Murgenthal

Gemeinde verlangt Baugesuch für Asylunterkunft - Kanton reicht Beschwerde ein

Die Abbruchliegenschaft in Murgenthal, in der nun 14 Asylbewerber untergebracht werden sollen.

Die Abbruchliegenschaft in Murgenthal, in der nun 14 Asylbewerber untergebracht werden sollen.

Auch in Murgenthal gibt es Widerstand gegen eine geplante Asylunterkunft. Die Gemeinde verlangte ein Baugesuch für eine Umnutzung. Dagegen erhob der Kanton Beschwerde. Er könnte Asylsuchende in der Unterkunft platzieren, wartet den Entscheid aber ab.

Es sieht von aussen ziemlich aufgeräumt aus, das Haus an der Dorfstrasse 44 in Glashütten, einem Ortsteil der Gemeinde Murgenthal. Offensichtlich ist aber: Das Haus ist renovationsbedürftig.

Izet Ajeti hat die Immobilie aus einer Zwangsversteigerung erstanden und sie dem Kanton zur Miete angeboten. Das Geschäftsmodell des gebürtigen Kosovaren: Er erwirbt Häuser mit Renovationsbedarf und lässt sie bewohnbar machen. «Diesen günstigen Wohnraum vermiete ich nach Möglichkeit an soziale Einrichtungen oder an den Kanton», sagt Ajeti. Es gehe ihm dabei nicht um eine möglichst hohe Rendite. Vielmehr sei der Kanton ein verlässlicher Partner. Und: «Ich war selber Flüchtling aus dem Kosovo. Ich kenne die Situation.» Ajeti hätte dem Kanton gerne schon in der Vergangenheit ein Einfamilienhaus mit acht Zimmern in Koblenz vermietet. Allerdings mussten die Pläne für eine Asylunterkunft genauso begraben werden wie jene im ehemaligen Hotel Verenahof, das im Besitz einer anderen Person war: «Der Mietvertrag kam aufgrund des Widerstands der Gemeinde nicht zustande», sagt Ajeti.

In Murgenthal hat der Kanton das angebotene Haus inspiziert und erachtet es als realistisch, dort 12 bis 14 Asylbewerber unterzubringen. Sie würden zu den aktuell 15 Asylsuchenden in der Gemeinde hinzukommen. Mit diesen bestünden zwar keine Probleme, wie Gemeindeschreiber Rolf Wernli bestätigt.

Der Gemeinderat beschloss daraufhin, ein Baugesuch für die Umnutzung zu verlangen. Der kritische Punkt aus Sicht der Gemeinde: Die in der gemischten Wohn- und Gewerbezone stehende Liegenschaft bedürfe baulicher Eingriffe, um als Asylunterkunft genutzt werden zu können.

Rolf Wernli bestätigt, was die Gemeinde jüngst via Gemeindenachrichten kommuniziert hat. «Das Haus ist in einem schlechten Zustand, stand lange leer. Ohne bauliche Massnahmen ist es aus Sicht der Gemeinde sicherheitstechnisch nicht als Unterkunft nutzbar.»

Das Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) erhob Beschwerde gegen den Beschluss des Gemeinderats, ein Baugesuch zu fordern. Balz Bruder, Leiter Kommunikation DGS, betont, aus Sicht des Departements gebe es keinen Grund, an der Eignung der Liegenschaft für die Unterbringung von Asylsuchenden zu zweifeln. Zudem handle es sich bei der Unterbringung von Asylsuchenden um eine Wohnnutzung, die keiner Baubewilligung bedürfe. «Wir haben das Objekt geprüft, unsere Fachleute haben das Haus vor Ort besichtigt. Sie stellten keine baulichen und feuerpolizeilichen Mängel fest. Die Unterkunft sollte für Asylbewerber nutzbar sein.»

Das Baudepartement hat die Beschwerde bereits einer ersten Prüfung unterz- ogen. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) seinerseits hat festgestellt, dass der Beschwerde des DGS aufschiebende Wirkung zukommt. Konkret bedeutet dies: Die Asylbewerber könnten ab sofort einziehen. Der Kanton müsste in der Folge erst bei negativem Bescheid dislozieren. Dies sei aber nicht im Sinne des DGS, meint Bruder. «Wir warten den Entscheid ab. Fällt er positiv aus, wollen wir sehr rasch Asylbewerber im Haus Dorfstrasse 44 platzieren.» Das DGS hofft aber auf eine rasche Erledigung der Angelegenheit, damit Asylsuchende, die vom Kanton untergebracht werden müssen, ein Dach über dem Kopf erhalten.

Der Kanton hat klare Vorstellungen, wie er das Gebäude nutzen möchte. «Es sind junge Frauen und Kinder, die in diesen gut bewohnbaren Räumen Unterschlupf finden sollen», sagt Bruder. Er geht von 12 bis 14 Personen aus. Beim Haus handelt es sich um Wohnraum mit bescheidenem Standard. Der Kanton schaue darauf, dass die Asylbewerber zu annehmbaren Bedingungen und zu marktüblichen Preisen untergebracht werden können, meint Bruder. Diese Voraussetzungen seien in Glashütten erfüllt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1