Geri Müller, alt Nationalrat der Aargauer Grünen und ehemaliger Badener Stadtammann, war schon als Gymnasiast Teil der Anti-AKW-Proteste. Er hat sich am Dienstag an der Medienkonferenz der Atomaufsichtsbehörde Ensi in Brugg selbst über die geplante Wiederinbetriebnahme von Beznau 1 informiert.

Ihm wurde aber die Möglichkeit verwehrt, im Plenum eine Frage an die Ensi-Verantwortlichen Hans Wanner (Direktor) und Georg Schwarz (Stv. Direktor) zu richten. Dies sei nur für Journalisten möglich, hiess es. Müller ist unter anderem Mitglied von "Nie wieder Atomkraftwerke" und war Präsident der Schweizerischen Energie-Stiftung.

Nach der Medienkonferenz sagte Müller zur AZ: "Es ist ein Risikospiel, was hier getrieben wird." Dem Ensi wirft er nichts vor. "Die machen nur ihren gesetzlichen Job, aber auch nicht mehr", sagt Müller. Die Wiederinbetriebnahme sei "reine Zwängerei".

AKW-Gegner zu Beznau 1: «Die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt»

AKW-Gegner zu Beznau 1: «Die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt»

(6. März 2018)

Dass dieses AKW wieder ans Netz gehe, wirft laut Müller ein schlechtes Licht auf den Aargau und die Schweiz. Er bezweifelt, dass der "Flatterstrom aus Beznau" benötigt wird. Wenn die ganze Schweiz frieren würde, könnte man das Risiko eingehen, Beznau 1 wieder hochzufahren, meint Müller und fügt an: "Aber niemand hat diesen Winter gefroren, obwohl die AKW-Lobby das schon prophezeit hatte. So ist das Ganze einfach nur skandalös." 

Greenpeace-Aktivisten stürmen AKW-Beznau

Greenpeace-Aktivisten stürmen AKW-Beznau (Beitrag vom 5. März 2014)

Kritik von der SP Aargau

Die SP des Kantons Aargau hat den Entscheid der Atomaufsichtsbehörde ENSI zur Wiederinbetriebnahme des Blocks 1 des AKW Beznau kritisiert. Das Hochfahren der Anlage sei "verantwortungslos", hiess es in einer Fraktionserklärung im Grossen Rat.

Der Energiekonzern reite mit dem AKW Beznau ein "totes Pferd", sagte SP-Grossrat Max Chopard am Dienstag. Es gebe keine guten Gründe für ein Hochfahren des alternden Atommeilers.

Ensi-Direktor: «Keine Zweifel, dass der Behälter sicher ist»

Ensi-Direktor: «Keine Zweifel, dass der Behälter sicher ist»

Der Direktor des eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats, Hans Wanner, ist nach der intensiven Überprüfung sicher, dass der Druckbehälter von Beznau 1 sicher ist.

Der Block 1 des AKW Beznau sei seit drei Jahren vom Netz, ohne dass es deswegen zu Versorgungsengpässen gekommen sei. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sich der Betrieb des Reaktors im heutigen Marktumfeld nicht mehr rechne.

Das Hochfahren des Reaktors sei daher "ein ökonomischer Blödsinn und sicherheitstechnisch höchst fragwürdig".

In einer ersten Reaktion verurteilt Greenpeace die Wiederinbetriebnahme von Beznau 1. Es sei ein "schwarzer Tag für die nukleare Sicherheit". Greenpeace werde die technischen Grundlagen zum ENSI-Entscheid in den kommenden Wochen vertieft analysieren. Bereits jetzt lasse sich aber sagen, die Aufsichtsbehörde nehme ein erhöhtes Risiko billigend in Kauf.

(sva/mwa/sda)

Ensi-Direktor: «Das Alter des AKW ist nicht entscheidend»

Ensi-Direktor: «Das Alter des AKW ist nicht entscheidend»

Die Nuklearaufsichtsbehörde Ensi gibt grünes Licht für Wiederinbetriebnahme des AKW Beznau 1. Die Sicherheit, nicht das Alter des Reaktors sei entscheidend dafür, sagt Direktor Hans Wanner.