Scheidung
Gericht gibt Mutter zu wenig Ferien mit Sohn: Bundesgericht kippt Aargauer Urteil

Eine geschiedene Mutter ist an das Bundesgericht gelangt, weil sie mit dem Besuchsrecht für ihren Sohn nicht einverstanden war. Das Aargauer Obergericht hatte eine hyperkomplizierte Regelung entworfen. Nun hat das Bundesgericht der Mutter teilweise Recht gegeben.

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Eine Mutter will mehr Ferien mit ihrem Sohn verbringen – das Bundesgericht gibt ihr recht.

Eine Mutter will mehr Ferien mit ihrem Sohn verbringen – das Bundesgericht gibt ihr recht.

pixabay

Scheidungen sind ohnehin keine schöne Sache, und wenn die Eltern vor Gericht um das Besuchsrecht für die gemeinsamen Kinder streiten, kann sich der Konflikt auch noch über Jahre hinziehen. So geschehen in einem Fall, den das Bundesgericht Anfang März zu beurteilen hatte. Die Mutter eines 2005 geborenen Jungen gelangte an die Richter in Lausanne, weil sie sich vom Aargauer Familiengericht und vom Obergericht ungerecht behandelt fühlte.

Konkret pochte sie auf mehr gemeinsame Ferien mit ihrem Sohn, der beim Vater im Aargau wohnt. Das Familiengericht hatte ihr 2015 zwei Wochen pro Jahr zugesprochen. Dagegen erhob sie beim Obergericht Beschwerde – und blitzte ab.

Lange Reise nach München

Dafür nahmen sich die Richter die Zeit, das Besuchsrecht zu einem unübersichtlichen Konstrukt umzubauen: So sollten sich Sohn und Mutter, die in der Nähe von München wohnt, jede zweite Woche sehen – abwechselnd von Freitag oder Samstag bis Sonntag. Mit Blick auf den langen Reiseweg zwischen dem Wohnort des Vaters und München legte das Gericht zudem fest, dass nur die Hälfte der Wochenendbesuche in Deutschland stattfinden sollte.

Darüber hinaus entschieden die Richter, dass der Sohn in geraden Jahren Weihnachten und Pfingsten mit der Mutter zu feiern hat, in den ungeraden Jahren hingegen Ostern und Silvester/Neujahr.

Dabei hatte die Mutter ausdrücklich gewünscht, "den Fokus nicht auf die Wochenendbesuche, sondern auf möglichst viel gemeinsame Ferien zu legen". Schliesslich sei ihr Sohn jetzt noch in einem Alter, in dem Kinder ihre Ferien mit den Eltern verbringen möchten.

Bundesgericht argumentiert mit Kindeswohl

Dieser Ansicht ist auch das Bundesgericht. Wegen der grossen Distanz zwischen den Wohnorten sei es im Sinne des Kindeswohls, tendenziell weniger, dafür längere Besuche zu gewähren. Ein Ferienrecht von zwei Wochen sei "minimal", auch angesichts der 13 Wochen Ferien, die Schweizer Schüler jedes Jahr geniessen. Es hat den Entscheid des Obergerichts aufgehoben und die Aargauer Richter angewiesen, die Sache neu zu beurteilen.

Nicht gutgeheissen hat es hingegen den Wunsch der Mutter, dass ihr Sohn jeden zweiten Geburtstag bei ihr feiert. Eine solche Regel sei nicht sinnvoll. Ausschlaggebend sei, wie und wo das Kind seinen Geburtstag feiern wolle. (mwa)

Bundesgerichtsurteil 5A_570/2016

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