid. «Die Unia hat den Streikenden einen schlechten Dienst erwiesen.»

Pascal Pfister, Leiter Tertiär und Industrie der Unia Region Aargau, wies die Vorwürfe zurück, wonach die Gewerkschaft die Streikenden aufgewiegelt habe. «Der Impuls für den Streik kam von den Mitarbeitenden», sagte Pfister. Von Moderator und az-Inland-Ressortleiter Stefan Schmid auf die Entlassungen, den Abbruch des Streiks und die ausbleibenden Ergebnisse angesprochen, gab sich Pfister selbstkritisch. «Das ist sicher kein Erfolg für die Unia.» Misserfolge würden bei solchen Auseinandersetzungen aber dazu gehören. «Vielleicht hätte man die Übung früher abbrechen sollen», sagte Pfister. «Nun analysieren wir, was wir hätten besser machen können.»

Dennoch habe er gegenüber den Streikenden, die von Spar fristlos entlassen wurden, ein reines Gewissen: «Wir haben alles probiert.» Die Entlassenen würden nun von der Unia intensiv bei der Jobsuche unterstützt, sagt Pascal Pfister.

Svetlana Ivcetic hat bisher vergeblich nach einer neuen Arbeitsstelle gesucht. Die ehemalige Schichtleiterin möchte weiterhin im Detailhandel arbeiten – allerdings nicht mehr bei Spar. «Täglich schreibe ich Bewerbungen», sagt sie. Trotz Arbeitslosigkeit würde sie nochmals gleich handeln. «Alles richtig gemacht», lautet ihr Fazit. Die Hoffnung auf eine Aussprache mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber hat sie noch nicht aufgegeben.