Wochenkommentar
Geplantes Asylzentrum im Aargau: Bremgarten ist nicht Bettwil

Erinnern wir uns kurz: Vor einem Jahr tobte der Streit um ein Asylzentrum in Bettwil. Die beiden Hauptargumente gegen eine solche Unterkunft waren damals: Die dortigen Militärbaracken sind zu wenig gut ausgerüstet.

Philipp Mäder
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Rund um die geplante Asylunterkunft im Truppenlager Bremgarten gibt es im Moment noch zahlreiche offene Fragen.sl/Archiv

Rund um die geplante Asylunterkunft im Truppenlager Bremgarten gibt es im Moment noch zahlreiche offene Fragen.sl/Archiv

Und 140 Asylsuchende sind zu viele für das abgelegene Dorf mit 555 Einwohnern. Einigkeit herrschte jedoch im Aargau darüber, dass es grosse Zentren braucht, in denen sich die Asylverfahren zentral und zügig abwickeln lassen. Und dass die Armee durchaus über geeignete Standorte verfügt.

Nun scheint ein solcher Standort gefunden: Der Bund will ab Mai 2013 im Truppenlager des Waffenplatzes Bremgarten 150 Asylsuchende unterbringen – überwiegend solche, deren Asylgesuch keine grossen Chancen hat. Natürlich gibt es auch dieses Mal Widerstand. So verlangen die bürgerlichen Politiker aus Bremgarten nun plötzlich eine dezentrale Unterbringung in den Dörfern statt eines grösseren Asylzentrums. Und die stets besorgten Asylorganisationen befürchten, dass Flüchtlinge aus Krisengebieten durch den Schiessbetrieb in der Umgebung verängstigt werden könnten.

Und doch: Bremgarten ist nicht Bettwil. Das verständliche Geplänkel der Lokalpolitiker kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Standort bestens für ein grösseres Asylzentrum eignet. Er ist so abgelegen, dass die Asylsuchenden niemanden in der unmittelbaren Umgebung stören. Und Bremgarten ist gross genug, um die temporären Zuzüger zu verkraften. Das Beste am geplanten Zentrum ist jedoch, dass der Bund zwar finanziell und organisatorisch für den Betrieb verantwortlich ist, die 150 Asylsuchenden dem Aargau bei der Erfüllung seines Kontingentes aber voll angerechnet werden. Kein Wunder also, gibt es bisher keinen Widerstand, der mit jenem von Bettwil vergleichbar wäre.

Die Gefahr, dass es in Bremgarten doch noch namhaften Widerstand geben könnte, besteht dennoch: Die Informationspolitik des Bundes ist bisher eine einzige Katastrophe. So musste der Bremgarter Stadtammann auf dem Latrinenweg erfahren, dass in seiner Stadt ein Asylzentrum geplant ist. Und am gleichen Tag, an dem das Verteidigungsdepartement den offiziellen Informationsbrief an die Aargauer Behörden abschickte, dementierte die Armeesprecherin gegenüber dieser Zeitung einen entsprechenden Entscheid.

Will der Bund den Standort Bremgarten nicht in letzter Minute noch gefährden, so ist er gut beraten, möglichst offen und transparent über seine Pläne zu informieren. Denn die Bevölkerung hat ein Recht, zu wissen, was der Bund genau plant und welche Vorkehrungen er trifft, um die Sicherheit und Ruhe in Bremgarten weiterhin zu garantieren. Falls er das versäumt, könnte Bremgarten doch noch zu einem zweiten Bettwil werden.