Der Ärger über die Damen und Herren in Bern ist bei den Aargauer Bauern selten gross. Bei den Berufskollegen anderer Kantone ist die Wut über den Bundesrat nicht geringer. Der Streitpunkt dreht sich um die neuen Gewässerabstände, welche der Bund verordnet hat. Bis zu 1000 Hektaren Land an Bächen und Flüssen dürften nur noch ökologisch genutzt werden. Damit könnte der Aargau die ebenfalls vom Bund verlangten mindestens 40000 Hektaren Fruchtfolgeflächen nicht mehr einhalten.

25 bis 40 Meter an der Suhre

«Der politische Auftrag zum besseren Schutz der Gewässer ist da, das müssen wir machen», sagt Leiter Matthias Müller von Landwirtschaft Aargau im Departement Finanzen und Ressourcen. Auch mit den Naturschützern sei man sich einig, «die Vorgaben sind schlicht nicht umsetzbar». Dazu ein Beispiel: An der Suhre steigt der Mindestabstand auf 25 und der Maxia-Abstand für die Bewirtschaftung auf 40 Meter. Heute gilt auf jeder Seite des Flusses ein Düngeverbot von 3 Metern, beim ökologischen Nachweis sind es je 6 Meter.

Der Abstand wird verdoppelt bis verdreifacht und nach einer komplexen Formel berechnet, die sich je nach Bachbreite ändert. Entweder müsste jeder Bauer Pfähle einschlagen oder einen grossen Plan mitnehmen, wenn er die Felder pflügen will. Nach einer pragmatischen Lösung ruft auch Ralf Bucher, Geschäftsführer beim Bauernverband Aargau. Am schwierigsten sei die Umsetzung bei den mittelgrossen Gewässern wie der Bünz und der Suhre. Weil die Steilheit der Böschung auch noch einbezogen werde, «kommt im Alltag kein Mensch mehr draus, was jetzt wirklich gilt». Er könne sich nicht vorstellen, dass jemand ein derart komplexes Konstrukt wolle.

Widerstand vieler Kantone

Schon Ende Oktober hat der Aargauer Grosse Rat eine Standesinitiative mit 75 zu 50 Stimmen überwiesen. Die Kommission UBV im Baudepartement muss bis Ende Januar dem Plenum Bericht und Antrag für eine konkret formulierte Standesinitiative vorlegen. Mit 3000 Kilometern Gewässer ist der Aargau als Wasserschloss zentraler getroffen als andere Kantone. Zum gleichen politischen Druckmittel gegenüber Bern greifen auch die Kantone Schwyz, Luzern und St.Gallen. Der Freiburger Nationalrat Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, strebt mit einem Vorstoss eine vernünftige und machbare Lösung an. In der grossen Kammer unterstützte die Mehrheit das Anliegen, der Ständerat wird den Vorstoss in der Wintersession behandeln.

Grosse Flächen gingen verloren

Mit einem scharfen Protest hat sich auch der Zürcher Bauernverband gemeldet: Präsident Hans Staub schrieb bei der Beschwerde gegen die Verordnung von «einem politischen Kraftakt» und «einer Enteignung der Landwirte». Allein im Kanton Zürich gingen über 2000 Hektaren, in der Schweiz 20000 Hektaren für die Produktion verloren. Mehr Ökologie, Schutz der Gewässer und Hochwasserschutz in Ehren, «aber so geht es nicht», betonen die Bauern. Sie argumentieren damit, es sei ökologischer, einheimische Produkte zu konsumieren, statt immer mehr Lebensmittel zu importieren.

Was von den Kantonen und den Bauernverbänden angestrebt wird, ist eine sinnvolle Harmonisierung, damit die Anwendung kein Zusatzstudium erfordert. Die Bauern betonen auch, sie seien nicht gegen den Gewässerschutz und es gebe auch keinen Konflikt mit den Naturschützern. Ungeklärt ist noch die Frage der eingedolten Bäche. Wenn bei einer Renaturierung die neuen Abstände zur Geltung kommen, werde niemand mehr ein Gewässer offen legen, sagte Baudirektor Peter C. Beyeler vor dem Grossen Rat.