Prozess

Gerichtsverhandlung gegen Brandstifter: Hat er den Keller aus Wut in Brand gesetzt?

Eingang zum Bezirksgericht Zofingen während des ersten Prozesses am 28. Oktober 1997.

Das Bezirksgericht Zofingen. Symbolbild.

Eingang zum Bezirksgericht Zofingen während des ersten Prozesses am 28. Oktober 1997.

Ein mutmasslicher Brandstifter stand zum zweiten Mal vor Gericht.

Sie war lang, die Liste der Straftaten, die dem 42-Jährigen vor dem Bezirksgericht Zofingen zur Last gelegt wurden. Unter anderem wurden ihm Brandstiftung, Nötigung, einfache Körperverletzung und Beschimpfung vorgeworfen. Die Richter hatten sich nicht zum ersten Mal mit dem mutmasslichen Brandstifter zu befassen.

Bereits im Februar 2019 hatte das Zofinger Gesamtgericht den Fall behandelt. Damals wurde der beschuldigte Mann teilweise schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, welche zu Gunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben werden sollte.

Doch der Beschuldigte legte Berufung gegen das Urteil ein. Das Obergericht wies den Fall ans Bezirksgericht zurück, mit der Bemerkung, die Zeugen müssten vor Gericht noch einmal befragt werden. Zwei der vier Zeugen wurden zum Hauptanklagepunkt – der Brandstiftung – befragt.

Laut der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte in einer Augustnacht 2016 im Keller des Mehrfamilienhauses, in dem er selbst wohnte, Karton und Altpapier angezündet und ein Feuer mit offenen Flammen und viel Rauch entfacht haben. Nachdem er das Feuer gelegt hatte, sei der Mann wieder in seine Wohnung zurückgegangen, ohne sich weiter um den Brand zu kümmern.

Ein Nachbar will den Mann erkannt haben, als dieser durchs Treppenhaus zurück in seine Wohnung rannte. Der Vermieter sowie der Nachbar bestätigten vor Gericht, dass es vor der Brandnacht zu diversen Auseinandersetzungen und Streit gekommen sei. Dem Mann war deshalb die Kündigung des Mietverhältnisses angedroht worden.

«Ich hatte das Gefühl, er ist nicht kritikfähig», sagte der Vermieter. Er und der Nachbar sollen nach dem Brand vom Beschuldigten bedroht und beschimpft worden sein. Das Bild eines jähzornigen Menschen zeichneten auch die zwei anderen Zeugen, die befragt wurden. Der Beschuldigte selbst wollte sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äussern.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den 42-Jährigen eine unbedingte Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren sowie die Anordnung einer ambulanten Massnahme. Der Verteidiger plädierte derweil nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» für einen Freispruch.

Das Bezirksgericht Zofingen vertagte den Entscheid. Die Richter wollen erst Ergänzungen zu einem Gutachten aus dem Jahr 2017 einholen, ehe sie ein Urteil fällen.

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