Safenwil

Gemeindepräsident zur Asyldebatte: «Wir wollen nicht mehr als Gerechtigkeit»

«Den Bewohnern muss es wohl sein – das ist auch Solidarität»: Gemeindeammann Daniel Zünd stellt sich in der Asylfrage hinter die Safenwiler

«Den Bewohnern muss es wohl sein – das ist auch Solidarität»: Gemeindeammann Daniel Zünd stellt sich in der Asylfrage hinter die Safenwiler

Safenwil wehrt sich gegen die geplanten Asylcontainer. Gemeindepräsident Daniel Zünd sagt im Talk, warum er es unfair findet, seiner Gemeinde eine Unterkunft für 95 Asylbewerber aufzudrängen.

Die Wogen gingen hoch am Informationsanlass über die geplante Containersiedlung in Safenwil am Montagabend. Von gewaltbereiten Asylsuchenden war die Rede, von «Hotspots» beim Schulhaus oder beim Bahnhof.

Gemeindeamman Daniel Zünd ist dennoch stolz auf sein Dorf. «Der Abend war emotional, die Fragen waren hart aber sachlich», so Zünd in der Sendung TalkTäglich auf Tele M1. Es habe weder persönliche Angriffe noch Voten unter der Gürtellinie gegeben.

Immerhin kam es in der vollbesetzten Safenwiler Mehrzweckhalle am Montagabend vereinzelt zu Zwischenrufen. Einzelne Redner wurden gar ausgebuht. Dafür hat der Gemeindammann ein gewisses Verständnis: «Mit über 400 Leuten in der Halle ist es schwierig, alles abzudämpfen.» Wichtiger sei gewesen, allen Anwesenden Gelegenheit zu geben, sich zu äussern.

Patrizia Bertschi, Präsidentin des Netzwerks Asyl Aargau und der zweite Gesprächsgast, fühlte sich bei den Aufnahmen aus Safenwil an ähnliche Anlässe in Bettwil erinnert. Sie kann zwar die Bedenken der Bevölkerung nachvollziehen, sieht diese jedoch im fehlenden Wissen begründet. Die Erfahrung zeige, wenn sich Einheimische und Asylsuchende erst mal begegnen, fallen Ängste und Vorurteile ziemlich bald weg.

Notlage vs. Feste Unterbringung

Safenwil weigere sich ja nicht gegen die Aufnahme von Asylbewerbern, stellte Gemeindeammann Zünd klar. Mit 28 Aufgenommenen habe die Gemeinde ihr Soll bereits mehr als erfüllt und mit den derzeitigen Asylbewerbern gebe es kaum Probleme. Vielmehr geht es ihm um die Verteilung. «Wir wollen nicht mehr als Gerechtigkeit». Gerechtigkeit, so Zünd, bedeutet eine gerechte Verteilung.

Ausserdem müsse zwischen Notlage und fester Unterbringung unterschieden werden. Mann sei bereit für den Notfall, wenn es darum gehe, schnell Unterkünfte zu finden. «Da reden wir aber von drei bis sechs Monaten. Das ist nicht dasselbe. Die Containeranlage soll zehn, fünfzehn Jahre bleiben.»

«Den Einwohnern muss es auch wohl sein»

Eine weitere Sorge sind die Kosten. Das Beispiel Aarburg zeigt, dass viele Asylbewerber früher oder später in die Sozialhilfe abrutschen und dann der Gemeinde auf der Tasche liegen. Das ist auch Patrizia Bertschi klar. Deshalb sei es wichtig, dass anerkannte Flüchtlinge eine Chance auf einen Berufseinstieg erhielten. «Niemand will auf Lebensdauer sozialhilfeabhängig sein», sagt Bertschi. Auch günstiger Wohnraum sei wichtig.

Dem widerspricht Daniel Zünd. Arbeitslose Migranten würden kaum wegen einer günstigeren Wohnung an einen anderen Ort ziehen, findet er. Viel eher bleibe man im Ort, wo vielleicht schon die Kinder zur Schule gehen. «Das ist ein ganz normaler Reflex, denn wir als Eltern auch haben.» Die Integration hingegen fiele doch einfacher, wenn die Asylbewerber besser verteilt seien.

Ausserdem gelte es nicht nur die Seite der Asylbewerber anzuschauen. «Den Einwohnern in der Gemeinde muss es auch noch wohl sein», gibt der Ammann zu bedenken, «Das ist auch Solidarität, dafür kämpfe ich.»

Wie seine Gemeinde nun weiter vorgehen will, hängt vom Baugesuch ab, welches am vergangenen Freitag eingereicht wurde. «Wir werden das Baugesuch auf Herz und Nieren prüfen», sagt Zünd und lässt durchblicken, dass man auf juristischer Ebene nach einem Weg sucht, die Containersiedlung für Asylsuchende in Safenwil zu verhindern. (cze)


Die ganze Sendung sehen Sie hier:

Safenwil wehrt sich gegen Container-Siedlung für Flüchtlinge – sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» zum Thema

Safenwil wehrt sich gegen Container-Siedlung für Flüchtlinge – sehen Sie hier die ganze Sendung «TalkTäglich» zum Thema

Im Dorf bei Zofingen ist der Wiederstand gegen eine geplante Container-Siedlung mit bis zu 100 Asylbewerbern riesig. Doch wo soll der Kanton die zugewiesenen Asylbewerber sonst unterbringen? Darüber diskutieren der Safenwiler Gemeindeammann Daniel Zünd und Patrizia Bertschi, Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl Aargau.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1