Rund 35 Prozent des Kantonsgebietes sind Wald; die Länge der Waldränder beträgt über 4000 Kilometer. Die Fläche des Aargauer Waldes sei seit rund 100 Jahren unverändert, erklärt Marcel Murri, Leiter der Sektion Walderhaltung beim Kanton. Lediglich vor und während des Zweiten Weltkrieges seien im Rahmen der Anbauschlacht mehrere hundert Hektaren Wald gerodet worden; seither beträgt die Aargauer Waldfläche knapp 50 000 Hektaren.

Doch wann gilt eine Fläche als Wald? Im Kanton Aargau ist die Regelung klar: Jede Bestockung, die grösser ist als 600 Quadratmeter, breiter als 12 Meter und älter als 15 Jahre ist rechtlich Wald.

Dabei spielen die bisherige Nutzungsart, die Entstehung oder die Bezeichnung im Grundbuch keine Rolle. Die Waldfläche kann sich also jederzeit verändern; aufgrund des geltende Rodungsverbots kann sie nur zunehmen. Diese dynamische Waldabgrenzung hat aber Konsequenzen.

Dynamik schafft Unsicherheit

«Der dynamische Waldbegriff führt in der Raumplanung und der amtlichen Vermessung zu Rechtsunsicherheit, da sich die Waldgrenze bereits nach kurzer Zeit gegenüber dem Eintrag in die Pläne schon wieder verändert haben kann», sagte Marcel Murri.

Zudem sei der Aufwand für die periodische Nachführung der neuen Waldflächen beträchtlich. So sind die Kreisforstämter Jahr für Jahr in 15 bis 20 verschiedenen Gemeinden unterwegs, wenn es gilt, für die jeweiligen neuen Nutzungsplanungen festzustellen, was Wald ist und was nicht.

Auch aus ökologischer Sicht ist die dynamische Regelung problematisch. Denn viele Landbesitzer wachen aufmerksam darüber, dass sie keine landwirtschaftlichen Nutzflächen an den Wald verlieren. So sorgen sie oftmals dafür, dass auf brachliegenden Flächen weder Hecken noch Sträucher oder gar Bäume wachsen können.

Auch ökologisch sinnvoll

Eine Anpassung des Waldgesetzes soll nun auch ausserhalb des Baugebietes Rechtssicherheit schaffen. Die dynamische Waldabgrenzung soll durch eine statische und rechtsverbindliche ersetzt werden. In den letzten zwei Jahren haben die Kreisforstämter die neusten, präzisen, aber eben nicht rechtsverbindlichen Waldflächen erfasst.

Der Regierungsrat möchte nun diese Abgrenzungen als dauerhafte Waldgrenzen übernehmen. Dazu sind Änderungen des kantonalen Waldgesetzes und eine Richtplananpassung notwendig. Die Gesetzesänderung erfolgt parallel zur Ersterfassung der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Berechnung der Direktzahlungen.

Künftig wird es demnach nicht mehr vorkommen, dass eingewachsene Waldflächen – häufig auch gegen den Willen des Besitzers – als Wald anerkannt werden müssen. «Die statische Waldabgrenzung bringt Gemeinden und privaten Grundeigentümern Rechtssicherheit», erklärte Murri.

Sie können sich künftig darauf verlassen, dass eine landwirtschaftliche Fläche nicht plötzlich zu Wald wird, nur weil etwa im Laufe der Jahre eine Bestockung entstanden ist. Die statische Waldabgrenzung sei auch im Sinne der Biodiversität.

Die Landbesitzer müssen künftig nicht mehr ständig kontrollieren, dass auf ihren Flächen ja nichts Waldähnliches entsteht und weiterwächst. «Auch für die Renaturierung von Flächen und Arealen, zum Beispiel von Kiesgruben, ist die neue Regelung hilfreich», sagte Murri.

Der Gesetzesentwurf geht nun in die Anhörung. Murri hofft, dass der Übergang zur statischen Waldabgrenzung bereits im Jahr 2018 geschehen kann. Dies aus einem ganz praktischen Grund: «Wir haben jetzt die aktuellen Walddaten des ganzen Kantons. Wenn die Einführung der neuen Regelung allzu viel Zeit in Anspruch nimmt, könnten sich die Waldgrenzen schon wieder verändert haben.»