Zugegeben: Es gibt wichtigere Fragen als jene, ob die Postautos in weisser oder in gelber Farbe durch den Aargau fahren. Doch erstens ist es eine hoch emotionale Frage – und zweitens ein exemplarisches Beispiel dafür, wie Bürokraten in Amtsstuben manchmal Entscheide fällen, ohne die blasseste Ahnung von Praxis und Kundenwünschen zu haben.

Da hat die Schweiz den perfekten Werbeträger für den öffentlichen Verkehr: das Postauto. Seit seiner Erfindung 1906 verkehrt es in gelber Farbe. Bis 2006. Da kommt das aargauische Baudepartement auf die Idee, alle Busse im Kanton müssten im einheitlichen, weissen Design des Tarifverbunds A-Welle verkehren. Weder Widerstand noch politische Vorstösse bringen die Verantwortlichen zur Raison.

Das Emotionale ist das eine, das Praktische das andere: In Baden sah der Fahrgast von weitem, ob ein Postauto oder ein Stadtbus nahte – bis zum sozialistisch anmutenden Einheitsbrei der «A-Welle». Zudem gibt es nun folgende Absurdität: Buslinien werden ausgeschrieben, es herrscht also richtigerweise Wettbewerb zwischen den Busbetrieben. Gleichzeitig verbietet ihnen der Kanton, sich optisch voneinander zu unterscheiden.

Es ist dem neuen Baudirektor Stephan Attiger hoch anzurechnen, dass er jetzt den Weg zurück zur Vernunft geebnet hat: Künftig sind die Postautos auch im Aargau wieder gelb. Vielleicht ist das der Anfang zu weiteren vernünftigen Entscheiden. Warum eigentlich gibt es im ganzen Land Billette von A nach B, einfach oder retour, im Aargau aber Billette für Zonen und Zeiträume? Wer sich mal bei Passagieren umhört, stellt fest: Auch das verstehen viele bis heute nicht.