Ein heftiger Wahlkampf tobt in Baden, den Stadtammann Stephan Attiger indirekt entfacht hat – durch seine Wahl in die Aargauer Regierung. Der Sitz ist zwar traditionell in bürgerlicher Hand, aber Vizeammann Geri Müller ist als langjähriger Nationalrat der Grünen in Baden und weitherum bekannt. Viele trauen ihm ein gutes Resultat zu.

Er hat auch Gegner, die ihn gezielt ausbremsen wollen. Zum Treffen mit Hamas-Vertretern in Bern veröffentlicht die Sonntags-Zeitung interessante Details. Im Restaurant des Bundeshauses habe er sich mit Sayed Abu Musameh, Khamis al-Najjar und Mushir al-Masri getroffen. Alle drei seien auf der Terror-Finanzierungsliste des US-Finanzministeriums, Finanzverkehr mit ihnen darum verboten.

Der für die Hamas-Propaganda verantwortliche Al-Masri spreche Israel das Existenzrecht ab und rufe zum heiligen Krieg auf und sei auch zuständig für die Rekrutierung von Terroristen. Al-Najjar sei Mitglied der Partei Change and Reform, habe Verbindungen zur Muslimbruderschaft und sei für die Entführung israelischer Soldaten verantwortlich.

Immer beide Seiten anhören

Alle diese Vorwürfe sind für den Badener Vizeammann laut Sonntags-Zeitung «juristisch nicht bestätigt». Nationalrat Geri Müller ist erstaunt, weil das Treffen in Bern so kurz vor den Wahlen neu aufgewärmt werde. Es habe schon damals für einigen Wirbel gesorgt und zur Kritik geführt, Parlamentsmitglieder seien der schweizerischen Neutralität verpflichtet. Der grüne Politiker sagt dazu: «Mein Ziel ist es, bei Konflikten beide Seiten anzuhören, die Hamas haben die Wahlen mit 70 Prozent gewonnen», erklärt Müller.

Die seit 2003 aktive Neutralität der Schweiz stütze sich auf gute Beziehungen zu beiden Streitparteien. So habe unser Land in den Konflikten Armenien-Türkei und Russland-Georgien erfolgreich vermittelt. «Diese Politik der Schweiz unterstütze ich voll und ganz», erklärt Müller, seit Jahren Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK). «Zum Besuch der Hamas-Vertreter muss ich auch korrigieren, dass nicht ich sie eingeladen habe, sondern auf eine Anfrage hin reagierte», betont Müller zum Ablauf. Mit der gleichen Gruppe habe auch ein internationales Parlamentarier-Treffen stattgefunden. Zudem bekräftigt Müller, er habe sich auch schon mit israelischen Politikern getroffen.

Gelassen in Richtung Wahlen

Aus der Sicht von Geri Müller gehe es bei den ja nicht neuen Vorwürfen primär darum, «meine Kandidatur zu diskreditieren.» Aus Baden selber höre er zweierlei Stimmen: «Die einen befürchten, ich könnte schon im ersten Wahlgang gewählt werden, die anderen stufen meine Kandidatur als chancenlos ein», meint er.

Wird das jüngste Gerangel ihn viele Stimmen kosten? «Nein, das schadet mir nicht», ist Müller überzeugt. Denn in der Schweiz gebe es nicht viele Leute, die annehmen, die Palästinenser machten alles falsch und die Israelis alles richtig. Von sich aus werde er jedenfalls nicht aktiv tätig, «die Mails habe ich noch gar nicht gelesen», versichert er. Die Wahlen in den Stadtrat und für den neuen Stadtammann finden am 13. Januar 2013 statt.