Gemeindefinanzstatistik 2010

Gemeinden im Aargau haben immer weniger Schulden

Die Schulden sind im Aargau im Vergleich zu anderen Kantonen schneller geschwunden.

Die Schulden sind im Aargau im Vergleich zu anderen Kantonen schneller geschwunden.

Alle Gemeinden haben zusammen Nettoschulden von sage und schreibe noch 38 Millionen Franken. Doch zwischen den Gemeinden gibt es zum Teil enorme Unterschiede, wie unsere Beispiele zeigen

Die Schuldensituation in der Schweiz entwickelte sich in den letzten Jahren im Vergleich zu vielen EU-Ländern glücklicherweise antizyklisch. Während die Schulden mancher EU-Länder schwindelerregend angestiegen sind, sinkt die Staatsverschuldung in der Schweiz seit fast zehn Jahren – und zwar auf allen drei Staatsebenen. Diese Entwicklung kann man durchaus auf den Aargau und seine Gemeinden übertragen.

Wie die Gemeindefinanzstatistik 2010 von Statistik Aargau zeigt, sind die Schulden in unseren Gemeinden sogar schneller geschwunden als in vielen anderen Kantonen. Noch 1996 lasteten auf jedem Einwohner und jeder Einwohnerin im Durchschnitt allein 2 037 Franken Gemeindeschulden. Bis Ende 2010 sanken diese sukzessive auf noch 62 Franken pro Person. In absoluten Zahlen: auf ganze 38 Millionen Franken Nettoschulden.

91 Gemeinden schuldenfrei

Von den damals 220 Gemeinden (derzeit sind es 219) wiesen 91 keine Nettoschulden aus. Derweil kamen die anderen Gemeinden auf eine Nettoschuld von zusammen 480 Millionen Franken. Diese wurden aber durch die Nettovermögen in anderen Gemeinden fast aufgewogen. 2010 fällt weiter auf, dass der Gesamtaufwand pro Einwohner gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent gesunken ist. Und das Investitionsvolumen der Gemeinden betrug «nur» 183 Millionen Franken. Es lag damit 82 Millionen Franken unter dem Vorjahreswert.

Derzeit wird ein Gemeindeabschluss nach dem anderen für 2011 bekannt. Etliche sind so gut, dass die Prognose nicht gewagt ist, dass die Aargauer Gemeinden Ende 2011 netto (Nettoschulden abzüglich Nettovermögen) wohl keine Schulden mehr hatten.

Viele Parameter ergeben ein Bild

Nun sagen die absoluten Zahlen natürlich nicht alles aus, wie die vier Beispiele von drei Gemeinden und einer Stadt auf dieser Seite exemplarisch zeigen. Beurteilt werden müssen auch Steuerertrag, Steuerkraft, Nettoaufwand, Nettoinvestitionen, Selbstfinanzierungsgrad, Zinsbelastung, die Entwicklung des Steuerfusses, geografische Lage, Verkehrsanbindung, anstehende Investitionen, die Wirkung des Finanzausgleichs, neue und/oder höhere Lasten usw.

Steuerfussschere ist zu gross

Es bestehen zwischen den Gemeinden zum Teil auch beim Steuerfuss grosse Unterschiede. Hier klafft die Schere zwischen Döttingen (60 Prozent) und Schwaderloch (126 Prozent) zu weit auseinander. Das ist ein wichtiger Grund, warum der innerkantonale Finanzausgleich derzeit durchleuchtet und dann wohl auch angepasst wird. Wobei anzufügen ist, dass der durchschnittliche Gemeinde-Steuerfuss seit 1965 in Wellenbewegungen von rund 135 auf derzeit rund 103 Prozent gesunken ist.

Bis vor kurzem war Effingen - gemessen an der Einwohnerzahl eine der höchstverschuldeten Gemeinden im Kanton Aargau. Noch im 2010 hatte das 600-Seelen-Dorf eine Investitionslast von über drei Millionen Franken zu bewältigen: Kantons- und Quartierstrassen mussten saniert werden, inklusive der Werkleitungen. «Finanziell ist das ein Brocken, den wir mit unserer Steuerkraft nicht alleine stemmen können», wie Gemeindeschreiber Stefan Treier ausführt. Das Finanzloch betrug kurzfristig über fünf Millionen Franken, was damals eine Schuldenlast pro Einwohner von mehr als 8000 Franken bedeutete. «Wir sind aber auf dem Weg der Gesundung, werden durch den kantonalen Finanzausgleichsfonds unterstützt.» Heute beträgt die Schuldenlast pro Einwohner noch knapp die Hälfte. Der Kanton habe die Sparanstrengungen der Gemeinde Effingen positiv zur Kenntnis genommen und wisse um die Situation. Wir sind mit dieser Finanzsituation allerdings nicht alleine, sondern befinden uns mit zahlreichen Orten in bester Gesellschaft. Welche Perspektiven hat Effingen in naher Zukunft? Grössere Investitionen, die sich erneut krass auf die Schuldensituation auswirken würden, seien aktuell nicht geplant. «Wir sind zufrieden mit dem Stand der Dinge», sagt Treier, relativiert aber: «Wir können natürlich nicht sagen, welche Kosten seitens des Kantons noch auf uns zukommen.» Die Gemeinde sieht es jedenfalls als wichtig an, «Hand in Hand» und im «guten Vertrauen» mit den Stimmbürgern zusammenzuarbeiten. (mre)

Effingen: Einst über 8000 Franken Schulden pro Einwohner

Bis vor kurzem war Effingen - gemessen an der Einwohnerzahl eine der höchstverschuldeten Gemeinden im Kanton Aargau. Noch im 2010 hatte das 600-Seelen-Dorf eine Investitionslast von über drei Millionen Franken zu bewältigen: Kantons- und Quartierstrassen mussten saniert werden, inklusive der Werkleitungen. «Finanziell ist das ein Brocken, den wir mit unserer Steuerkraft nicht alleine stemmen können», wie Gemeindeschreiber Stefan Treier ausführt. Das Finanzloch betrug kurzfristig über fünf Millionen Franken, was damals eine Schuldenlast pro Einwohner von mehr als 8000 Franken bedeutete. «Wir sind aber auf dem Weg der Gesundung, werden durch den kantonalen Finanzausgleichsfonds unterstützt.» Heute beträgt die Schuldenlast pro Einwohner noch knapp die Hälfte. Der Kanton habe die Sparanstrengungen der Gemeinde Effingen positiv zur Kenntnis genommen und wisse um die Situation. Wir sind mit dieser Finanzsituation allerdings nicht alleine, sondern befinden uns mit zahlreichen Orten in bester Gesellschaft. Welche Perspektiven hat Effingen in naher Zukunft? Grössere Investitionen, die sich erneut krass auf die Schuldensituation auswirken würden, seien aktuell nicht geplant. «Wir sind zufrieden mit dem Stand der Dinge», sagt Treier, relativiert aber: «Wir können natürlich nicht sagen, welche Kosten seitens des Kantons noch auf uns zukommen.» Die Gemeinde sieht es jedenfalls als wichtig an, «Hand in Hand» und im «guten Vertrauen» mit den Stimmbürgern zusammenzuarbeiten. (mre)

Das gallische Dorf der Widerspenstigen heisst im Aargau Neuenhof. Die aktuelle Situation: Die Steuer- und Finanzkraft ist sehr niedrig, mit über 8200 Einwohnern ist der Aufwand für kommunale Aufgaben hoch. Der rettende Zusammenschluss mit der Stadt Baden wurde im Jahr 2010 in Baden abgelehnt. Der Gemeinderat entschied sich für die «Strategie vorwärts». Sie startete mit der Reduktion des Steuerfusses auf 98% (Bezirksmittel), beinhaltet die Förderung der Attraktivität, zielgerichtetes Standortmarketing und Investitionen in die Zukunft. Auch die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) wird überarbeitet. Die schiefe Finanzlage ist primär in der Geschichte zu suchen. Das Bauerndorf wuchs in den Boom-Jahren der BBC (heute ABB) als Arbeiterdorf. An der Zürcherstrasse dominieren Wohnquartiere mit Wohnblöcken, alle in die Jahre gekommen. Top-Wohnlagen kann Neuenhof keine anbieten, liegt aber strategisch im boomenden Limmattal, nahe am Autobahnanschluss und mit eigener S-Bahnstation sehr gut. Wichtige Projekte sind heute: neue Wohnüberbauung Härdli an der Limmat, bauliche Massnahmen zusammen mit Investoren, um die Wohnquartiere attraktiver zu gestalten. Damit und mit der besseren Nutzung der Gewerbe- und Industriezone möchte Neuenhof potente Steuerzahler anziehen. Doch die Zeit läuft der Gemeinde davon, das Eigenkapital schwindet. Bereits mittelfristig braucht Neuenhof die Stadt Baden als Partner, und dessen ist man sich bewusst. (rhu)

Neuenhof: Setzen auf eine Zukunft mit potentem Partner

Das gallische Dorf der Widerspenstigen heisst im Aargau Neuenhof. Die aktuelle Situation: Die Steuer- und Finanzkraft ist sehr niedrig, mit über 8200 Einwohnern ist der Aufwand für kommunale Aufgaben hoch. Der rettende Zusammenschluss mit der Stadt Baden wurde im Jahr 2010 in Baden abgelehnt. Der Gemeinderat entschied sich für die «Strategie vorwärts». Sie startete mit der Reduktion des Steuerfusses auf 98% (Bezirksmittel), beinhaltet die Förderung der Attraktivität, zielgerichtetes Standortmarketing und Investitionen in die Zukunft. Auch die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) wird überarbeitet. Die schiefe Finanzlage ist primär in der Geschichte zu suchen. Das Bauerndorf wuchs in den Boom-Jahren der BBC (heute ABB) als Arbeiterdorf. An der Zürcherstrasse dominieren Wohnquartiere mit Wohnblöcken, alle in die Jahre gekommen. Top-Wohnlagen kann Neuenhof keine anbieten, liegt aber strategisch im boomenden Limmattal, nahe am Autobahnanschluss und mit eigener S-Bahnstation sehr gut. Wichtige Projekte sind heute: neue Wohnüberbauung Härdli an der Limmat, bauliche Massnahmen zusammen mit Investoren, um die Wohnquartiere attraktiver zu gestalten. Damit und mit der besseren Nutzung der Gewerbe- und Industriezone möchte Neuenhof potente Steuerzahler anziehen. Doch die Zeit läuft der Gemeinde davon, das Eigenkapital schwindet. Bereits mittelfristig braucht Neuenhof die Stadt Baden als Partner, und dessen ist man sich bewusst. (rhu)

Die kleinste Freiämter Gemeinde Geltwil und die nach Gallenkirch, Linn und Wiliberg mit 186 Einwohnern viertkleinste im Kanton Aargau ist bezogen auf die Anzahl Einwohner die reichste: Das Vermögen pro Einwohner beträgt 11 614 Franken. Gabi Vollenweider, Leiterin Finanzen der Gemeinde, nennt zwei Gründe: «Wir haben gute Steuerzahler und die Behörde geht sehr haushälterisch mit dem Geld um.» Hinzu kommt, dass die Gemeinde bis heute vom Finanzausgleich profitiert. Die Gemeinde könnte auch ohne Finanzausgleich auskommen. Die Gemeindefinanzen sind so gut, dass der Steuerfuss 2010 von 105 auf 90 Prozent gesenkt werden konnte. Dazu beigetragen hat auch ein leichtes, bewusst angestrebtes Wachstum in den letzten Jahren. Unter anderem genehmigten die Stimmberechtigten 2004 einen Kredit von 2,5 Mio. Franken für die Erstellung eines Mehrfamilienhauses. Mit dem Bau wurde das Ziel verfolgt, den Zuzug in die Gemeinde zu fördern und damit auch die Gesamtschule zu sichern. Weitere Zuzüger nutzen das vorhandene Bauland, um ihr Einfamilienhaus mit Blick auf den Zugersee und in die Alpen zu erstellen. Gegenwärtig ist die Gemeinde daran, das Schulhaus zu erweitern und umzubauen. Dass die Kosten von 2,2 Mio. Franken aus der eigenen Kasse bezahlt werden können, liegt angesichts der Finanzlage auf der Hand. Die Einweihung erfolgt Anfang September. (ES)

Geltwil: Mit 11614 Franken Vermögen pro Einwohner Spitze

Die kleinste Freiämter Gemeinde Geltwil und die nach Gallenkirch, Linn und Wiliberg mit 186 Einwohnern viertkleinste im Kanton Aargau ist bezogen auf die Anzahl Einwohner die reichste: Das Vermögen pro Einwohner beträgt 11 614 Franken. Gabi Vollenweider, Leiterin Finanzen der Gemeinde, nennt zwei Gründe: «Wir haben gute Steuerzahler und die Behörde geht sehr haushälterisch mit dem Geld um.» Hinzu kommt, dass die Gemeinde bis heute vom Finanzausgleich profitiert. Die Gemeinde könnte auch ohne Finanzausgleich auskommen. Die Gemeindefinanzen sind so gut, dass der Steuerfuss 2010 von 105 auf 90 Prozent gesenkt werden konnte. Dazu beigetragen hat auch ein leichtes, bewusst angestrebtes Wachstum in den letzten Jahren. Unter anderem genehmigten die Stimmberechtigten 2004 einen Kredit von 2,5 Mio. Franken für die Erstellung eines Mehrfamilienhauses. Mit dem Bau wurde das Ziel verfolgt, den Zuzug in die Gemeinde zu fördern und damit auch die Gesamtschule zu sichern. Weitere Zuzüger nutzen das vorhandene Bauland, um ihr Einfamilienhaus mit Blick auf den Zugersee und in die Alpen zu erstellen. Gegenwärtig ist die Gemeinde daran, das Schulhaus zu erweitern und umzubauen. Dass die Kosten von 2,2 Mio. Franken aus der eigenen Kasse bezahlt werden können, liegt angesichts der Finanzlage auf der Hand. Die Einweihung erfolgt Anfang September. (ES)

Aarau verfügt über ein grosses Vermögen. Dieses ist so hoch, weil im Jahr 2000 die Industriellen Betriebe verselbstständigt wurden. Die IBAarau AG gehört aber auch heute noch zu 96 Prozent der Einwohnergemeinde, das heisst, das Vermögen ist zu einem erheblichen Teil nicht liquid. Die Nettoinvestitionen übersteigen die Selbstfinanzierung seit dem Jahr 2007. Seit 2009 deutlich. Seither zehrt die Stadt vom Vermögen. Das Nettovermögen schrumpfte in den Jahren 2006 bis 2009 von 165 auf 139 Mio. Franken. Der Investitionsbedarf nimmt tendenziell zu, das Vermögen dürfte in den Jahren 2009 bis 2012 um rund 50 Mio. abnehmen. Gemäss Politikplan für die Jahre 2011 bis 2015 sind Investitionen von 172,8 Mio. Franken geplant. Rund 90 Mio. Franken sind bereits in Ausführung oder beschlossen. Für Investitionsvorhaben von rund 80 Mio. Franken liegt noch kein definitiver Ausführungsbeschluss vor (Stand Mai 2011). Allerdings sind für einige dieser Projekte bereits erhebliche Vorleistungen erbracht worden.Bei einer Selbstfinanzierung von rund 6 Mio. Franken, wie es das Budget 2012 vorsieht, kann die Stadt die Investitionen nicht aus der laufenden Rechnung finanzieren. Noch verfügt die Stadt Aarau für das Jahr 2012 aber über kein Budget. Das vom Einwohnerrat noch mit 28 zu 19 Stimmen genehmigte Budget mit einem um 4 auf 98 Prozent erhöhten Steuerfuss wies der Souverän am 22. Januar deutlich mit 60 Prozent Nein-Stimmen zurück. Nun liegt es am Regierungsrat, einen Voranschlag zu dekretieren. Der Entscheid wird demnächst erwartet. (hke)

Aarau: Eine reiche Stadt muss sparen

Aarau verfügt über ein grosses Vermögen. Dieses ist so hoch, weil im Jahr 2000 die Industriellen Betriebe verselbstständigt wurden. Die IBAarau AG gehört aber auch heute noch zu 96 Prozent der Einwohnergemeinde, das heisst, das Vermögen ist zu einem erheblichen Teil nicht liquid. Die Nettoinvestitionen übersteigen die Selbstfinanzierung seit dem Jahr 2007. Seit 2009 deutlich. Seither zehrt die Stadt vom Vermögen. Das Nettovermögen schrumpfte in den Jahren 2006 bis 2009 von 165 auf 139 Mio. Franken. Der Investitionsbedarf nimmt tendenziell zu, das Vermögen dürfte in den Jahren 2009 bis 2012 um rund 50 Mio. abnehmen. Gemäss Politikplan für die Jahre 2011 bis 2015 sind Investitionen von 172,8 Mio. Franken geplant. Rund 90 Mio. Franken sind bereits in Ausführung oder beschlossen. Für Investitionsvorhaben von rund 80 Mio. Franken liegt noch kein definitiver Ausführungsbeschluss vor (Stand Mai 2011). Allerdings sind für einige dieser Projekte bereits erhebliche Vorleistungen erbracht worden.Bei einer Selbstfinanzierung von rund 6 Mio. Franken, wie es das Budget 2012 vorsieht, kann die Stadt die Investitionen nicht aus der laufenden Rechnung finanzieren. Noch verfügt die Stadt Aarau für das Jahr 2012 aber über kein Budget. Das vom Einwohnerrat noch mit 28 zu 19 Stimmen genehmigte Budget mit einem um 4 auf 98 Prozent erhöhten Steuerfuss wies der Souverän am 22. Januar deutlich mit 60 Prozent Nein-Stimmen zurück. Nun liegt es am Regierungsrat, einen Voranschlag zu dekretieren. Der Entscheid wird demnächst erwartet. (hke)

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