Safenwil
Gemeindeamman Zünd sagt: «Ein Asyldorf in Sichtweite des Schulhauses - das ist nicht akzeptabel»

Der Kanton will gegenüber der alten Schmiede eine Containersiedlung für 95 Asylbewerber erstellen

Michael Flückiger
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Gemeindeammann Daniel Zünd zwischen zwei Welten: Rechts will ein Investor ein hochwertiges Wohnbauprojekt realisieren, links will der Kanton eine Containersiedlung mit 75 Einheiten erstellen. Mif

Gemeindeammann Daniel Zünd zwischen zwei Welten: Rechts will ein Investor ein hochwertiges Wohnbauprojekt realisieren, links will der Kanton eine Containersiedlung mit 75 Einheiten erstellen. Mif

«Wir haben uns von Anfang an von diesem Vorhaben distanziert», Daniel Zünd, Gemeindeammann von Safenwil, ist sichtlich konsterniert. Er ist enttäuscht darüber, dass der Kanton die Gemeinde nun noch mehr belasten will. Vor zwei Jahren habe die Gemeinde mit dem Zukauf der Liegenschaft am Schnepfwinkel «freiwillig» zusätzliche Plätze für Asylsuchende angeboten. «Als Dank erhalten wir zu unseren durchschnittlich 28 Asylsuchenden nun noch einmal 95 in Containern hinzu.»

Daniel Zünd steht an der Kölliker-strasse direkt gegenüber der alten Schmiede und begutachtet die im Boden eingeschlagenen Pflöcke. Sie bilden die Markierungen für die Containersiedlung, die der Kantonale Sozialdienst hier zur Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden plant. Das Projekt ist ein kantonsweites Novum.

Die Planung und Finanzierung des Vorhabens übernimmt die Swiss Domizil Rental AG. Sie ist Eigentümerin des Areals, das sich neben der Kantonsstrasse auf abschüssigem Terrain direkt bis an die Bahngeleise erstreckt. Der Kantonale Sozialdienst tritt als Mieter der Parzelle auf. Die Mietdauer erstreckt sich über 10 Jahre. Im Vertrag ist eine Verlängerungsoption enthalten.

75 Wohneinheiten

Das Baugesuch wird laut Balz Bruder, Sprecher des Departements für Gesundheit und Soziales (DGS), in den nächsten Tagen eingereicht. Es umfasst zwei dreistöckige Containertrakte mit total 75 Wohneinheiten. Wie Balz Bruder erläutert, sind darin nicht nur Wohn- und Schlafräume, sondern auch Infrastrukturanlagen enthalten. Die Siedlung kann Platz für bis zu 95 Betten bieten.

Vorgesehen ist die Unterkunft – nach Trakten getrennt – für Familien wie auch Einzelpersonen. Wie hoch der jeweilige Anteil sein wird, kann der Sprecher des DGS heute nicht sagen. «Das hängt ganz davon ab, welche Asylsuchenden zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme vom Bund zugewiesen werden.»

Safenwil informiert über das Asyldorf

Die Informationsveranstaltung zur Unterbringung der Asylsuchenden findet am Montag, 22. Februar (19.30 Uhr) in der Mehrzweckhalle von Safenwil statt. Die Bevölkerung hat Gelegenheit, sich über das Bauprojekt wie auch die Betreuungsmassnahmen des Kantons zu informieren und Fragen zu stellen.

Die Containersiedlung ist in der Umsetzung nicht direkt als Provisorium erkennbar. Balz Bruder kann zwar mit Verweis auf die Baugesuchspublikation noch keine Pläne vorlegen, macht aber deutlich: «Die zweigeteilte dreistöckige Siedlung erhält eine ansprechende Fassade, die eine optisch gute Lösung darstellt.»

Der Gemeinderat von Safenwil weiss bereits seit Dezember vom Vorhaben des Kantonalen Sozialdienstes. Laut Daniel Zünd waren sich Grundstücksbesitzer und Kanton zu jenem Zeitpunkt bereits handelseinig. «Uns blieb nichts anderes übrig, als auf das Baugesuch zu warten.» Sobald dieses vorliege, werde die Gemeinde prüfen, ob das Vorhaben die baurechtlichen Anforderungen einhält. «Dieses Projekt muss wie alle anderen auch den Vorschriften genügen.»

Zünd verweist auf das Wohnbauprojekt auf dem Areal der alten Schmiede. Hier hat die Gemeinde mit dem Investor lange wegen dem Ortsbildschutz verhandelt. Nun muss dieser mit einer Aussicht vorliebnehmen, die seinem Projekt nicht eben förderlich sein dürfte.

Bogen nicht überspannen

Die Wahl des Standortes bietet generell Zündstoff. «Die Lage ist sehr zentral», betont der Gemeindeammann, «die Parzelle liegt in Sichtweite zum Schulhaus. Das ist nicht akzeptabel.» Die Liegenschaften, die Safenwil derzeit Asylsuchenden anbietet, liegen peripher. Das gilt sowohl für die länger in Betrieb stehende Unterkunft am Höliweg wie auch für die vor zwei Jahren zugekaufte Liegenschaft am Schnepfenwinkel.

Die Bevölkerung hat die konstruktive Asylpolitik des Gemeinderates bis anhin stets unterstützt, wie Daniel Zünd unterstreicht. Die Asylsuchenden hatten unproblematisch Aufnahme gefunden. Die Gemeinde schulte die Kinder ein und unterstützte die Jugendlichen auf der Suche nach Lehrstellen. «Da ist gute Integrationsarbeit geleistet worden.»

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