Standortförderung
Gemeinsam statt einsam: Damit die Altstädte nicht in Schönheit sterben

Um sich besser zu vermarkten, lancieren Aargauer Stadtgemeinden eine gemeinsame Marktoffensive. Gemeinsam wollen sie in Sachen Standortförderung voneinander lernen.

Hubert Keller
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Rheinfelden beweist es: Die Aargauer Altstädte sind schön. Sie schaffen Emotionalität und Identität. ACH

Rheinfelden beweist es: Die Aargauer Altstädte sind schön. Sie schaffen Emotionalität und Identität. ACH

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Die Aargauer Altstädte sind schön, sie haben eine grosse Identität stiftende Kraft, sie sind Orte der Zugehörigkeit und der Begegnung. Die Aargauer Altstädte sind seit vielen Jahren aber auch grossem Druck ausgesetzt. Das grösste Problem, das sich vor allem kleineren Städten stellte und unterschiedlich stark noch immer stellt, ist der Abfluss der Kaufkraft in die grossen Einkaufszentren.

Die Ladeninhaber verlieren mit den Kunden ihre wirtschaftliche Grundlage und müssen Wertverluste an den Liegenschaften in Kauf nehmen. Die grösseren Städte wie Aarau und Baden müssen sich mit den Konflikten herumschlagen, die sich aus den unterschiedlichen Nutzungen ergeben. Kultur-, Gastro- und Party-Angebote vertragen sich oft schlecht mit den Bedürfnissen der Bewohner der Altstadt.

Die Probleme der Altstädte sind erkannt. Aber nicht nur die Probleme, sondern auch die Stärken. An einer Tagung, an der zwölf Aargauer Altstädte vertreten waren, wurden Nägel mit Köpfen gemacht und die Gründung einer «IG Aargauer Altstädte» angeregt. Ziel und Zweck: «Die Aargauer Altstädte sollen sich mit ihren Stärken und Einzigartigkeiten als Standortfaktor vernetzen und geeignete Plattformen für die gemeinsame Promotion nutzen.»

So steht es auch in einem Brief, der in diesen Tagen in den Ratsstuben der Städte gelandet ist. Um das Projekt vorantreiben zu können, braucht es Geld, denn bis jetzt wurden alle Arbeiten ehrenamtlich und unbezahlt geleistet.

Die Initiative kam aus Aarau, wo im Rahmen des Entwicklungsprozesses der Aarauer Altstadt und aus vielen Gesprächen in der Runde der Standortförderung wichtige Erkenntnisse gewonnen wurden. Motor ist Marcel Suter, der als Präsident der Aarauer Detaillistenvereinigung «Zentrum» hautnah mit den Problemen konfrontiert wird. Begleitet wird die Initiative von Aargau Services Standortförderung, einer Abteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres.

Der Kanton könne nur eine Moderatorenrolle spielen, sagt Oliver Bachmann, Projektleiter bei Aargau Services Standortförderung. Die Ressourcen für ein vom Kanton bewirtschaftetes Projekt seien nicht vorhanden. Doch auch den Vertretern der Städte scheint klar, wie Bachmann bekräftigt, der Lead muss bei den Städten selber sein. Wichtiger Partner ist Aargau Tourismus, der seine Unterstützung bei der Vermarktung neuer, gemeinsamer und vernetzter touristischer Angebote rund um die Altstädte zugesichert hat.

Projektideen, die gemeinsam weiter entwickelt werden könnten, liegen bereits vor: Stadthüpfer (mit dem öV von Stadt zu Stadt), Shopping-Travel (Einkaufserlebnis Altstadt), Kneipen-Pass (kulinarische Spezialitäten), touristische Weekend-Angebote (wie in Baden). Wichtig ist den Gemeindevertretern, wie sich an der erwähnten Tagung herausstellte, aber auch, dass sie Erfahrungen austauschen und in Sachen Altstadtentwicklung voneinander lernen.

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