Die Vorgabe ist an sich klar: Ein Oberstufenzentrum muss mindestens sechs Real- und Sekundarschulabteilungen umfassen, eine Schulanlage im Dorf mindestens drei Oberstufenabteilungen. Wer eine Schule im Dorf will, muss mindestens sechs Abteilungen dauerhaft führen können. Und Bezirksschulen dürfen nur noch in jenen Dörfern bestehen bleiben, in denen der Bedarf von ebenfalls mindestens sechs Klassen ausgewiesen ist. Gemeinden, die diese Vorgaben nicht erfüllen, müssen handeln.

Diese Vorgaben haben die Aargauerinnen und Aargauer am 11. März 2012 an der Urne beschlossen; auch die Mindestgrössen für die einzelnen Abteilungen wurden dabei vom Volk festgelegt. Mit diesen Massnahmen sollen die Funktionsfähigkeiten der Schulen in organisatorischen, pädagogischen und finanziellen Belangen gestärkt werden.
Die Konsequenzen des Entscheides bekommen jetzt viele kleinere Gemeinden im Aargau zu spüren. Sie müssen entscheiden, wie es mit ihrer Schule weitergeht, die von der Grösse her den neuen Anforderungen nicht mehr entspricht. Es bleibt in der Regel nur die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden für die Gründung einer gemeinsamen Schule an einem Ort.

Doch die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass viele betroffene Gemeinden an ihre Grenzen kommen, oft auch überfordert sind, wenn sie sich zu einer regionalen Schule zusammenraufen müssen. Die aktuellen Beispiele aus dem Wynental, dem Seetal oder aus dem Zurzibiet zeigen, wie sehr regionale Befindlichkeiten Lösungen erschweren können.

Keine weitere Reform bis 2025

In der Antwort auf eine Interpellation von CVP-Grossrat Andreas Meier über die Bildung von Oberstufenstandorten äussert sich nun auch die Regierung. In erster Linie seien die Gemeinden aufgefordert, sich mit den Auswirkungen von veränderten Mindestgrössen für Oberstufenzentren und Bezirksschulen zu befassen, bestätigt die Regierung. Dabei gelte es, eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen. Strukturelle, geografische, finanzielle und schulische Rahmenbedingungen spielten eine Rolle, aber auch die Prognosen über künftige Entwicklungen der Schülerzahlen, die Auslastung der Schulanlage und letztlich auch die Schulwege der Schülerinnen und Schüler müssten in die Überlegungen miteinbezogen werden.
Immerhin versichert der Regierungsrat, vorderhand sei an der Oberstufe keine Reform geplant. Die nächste Änderung sei frühestens ab 2025 möglich, dann nämlich, wenn die Bezirksschule für Übertretende ans Gymnasium allenfalls um ein weiteres Jahr verkürzt werden könnte. Dies könnte im Rahmen des Reformmoduls «Verkürzung der Schuldauer bis zur gymnasialen Matur» geschehen. Zwischen zwei und vier Millionen Franken pro Jahr kann der Kanton einsparen, wenn die Schulzeit bis zur Matur um ein Jahr verkürzt wird.

Kernaufgabe der Repla

Der Regierungsrat mischt sich nur dann ein, wenn die Gemeinden sich nicht einigen können. So geschehen etwa, als die Regierung entschied, dass von den drei Bezirksschulen Fahrwangen, Seon und Seengen, diejenige in Fahrwangen geschlossen wird. Die betroffenen Gemeinden hatten sich vorher nicht zu einer gemeinsamen Lösung durchringen können.
Schliesslich bestätigt der Regierungsrat, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn die regionalen Regionalplanungsverbände (Repla) den Lead für die Schulstandortplanung übernehmen. Denn Planung innerhalb der Region gehöre zu den Kernaufgaben jeder Repla.