Gekröpfter Nordanflug

Gemeindeammann von Lengnau kämpft für das Surbtal

Kurt Schmid, Gemeindeammann von Lengnau im Surbtal

Kurt Schmid, Gemeindeammann von Lengnau im Surbtal

Kurt Schmid, ein Gegner des Gekröpften Nordanflugs, antwortet auf die Relativierungen von «Cockpit»-Chefredaktor Max Ungricht bezüglich des Fluglärms. Im Surbtal würden die Grenzwerte überschritten, sagt Schmid.

«Wenn man in einer Gegend wohnt oder hinzieht, wo es seit langem Fluglärm gibt, weiss man das und stellt sich darauf ein», sagt Kurt Schmid, Gemeindeammann von Lengnau im Surbtal und Präsident des Vereins Gekröpfter Nordanflug Nein. Etwas ganz anderes sei es, wenn eine Gegend eine neue Flugroute erhalten soll.

Auf den gestrigen az-Artikel, in dem «Cockpit»-Chefredaktor Max Ungricht die Aargauer Fluglärmdiskussion als übertrieben kritisierte, antwortet Schmid: «Wo in der Welt gibt es das, dass eine Region gleich zwei neue Flugrouten aufs Mal erhalten soll – und ausgerechnet noch frühmorgens und spätnachts zu den ungünstigsten Randzeiten?»

Tagsüber wenig Probleme

Nun sagt Schmid nicht, das Surbtal wolle keinen Fluglärm. Tagsüber lebe man längst damit: «Akzeptiert, kein Problem.» Es sei aber ein Fehler gewesen, dass die Aargauer Regierung die spätabendliche Surbtalroute für Starts zugestanden habe. Und jetzt auch noch die frühesten Morgenflüge? Schmid will beides nicht akzeptieren. Laut Richtplan soll sich das Surbtal als Wohnzone entwickeln. Der Wohnraumbedarf ist gross. Schmid: «Wie soll das gehen mit solchen Lärmaussichten?»

Dass die Flugzeuge über dem Surbtal und anschliessend über dem Studenland kaum stören würden, glaubt er nicht. Im Gegenteil, hier würden die Lärmgrenzwerte überschritten – was heute im Aargau noch in keiner Gemeinde der Fall sei. Zudem werde Lärm etwa spätnachts, wenn es rundum still ist, umso stärker wahrgenommen. Deshalb wird solcher Lärm im Zürcher Fluglärmindex Lärm (ZFI) dreimal höher gewichtet als tagsüber. Schmid lädt Ungricht ein, abends um sechs Uhr mal in Kaiserstuhl zu sein, wo die Flugzeuge anfliegen: «Nachher weiss er, was Lärm ist.»

Die NZZ ist irritiert

Irritiert über die «Froschperspektive der betroffenen Kantone» in dieser Angelegenheit zeigt sich die NZZ. Deren «verengte Sichtweisen» verstellten den Blick aufs Wesentliche, sorgt sich die NZZ und erinnert daran, dass der Flughafen von nationaler Bedeutung ist.

Wie sehr der Fluglärm bewegt, zeigt auch die Internetseite der az. Roberto Gloor schreibt hier, auch mit gekröpftem Nordanflug würden immer noch mehr Südanflüge stattfinden: «Das, ihr lieben Aargauer, ist doch die sog. ‹gerechte Fluglärmverteilung›, nach der ihr stets gerufen habt. Was ist jetzt wieder nicht recht?»

Demgegenüber betont Thomas Weber, dass «Lärm krank macht». Über den Artikel mit Max Ungricht geärgert hat sich Jürg Baumgartner. Er vermutet, die az falle damit auf die Flughafen-Propanda-Maschinerie herein. Edi Blank dagegen teilt Ungrichts Meinung. Und Max Berner ist extra nach Deutschland gefahren, um den Fluglärm zu erleben. Sein Fazit: «Man sieht die Flugzeuge wohl, aber jedes Radio ist lauter eingestellt.» Heidi Widmer schliesslich bringt das Dilemma vieler Aargauerinnen und Aargauer auf den Punkt: «Kompromisse sind sicher sinnvoll, jedoch nicht immer nur auf Kosten der einen. Wir Aargauer haben doch schon genug (AKW, Autobahnen, Sondermülldeponie usw.).»

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