Grüne
Geri Müller will Präsident der Grünen Partei der Schweiz werden

Der amtierende Präsident der Grünen Partei der Schweiz (GPS), Ueli Leuenberger, hat sich 2010 nur für eine zweijährige Amtsperiode wiederwählen lassen. Somit sucht die Partei auf den Frühling 2012 einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin.

Mathias Küng
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Möglich ist ein Co-Präsidium oder ein Präsident/eine Präsidentin mit mehreren Vizes. Im Gespräch ist die Waadtländer Nationalrätin Adèle Thorens Goumaz, von der Zürcher Kantonalpartei nominiert sind Nationalrat Bastien Girod und Markus Kunz, Professor für Nachhaltige Entwicklung an der Fachhochschule Winterthur. Antreten will auch die junge Berner Stadträtin Aline Trede.
Seit heute ist diese Liste um einen gewichtigen Namen länger, nämlich den des Aargauer Nationalrates Geri Müller. Er will - wie die az Aargauer Zeitung exklusiv weiss - die Partei führen. Am liebsten in einem Co-Präsidium mit einer Westschweizer Kollegin. Zur Verfügung stellen würde er sich aber auch, wenn die Delegierten in Genf sich für ein Einerpräsidium mit zwei oder mehreren Vizes entscheiden würden.
Müller hat die einstimmige Unterstützung des kantonalen Parteivorstandes. Laut Parteipräsidentin Gertrud Häseli fand die Grossrats-Fraktion schon vor dem Vorstandsentscheid eine Kandidatur eine sehr gute Lösung. Auf Wunsch von Müller hat aber eine Mitgliederversammlung am 24. Januar das letzte Wort.
Gertrud Häseli: «Breite Akzeptanz»
Präsidentin Häseli ist von der Kandidatur überzeugt: «Geri Müller ist durch seine Politik schweizweit bekannt und er hat eine breite Akzeptanz über die Partei hinaus. Dies zeigt auch sein Nationalratsergebnis, wo er von allen Kandidierenden aller Parteien am zweitmeisten Fremdstimmen geholt hat.» Er sei gewiss ein «linker Grüner», nimmt Häseli mögliche Einwände vorweg, er könne aber sehr gut vermitteln. Müller habe eine starke Ausstrahlung und mache lustvolle Politik. Er könne helfen, dass grüne Anliegen wieder positiver aufgenommen würden.
Müller kommt aus Baden. Er wünschte sich, mit Nationalratskollegin Thorens (aus Lausanne) in einem Co-Präsidium die Partei führen zu können. Die gemeinsame städtische Herkunft fände er sehr gut, weil im Parlament die Städte, die sehr viele Lasten tragen, klar untervertreten seien. Zudem ergäbe sich mit Thorens (Jahrgang 1971) und ihm (Jahrgang 1960) ein guter Generationenmix, der auch die Wählerschaft der Grünen gut widerspiegeln würde.
Müller (seit 2003 Nationalrat) hat Führungserfahrung: als seinerzeitiger Fraktionspräsident im Grossen Rat (damals war dies gleichbedeutend mit dem Parteipräsidium, das es in der heutigen Form noch nicht gab), als Präsident der Aussenpolitischen Kommission in der Libyen-Krise, als Vizeammann von Baden und in diversen Organisationen.
Er bleibt so oder so Vizeammann
Diese Funktionen leiten über zur nächsten Frage. Diese und Mandate und das Präsidium gehen nicht zusammen. Das sei ihm voll bewusst, sagt Müller. Er ist mit mehreren Organisationen im Gespräch, um Verpflichtungen abzugeben, falls er Präsident der Grünen würde. Welche Organisationen dies betrifft, sagt er nicht. So viel macht er klar: Das Vizeammannamt wird er nicht abgeben. Als Stärke sieht Müller, dass er nicht nur seine, sondern immer die Sicht der ganzen Gruppe im Auge habe.
Wähleranteil 10 Prozent als Ziel
Müller würde als Präsident drei Ziele verfolgen. Zum Ersten visiert er 10 Prozent Wählerstimmen und entsprechend mehr Mandate an. Zweitens würde er die Vielfalt der Grünen Partei hervorstreichen wollen und den Finger auf die ökologische und soziale Entwicklung legen. Damit verbunden ist Wachstumskritik. Die Wirtschaft müsse sich umbauen: Weg vom quantitativen und hin zum qualitativen und sozialen Wachstum. Das Nachhaltigkeitsprinzip solle nicht nur bei Firmenpräsentationen eine Rolle spielen, «sondern auch gelebt werden». Die Rohstoffausbeutung in vielen Ländern der Welt, von der die dort lebenden Menschen meist überhaupt nichts haben, treibt Müller enorm um.

«Deshalb», so Müller, «meldet sich die Welt und melden sich viele dieser Menschen jetzt bei uns». Am Umgang mit ihnen zeige sich, ob wir unsere diesbezügliche Verantwortung wahrnehmen. Als Drittes würde er die Mitgliederzahl erhöhen wollen. Müller versteht zwar, dass viele Grüne nicht traditionelle Parteistrukturen suchen, aber: «Wir brauchen unbedingt mehr Menschen, die sich nicht nur an der Urne, sondern auch als Mitglied zu den Grünen bekennen.»