Aarburg
Gemeinderat erteilt serbischem Sänger Konzertverbot – seine Lieder sind ein Sicherheitsrisiko

Das Konzert eines serbischen Sängers Mirko Pajcin in Aarburg wird auf Empfehlung der Polizei abgesagt. Seine Lieder stellen ein Sicherheitsrisiko dar. Pajcin und sein Veranstalter sind anderer Meinung.

Nora Bader
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Auf Anraten der Kantonspolizei wurde das Konzert des serbischen Sängers Mirko Pajcin aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Auf Anraten der Kantonspolizei wurde das Konzert des serbischen Sängers Mirko Pajcin aus Sicherheitsgründen abgesagt.

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Nach gründlichen Abklärungen entzieht der Aarburger Gemeinderat dem Veranstalter heute Freitag per eingeschriebenem Brief die Erlaubnis für das Konzert vom 10. September in der Mehrzweckhalle Paradiesli. Dort wäre der serbische Sänger Mirko Pajcin – bekannt als Baja Mali Knindza – aufgetreten.

Er soll wegen zahlreichen rechtsradikalen Liedern und Bekenntnis zur radikalen serbischen Partei SRS ein Auftrittsverbot in anderen Ländern erhalten haben. Sein Künstlername sei eine Anspielung auf eine serbische paramilitärische Einheit unter dem Kommando des gesuchten Kriegsverbrechers Dragan Vasiljkovic, die während des Kroatienkrieges an verschiedenen Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sei, sagen verschiedene Quellen dieser Zeitung.

«Heute sind die Texte lustig»

Das sei Blödsinn, heisst es beim Veranstalter. Früher habe der besagte Sänger tatsächlich Lieder mit nationalistischem Inhalt gesungen, sagt Daniela Jovic, Mitglied des Vereins KUD Dobrosav Radovanovic Kikac aus Basel, der das Konzert in Aarburg organisiert. Auf die Lokalität sei man gekommen, weil im Raum Basel nichts frei gewesen sei.

«Dass der Sänger Lieder mit umstrittenem Inhalt sang, ist aber sehr lange her. Heute sind seine Texte eher lustig. Sonst könnte der Verein mit über 120 Mitgliedern allen Alters ja wohl kaum hinter einer solchen Veranstaltung stehen.»

Und: Sie finde es seltsam, dass diese Vorwürfe gerade jetzt auftauchen würden, wo das Konzert des kroatischen «Hasssängers» Thompson in Schlieren ZH in die Schlagzeilen geraten sei, sagt Daniela Jovic. «Ich unterschreibe, dass Baja Mali Knindza heute kein einziges nationalistisches Lied mehr singt.» Jeder habe zudem eine zweite Chance verdient.

Kantonspolizei empfiehlt Absage

Bei der Aargauer Kantonspolizei sieht man der Thematik aber nicht so gelassen entgegen. «Aus Sicherheitsgründen haben wir der Gemeinde Aarburg empfohlen, das Konzert nicht zu bewilligen», bestätigt Sprecher Bernhard Graser.

Die öffentliche Ruhe und Sicherheit sei mit der Durchführung des Anlasses vom 10. September nicht gewährleistet. Mehr könne er dazu nicht sagen, da es sich um nachrichtendienstliche Erkenntnisse handle.

Der Aarburger Gemeinderat seinerseits nimmt die Empfehlung der Polizei sehr ernst. «Wir haben uns deshalb entschieden, dem Veranstalter die Bewilligung für das Konzert zu entziehen», sagt Gemeindeammann Hans-Ulrich Schär auf Anfrage des Zofinger Tagblatts.

Hans-Ulrich Schär

Hans-Ulrich Schär

«Es gab nie Probleme»

Der in Basel ansässige serbische Folklore-Verein habe die Paradiesli-Halle in Aarburg in der Vergangenheit auch schon gemietet. «Es gab nie Probleme», so Schär weiter. Deshalb habe sich der Gemeinderat auch nichts Böses dabei gedacht, als er von der Veranstaltung gehört habe.

Nach verschiedenen Hinweisen aus der Bevölkerung, dass es sich um einen rechtsextremen und umstrittenen Sänger handle, schaltete der Gemeinderat aber unverzüglich die Polizei und weitere Stellen ein, welche die Lage einschätzen sollten.

Und während im Aarburger Rathaus die Besorgnis immer grösser wurde, versteht man beim veranstaltenden serbischen Traditions-Verein aus Basel die Aufregung nicht. «Mir fehlen die Worte», sagt Präsident Ilija Jovic. Der Sänger habe ja ein Visum für den Aufenthalt in der Schweiz zwecks seines Konzertes bekommen.

«Wenn etwas nicht mit rechten Dingen zu- und hergehen würde, wäre seine Einreise sicher nicht bewilligt worden. Ich weiss nicht, wo das Problem liegt.» Die Gemeinde Aarburg hingegen wisse das sehr wohl, so Gemeindeammann Schär.

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