164 Millionen Franken pro Jahr. Mindestens so viel kostet Gewalt in Paarbeziehungen die Gesellschaft in der Schweiz. Das zeigt ein Forschungsbericht aus dem Jahr 2013, den das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann erarbeiten liess.

Zum seelischen und psychischen Leid, das Betroffene von häuslicher Gewalt erfahren, kommen also Folgekosten dazu, die wir als Gesellschaft tragen müssen. Kosten für Polizei und Justiz (49 Millionen Franken). Kosten für Produktivitätsverluste (40 Millionen Franken). Kosten für Unterstützungsangebote (37 Millionen Franken). Kosten für Gesundheit (35 Millionen Franken). Kosten für Fach- und Koordinationsstellen (3 Millionen Franken).

Wie hoch die Kosten in den einzelnen Kantonen sind, weist die Studie nicht aus. Strafrechtsprofessor Martin Killias, der an der Studie beteiligt war, geht davon aus, dass im Aargau aufgrund der Bevölkerungszahlen etwa zehn Prozent dieser Kosten anfallen dürften. Also ungefähr 15 Millionen Franken.

Polizei erwartet Zunahme

Die Kantonspolizei Aargau verzeichnete im Jahr 2016 einen traurigen Rekord von 1855 Interventionen wegen häuslicher Gewalt. Und obwohl die Zahlen für das Jahr 2017 noch nicht vorliegen, geht Kripo-Chef Markus Gisin von noch mehr Fällen aus, wie er an der Medienkonferenz zum Polizeijahr 2017 sagte.

Sicherheitsdirektor Urs Hofmann betonte, dass Einsätze wegen häuslicher Gewalt für die Polizisten oft unangenehm seien. Bei einer Meldung wegen häuslicher Gewalt rücke die Polizei konsequent aus. Auch wenn sich manchmal im Nachhinein herausstelle, dass es sich nur um einen belanglosen Streit gehandelt hatte.

In Prävention investieren

Häusliche Gewalt beschäftigt auch die Politik. Die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri setzt sich seit Jahren für einen besseren Schutz der Opfer ein. «Heute schaut man zwar besser hin als noch vor Jahren», sagt sie. «Aber es wird immer noch zu wenig getan.»

Die bürgerlichen Parteien hätten die Wichtigkeit des Themas inzwischen erkannt. «Aber sie sind nach wie vor überzeugt, dass häusliche Gewalt vor allem Ausländer oder Leute mit Migrationshintergrund betrifft.» Feri anerkennt, dass Gewalt in patriarchalen Kulturen stärker verbreitet ist, «aber es passiert in allen sozialen Schichten und Nationalitäten».

Es sei wichtig, den Schutz der Opfer weiter auszubauen. Aber auch die Arbeit mit den Täterinnen und Tätern gehöre dazu. Von Geldstrafen hält Feri wenig. Sie findet Wegweisungen oder Täterprogramme sinnvoller. «Es ist wichtig, dass Menschen, die Gewalt ausüben, alternative Strategien erarbeiten, um mit Stress oder Frust umzugehen.»

Dem Kanton Aargau stellt sie ein gutes Zeugnis aus. Die Fachstellen würden gute und wichtige Arbeit leisten. «Angesichts der Kantonsfinanzen muss aber genau hingeschaut werden, dass nicht plötzlich wichtige Leistungen abgebaut werden.»