Schutznetze

Geplante Umsatzsteigerung um 200 Millionen Franken – wie die Brugg Group der Krise trotzen will

Ein Überwachungsgerät der Brugg Group macht das Schutznetz an der Axenstrasse smart.

Ein Überwachungsgerät der Brugg Group macht das Schutznetz an der Axenstrasse smart.

Coronakrise? Die Brugg Group will den Umsatz mit Innovationen bis 2025 um 150 bis 200 Millionen Franken steigern. Dafür sorgen sollen schlaue Schutznetze an den Hängen der Schweizer Berge.

Die Aussagen von Stephan Wartmann, CEO der Brugg Group, lassen aufhorchen. «Wir wollen unseren Umsatz in den nächsten fünf Jahren um 160 bis 200 Millionen Franken steigern.» Von 450 Millionen Franken im letzten Jahr auf bis zu 650 Millionen im Jahr 2025. Der Umsatz soll also um 30 bis fast 50 Prozent gesteigert werden. Das ist ambitiös. Insbesondere in Zeiten von Corona. In Zeiten, in denen man davon ausgeht, dass die Wirtschaft dieses Jahr um durchschnittlich sechs Prozent schrumpfen wird.

Wie soll das gehen? Wartmann macht kein Geheimnis daraus, dass man auch kleinere Firmenkäufe tätigen wird. Aber sie sollen nur zu einem geringen Teil zum Umsatzzuwachs bei- tragen. Wichtiger sind die bestehenden Geschäftsfelder und vor allem die Innovationen. Die Neuheiten sollen rund 80 bis 100 Millionen Franken zusätzlichen Umsatz generieren.

Vom Liftseil im Burj Khalifa bis zum Schutznetz

Nun ist Stephan Wartmann kein Träumer, sondern ETH-Ingenieur. Er weiss: Innovation passiert nicht von selbst. Deshalb hat das Unternehmen mit weltweit rund 1900 Mitarbeitenden (davon 1200 in der Schweiz) vergangenes Jahr 40 Innovationsprojekte lanciert. Zwischen 2020 und 2025 will man rund 30 Millionen Franken jährlich investieren.

Das soll mit einem zentral koordinierten und sehr stringenten Innovationsmanagement geschehen. Denn die Brugg Group ist ein ziemlicher Gemischtwarenladen bestehend aus vier Industriebereichen und einem Immobilienbereich. Man macht Rohrsysteme für den Transport von Fernwärme bis hin zu extrem kalten Gasen. Aufzugsseile wie jene im Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt in Dubai, kommen ebenso von der Brugg Group wie Spezialkabel für das Laden von E-Autos oder Schutznetze in den Bergen. In mehr als 20 Ländern hat die Brugg Group Niederlassungen. Wartmann sagt: «Wir sind ein globaler Nischenplayer und in allen Märkten als Nummer eins oder zwei, selten auch als Nummer drei unterwegs.»

Die Breite des Unternehmens erklärt aber nur zum Teil die Fülle an Innovationsprojekten. Zentraler Treiber fast aller Projekte ist die Klimaerwärmung und die damit einhergehende politische Zielsetzung der Klimaneutralität bis 2050. Wartmann sagt selbstbewusst: «Wir möchten die Energiewende prägen mit unseren innovativen Lösungen.»

Eines dieser 40 Innovationsprojekte ist der kürzlich lancierte Geobrugg Guard. Das intel- ligente Sensorsystem überwacht Steinschlag- und Murgang- Barrieren, Lawinenverbauungen oder ähnliche Schutzsysteme gegen Naturgefahren. Was das mit Klimaerwärmung zu tun hat? Die Wahrscheinlichkeit von derartigen Naturereignissen wächst mit den steigenden Temperaturen. Mit dem smarten Überwachungsgerät der Brugg Group, das mitunter einen neuartigen Korrosionssensor in sich trägt und Bewegungen sowie Belastungszustände meldet, lässt sich genau voraussagen, wann etwa eine Revision nötig ist oder ein Stein im Netz gelandet ist.

Wartmann fordert ­Innovationsmillionen

Getestet und zur Marktreife gebracht hat man das Gerät in der Schweiz, wobei die ersten Projekte in Slowenien realisiert wurden. Unterdessen kommt es auch in der Schweiz und anderen Alpenländern zum Einsatz. Etwa bei der Axenstrasse am Urnersee (siehe Bild).

Dort in Kombination mit einem Radarüberwachungssystem des ETH-Spin-offs Geopraevent, das auf mehrere Kilometer geringste Bewegungen feststellen kann. Registriert der Radar Bewegung am Hang, wird die Strasse sofort gesperrt. Wenn aber kein Stein im Netz unten angelangt (was der Geobrugg Guard registrieren würde), wird die Sperre automatisch wieder aufgehoben und die Strasse für den Verkehr freigegeben.

Es erstaunt nicht, dass Wartmann die Bedeutung der Schweiz hervorhebt. Hier bewege man sich in einem Cluster von Kunden, Lieferanten, Partnern und Hochschulen, wo viele als Pioniere unterwegs seien. Es ge- längen regelmässig Schweizer Welterfolge. Auch deshalb versteht er nicht, warum der Bundesrat in der Coronakrise neben all den Covid-Krediten kein Innovationspaket geschnürt hat. Er spricht von 150 bis 200 Millionen. «Das wäre ein hervorragendes Mittel in der Krise», sagt er. Ähnlich habe man ja auch in der Bankenkrise gehandelt.

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