«Ist das der Anfang vom Ende des Aargaus als Industriekanton?» Das wollte Moderator Kaspar Loeb zu Beginn des «TalkTäglich» von Regierungsrat Urs Hofmann, SP-Grossrat und Gewerkschafter Max Chopard sowie Handelskammer-Geschäftsführer Peter Lüscher wissen. Hintergrund der Frage sind die Stellenkürzungen, die in den letzten Wochen und Monaten angekündigt wurden: 250 Jobs bei Rockwell in Aarau, 235 bei Roche in Kaiseraugst, dazu kommt der drohende Kahlschlag bei General Electric in Baden, Birr und Oberentfelden.

Wie attraktiv ist der Aargau?

Alle drei widersprachen dieser These und betonten, der Aargau sei als Wirtschaftsstandort nach wie vor attraktiv. «Es ist kein Zufall, dass Alstom gerade hier tätig war, bevor ihre Energiesparte von GE übernommen wurde», sagte Regierungsrat Urs Hofmann. Aus seiner Sicht gehören die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Produktion zusammen. Dass General Electric diese aufteilen und die vermeintlich zu teure Herstellung ins Ausland auslagern wolle, könne er sich nicht vorstellen. «Es wird einen gesamtheitlichen Entscheid geben», prophezeite Hofmann.

SP-Grossrat und Gewerkschafter Max Chopard hielt fest, die Schweiz und der Aargau seien auch als Produktionsstandort nicht zu teuer, wenn man auf der anderen Seite die Vorteile berücksichtige, die Firmen hier hätten. Chopard nannte insbesondere die hohe Produktivität, das gut ausgebildete Personal und die moderne Infrastruktur.

Und auch Peter Lüscher, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, lobte den Aargau. Dessen Qualität zeige sich an der hohen Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen, die sich auf dem Weltmarkt behaupten. «Wir haben viele Absolventen der Berufsmatur und der Fachhochschule», sagte er.

Streit um Industriepolitik

Gar nicht einig waren sich die drei Diskussionsteilnehmer hingegen, als es um konkrete Rezepte gegen den Stellenabbau ging. Chopard wiederholte seine Forderung nach einem Industriefonds, die er per Vorstoss im Grossen Rat eingebracht hatte. Mit dem Geld sollten Firmen im Aargau bei der Innovation unterstützt werden, zudem könnte der Kanton für Kredite bürgen oder andere Projekte finanzieren.

Hörbar ungehalten fuhr ihm Parteigenosse Hofmann in die Parade: Der Kanton habe mit dem Programm Hightech Aargau, das vom Parlament erst im Frühling bis 2020 verlängert und mit 25,6 Millionen Franken ausgestattet wurde, heute schon ein solches Instrument, Chopard sei nicht auf dem Laufenden. Dieser widersprach und sagte, der Industriefonds, den es in den Kantonen Waadt und Genf schon gebe, könne Hightech Aargau ergänzen.

Gar nichts von staatlicher Industriepolitik hält Peter Lüscher. Es sei falsch, wenn Kantonsangestellte entscheiden müssten, welche Projekte und Firmen förderungswürdig seien. «Die Aargauer Unternehmen wollen keine Staatskrücken und keine Subventionen, sondern möglichst frei entscheiden können.»