Noch nie hatte Kurt Schmid, der Präsident des Aargauischen Gewerbeverbands (AGV), am traditionellen Neujahrsapéro ein so grosses Publikum wie gestern Abend. 780 Personen hatten sich zur 10. Auflage im Kultur- und Kongresszentrum Aarau angemeldet, wo sich Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Berufsbildung in ungezwungenem Rahmen treffen und austauschen. Ein grosser Teil dieses Publikums staunte wohl nicht schlecht, als Kurt Schmid die Empfehlungen des AGV-Vorstands für die Abstimmungen vom 9. Februar verkündete: Ja zur SVP-Initiative gegen die Masseinwanderung und Nein zur Fabi-Vorlage für Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur.

Vorstand auf der SVP-Linie

«Längerfristig ist eine Begrenzung der Zuwanderung nötig, das ist auch im Interesse der Wirtschaft», begründete Schmid die Parole, die im Vorstand mit 10 zu 7 Stimmen bei zwei Enthaltungen gefallen war. Ein Raunen ging durch den Saal, als Schmid einräumte, man sei sich bewusst, dass ein Ja zur Masseneinwanderungsinitiative die bilateralen Verträge mit der EU gefährden könne. Dennoch sei der Vorstand der Meinung, die Begrenzung der Einwanderung sei eine nachhaltig positive Massnahme.

Noch klarer fiel der Entscheid bei Fabi: Mit 12 zu 7 Stimmen lehnt der AGV-Vorstand die Vorlage ab. «Wir sind der Meinung, dass es diese neue Finanzierung nicht braucht», erklärte Schmid lapidar.

Peter Bühlmann, CEO der Neuen Aargauer Bank, gefiel die AGV-Parole zur Masseneinwanderungsinitiative gar nicht. «Aus meiner Sicht ist dies der falsche Weg, ich halte mich hier lieber an den Schweizerischen Gewerbeverband, der ein Nein empfiehlt», sagte der Referent.

Wirtschaftsaussichten bleiben gut

Auch in einem anderen Punkt waren Schmid und Bühlmann nicht gleicher Meinung: So freute sich der AGV-Präsident, dass für die Wirtschaft weiterhin viele Bankkredite zu tiefen Zinsen verfügbar sind. Der NAB-CEO gab indes zu bedenken, in einer Tiefzinsphase sei das Kreditgeschäft für seine Bank wenig attraktiv. Insgesamt waren sich die beiden Redner aber einig: Die Wirtschaftsaussichten bleiben auch im eben angebrochenen Jahr gut.

Laut einer Umfrage, die im Dezember unter den AGV-Mitgliedern durchgeführt wurde, ist die Auftragslage weiterhin gut, die Unternehmen können den Mitarbeiterbestand halten oder gar leicht ausbauen und blicken optimistisch in die Zukunft. Als Sorgen der Firmen nannte Schmid zu wenig Fachpersonal, grossen administrativen Aufwand, zu wenige Lehrlinge und hohe Kosten im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz.

Peter Bühlmann betonte, in seinem Wirtschaftsausblick 2014 «stehen so viele Ampeln auf Grün, wie selten zuvor.» So dürften die Zinsen tief bleiben, die Inflation nur marginal ansteigen, die Exporte um rund 4 Prozent ansteigen. Auch die regionale Prognose ist laut Bühlmann positiv: «Der Aargau bleibt bei der Standortqualität unter den Besten und als Wohnkanton sehr attraktiv.»