Atommüll
Geri Müller: «Ein Endlager bleibt immer ein Zwischenlager»

Ein Podium zeigte: In Sachen Atommüll-Entsorgung sind die Protagonisten weit voneinander entfernt. Nationalrat Geri Müller ärgert sich, dass weiter Atommüll produziert wird. Für Nuklearphysiker Charles McCombie gehört der Müll unter den Boden.

Mathias Küng
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Ein «Endlager» kann es für den Grünen-Nationalrat Geri Müller nicht geben.

Ein «Endlager» kann es für den Grünen-Nationalrat Geri Müller nicht geben.

Am 31. Oktober startet in den Kinos der Film «Die Reise zum sichersten Ort der Erde» von Edgar Hagen. Darin reist Edgar um die ganze Welt und besucht Länder, in denen Lösungen für die Entsorgung von hoch radioaktivem Müll gesucht werden. Der Film zeigt die damit verbundenen, grossen Schwierigkeiten. Er zeigt: Kein Land hat bisher wirklich eine Lösung. Und wenn eins glaubt, eine zu haben, stösst es in der betreffenden Region meist auf heftigsten Widerstand. Auch die Idee, in einer als geologisch besonders sicher beurteilten Gegend in Australien Atommüll zu entsorgen, stiess in Australien auf Empörung. Das Land selbst hat keine AKW.

Ist eine sichere Lagerung möglich?

Einer der Protagonisten des Films ist der Nuklearphysiker Charles McCombie. Er ist seit Jahrzehnten unterwegs auf der Suche nach einer Lösung. Nach der Filmvorführung im fast vollen Kino Orient in Wettingen leitete Stefan Ulrich vom Regionaljournal Aargau-Solothurn ein Podium zum Thema. Kann man den Atommüll für Hunderttausende Jahre sicher lagern? Der Schweizer Geologe Marcos Buser meinte, Sicherheit über so lange Zeit könne kein Wissenschafter prognostizieren. Er sieht sich auf der Suche nach einer Lösung wie durch einen Nebel gehen, in dem man auf immer neue Probleme stösst. Buser: «Es ist das Grundproblem der Endlagersuche, dass wir mit immer neuen Überraschungen konfrontiert sind.»

Ähnlich sieht es der Badener Stadtammann und grüne Nationalrat Geri Müller. Er ärgert sich, «dass wir weiter Atommüll produzieren, und wir wissen nicht, wohin damit». Das sei verantwortungslos. Den Müll dürfe man nicht einfach einschliessen und vergessen. Müller: «Wir müssen die Garantie haben, dass wir ihn wieder herausholen können, wenn sich zeigen sollte, dass es ein Fehler war. Es kann also nur ein Provisorium sein, ein weiteres Zwischenlager.» Von einem Endlager zu sprechen, sei eine Unwahrheit.

Unverantwortlich, den Müll jahrzehntelang an Oberfläche zu lassen

Zurückholen sei kein Problem, antwortete der Nuklearphysiker Charles McCombie. Es sei aber unverantwortlich, den Müll Jahrzehnte oder Jahrhunderte an der Oberfläche zu lassen. Er müsse unter den Boden. Es sei wissenschaftlich nachgewiesen. Das Geld sei da. Wenn man am richtigen Ort alles richtig mache, werde es sicher sein.

Wäre es eine Lösung, dort zu bauen, wo sich eine Gemeinde freiwillig anerbietet wie in den USA oder Schweden, wie der Film zeigte? Für Ben Volmert von der Nagra ist das keine Option: «Wir müssen den sichersten Ort suchen. Eine Lösung an einem Ort, bloss weil die politische Akzeptanz da ist, könnte ich mir nicht vorstellen, wenn 30 km weiter die sicherste Lösung wäre.»

Ob es letztlich eine multinationale Lösung gebe, fragte Ulrich weiter. McCombie fände dies sinnvoll: «Es gibt viele, viele sichere Orte.» Marcos Buser glaubt aber nicht daran. Wenn die Bevölkerung für eine nationale Lösung für den eigenen Müll bereit wäre, dann gewiss nicht, den ganzen Müll der Erde zu übernehmen.