AKW Beznau
Geothermie? Nach Aus der Beznauer AKW braucht Fernwärmnetz neue Quelle

Vor 30 war Fritz Ringele der erste Präsident der Refuna, welche die Fernwärme vom AKW Beznau nutzt. Heute ersetzt sie jährlich 16‘000 Tonnen Heizöl. Und die Refuna sucht neue Wärmequellen, weil die AKWs diese nicht ewig liefern werden.

Hans Lüthi
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Fritz Ringele auf der Refuna-Brücke vor dem Atomkraftwert Beznau, woher die Abwärme (noch) kommt.

Fritz Ringele auf der Refuna-Brücke vor dem Atomkraftwert Beznau, woher die Abwärme (noch) kommt.

Alex Spichale

Die Refuna im unteren Aaretal ist das grösste Fernwärmenetz weit und breit, aber die Wärmequelle droht zu versiegen. Zwar laufen die Atomkraftwerke Beznau 1 und 2 laut Axpo noch 15 bis 20 Jahre – aber eines Tages sind die Öfen kalt.

Alternativen haben es schwer: Beznau 3 fällt der Energiewende zum Opfer, das Holzheizwerk Würenlingen wurde ebenfalls politisch erledigt, Gaskraftwerke sind unrentabel. «Im Fokus bleibt die Geothermie», sagt Refuna-Geschäftsleiter Kurt Hostettler – auch nach dem Erdbeben in St. Gallen.

Immerhin: Bei einem Ausfall beider Reaktorblöcke liefern die Ersatz-Heizwerke Wärme. Aber die sind mit Öl beheizt, das CO2 lässt grüssen.

Netzbau als starker Kraftakt

Die grössten Sorgen sahen vor 30 Jahren komplett anders aus: Zwei unerschöpfliche Wärmequellen waren da – aber kein Netz. Günstig war jedoch das Umfeld, die Welt stand noch im Schock der Erdölkrise von 1973/74, Umweltschutz war hoch im Kurs und die Ölpreise stiegen und stiegen.

Edmund Loepfe von der Direktion des EIR und späteren Paul-Scherrer-Instituts (PSI) und Karl Heinz Handl von den Nordostschweizerischen Kraftwerken (NOK, heute Axpo) bereiteten das Bauwerk vor.

Die Zustimmung in den Gemeinden war teilweise hauchdünn – aber es reichte überall. Heute fliesst die Fernwärme über 132 Kilometer Haupt- und Ortsnetze zu rund 2600 Bezügern.

Vertrag 14-mal abgeändert

Das Pionierwerk benötigte Technik und Technokraten, aber für den Böttsteiner Ammann Fritz Ringele (1934) war rasch klar, dass für ein Gelingen Politik und Psychologie viel wichtiger waren.

Der mit viel Bauernschläue gesegnete und im unteren Aaretal anerkannte Politiker war ab 1983 in der heissen Phase erster Präsident der Refuna AG.

«Mitunter hat es sich schon seltsam angefühlt, als Bauer zwischen Professoren, Akademikern und Ingenieuren zu stehen und das Zepter zu schwingen», sagt Ringele heute. Politischer Instinkt und Hartnäckigkeit führten dazu, dass Anwalt Ulrich Fischer den Refuna-Vertrag 14-mal abändern musste.

Die Gemeinden wollten in der Aktiengesellschaft eine Mehrheit von 51 Prozent und erreichten diese auch.

Im Jahr 1984 setzte Refuna unglaublich Dampf auf: Der Bau der Hauptleitung ab den Atomkraftwerken Beznau begann – schon im Dezember waren das Hauptnetz und Teile der Ortsnetze in Betrieb. Die ersten hundert Anschlüsse konnten mit Fernwärme beliefert werden.

Dieser Kraftakt war auch für das politische Urgestein Fritz Ringele schwierig zu bewältigen: «1984 hatten wir 50 Sitzungen, das hat mich so viel Substanz gekostet wie der Gemeindeammann», betont er rückblickend.

Die Bevölkerung wuchs vor allem in Kleindöttingen rasch. Widerstand und massive Drohungen erlebte Ringele wegen der Atomenergie und der ersten Nagra-Bohrungen im Land. Trotz allem aber blieb er 36 Jahre lang im Gemeinderat, davon 24 Jahre als Böttsteiner Ammann.

Mundart vor dem Bundesrat

Fritz Ringele sprach immer so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, frei und ohne Manuskript, dafür geistreich und witzig – auch im Grossen Rat. Als ihm bei der Einweihung des Werks Rüfenach bedeutet wurde, er dürfe doch im Beisein eines Bundesrates nicht Mundart reden, fragte er Leon Schlumpf selber.

Das sei ihm ganz recht, meinte Schlumpf, böse Zungen behaupteten ohnehin, bei ihm merke man keinen Unterschied zwischen Mundart und Hochdeutsch.

Nach fünfjähriger Amtszeit trat Fritz Ringele als erster Refuna-Präsident zurück. «Mein Auftrag bestand darin, die politische Akzeptanz zu erwirken, und diesen hatte ich offensichtlich erfüllt.» Von der Atomenergie und von Refuna ist er nach wie vor überzeugt. Das heisse Wasser ersetzt jährlich 16 000 Tonnen Heizöl.

Politisch nicht gelungen ist das grosse Schwesterwerk Transwaal, das Beznau-Abwärme bis nach Zürich hätte liefern sollen.