TalkTäglich
Gewalt in Asylunterkünften: Feri, Glarner und Binder sind sich nur in einem Punkt einig

Nach mehreren Messerstechereien stellt sich die Frage, ob unterirdische Asylzentren geeignet sind, um Flüchtlinge unterzubringen.

Fabian Hägler
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Die Verhältnisse in den unterirdischen Asylunterkünften im Aargau sind prekär. Monatelang warten Asylsuchende dort auf einen Entscheid. Die Ungewissheit, die engen Verhältnisse, der Mangel an Privatsphäre – für die Menschen ist dies ein Problem. Immer wieder kommt es zu problematischen Situationen. Vor einer Woche brachte ein Iraner in der Unterkunft beim Kantonsspital Aarau einen Landsmann mit Messerstichen um. Und auch in der Unterkunft beim Kantonsspital Baden hatte es zuvor einen Verletzten gegeben.

Nun thematisierte az-Chefredaktor Christian Dorer die problematischen Unterkünfte im «TalkTäglich» auf Tele M1. CVP-Kantonalpräsidentin Marianne Binder glaubt nicht, dass die unterirdischen Asylzentren ein spezielles Sicherheitsrisiko werden. «Ich möchte auch nicht dort leben, aber es gab auch Vorfälle in oberirdischen Unterkünften.»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri, die für den Regierungsrat kandidiert und das Asylwesen übernehmen könnte, wies auf die Problematik hin, dass die jungen Männer eine schwierige Flucht hinter sich haben und auf engem Raum ohne Zukunftsperspektive und Arbeit zusammenleben. «Es braucht Betreuung und Tagesstrukturen», sagte sie.

SVP-Nationalrat Andreas Glarner hat kein Verständnis, dass Menschen, «die angeblich vor Krieg und Gewalt geflohen sind, hier bei uns Landsleute niederstechen». Man müsse von den Asylsuchenden erwarten können, dass sie sich in der Schweiz anständig verhielten und die Gesetze respektierten. «Für alle, die das nicht tun, gibt es nur eine Lösung: Heimflug einfach.»

«Kein schlechtes Gewissen»

Binder hielt fest, die Schweizer würden oft zum schlechten Gewissen neigen, wenn man die Zustände in den Unterkünften seh. «Dabei bieten wir Schutz und Aufnahme, da sollen sich die Flüchtlinge auch so verhalten, wie man das hierzulande macht.»

Feri entgegnete, sie wolle fehlbare Flüchtlinge nicht in Schutz nehmen, aber «wenn man ihnen nichts bietet, und sie keine Beschäftigung haben, ist die Situation für sie schwierig.» Dafür müsse man ein gewisses Verständnis haben.

Bei der Frage, wo die Asylsuchenden einquartiert werden sollten, wenn sich zeigt, dass die unterirdischen Zentren problematisch sind, gingen die Meinungen auseinander. Feri und Binder verwiesen auf die kantonalen Grossunterkünfte, für die nächstes Jahr die ersten Standorte gesucht werden sollen.

Glarner setzt auf ein völlig anderes Rezept: «Der Kanton muss in Bern oben Lärm machen, sich weigern, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, wie wir das in unserer Gemeinde machen.» Tatsächlich hat Oberwil-Lieli, wo Glarner Gemeindeammann ist, bisher eine Ersatzabgabe bezahlt, anstatt Plätze für Flüchtlinge bereitzustellen. Nun soll in seinem Dorf aber eine syrische Familie aufgenommen werden.

Syrer sind für Glarner denn auch jene Flüchtlinge, die an Leib und Leben bedroht sind und in der Schweiz bleiben dürfen. In diesem Punkt gab es zum einzigen Mal Einigkeit unter den Talk-Gästen: Yvonne Feri und Marianne Binder sind ebenfalls der Meinung, bei der Aufnahme müssten Flüchtlinge aus Kriegsgebieten bevorzugt werden.

Die ganze Sendung sehen sie hier: