Flugzeugabsturz Würenlingen
Geheimabkommen mit der PLO: Aargau fordert Aufklärung

Hat die Schweiz nach dem Swissair-Absturz von 1970 in Würenlingen eine geheime Abmachung mit den Palästinensern getroffen, um weitere Anschläge zu verhindern? Zu dieser heiklen Frage verlangt der Regierungsrat nun Antworten vom Bund.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Wer hat den Swissair-Absturz in Würenlingen zu verantworten? Das Buch «Schweizer Terrorjahre»hat das Thema neu aufgerollt und eine heftige Debatte entfacht. Key

Wer hat den Swissair-Absturz in Würenlingen zu verantworten? Das Buch «Schweizer Terrorjahre»hat das Thema neu aufgerollt und eine heftige Debatte entfacht. Key

KEYSTONE

Fast auf den Tag genau vor 46 Jahren, am 21. Februar 1970, stürzte bei Würenlingen eine Coronado der Swissair ab. Zuvor war im Frachtraum des Flugzeugs eine Bombe explodiert, die von palästinensischen Terroristen gelegt worden war. Der Captain versuchte nach der Detonation, zum Flughafen Kloten zurückzufliegen. Dies gelang nicht, die Maschine stürzte vorher in einen Wald ab. Die 38 Passagiere und 9 Besatzungsmitglieder an Bord kamen bei dem Absturz ums Leben.

In seinem kürzlich erschienenen Buch «Schweizer Terrorjahre: Das geheime Abkommen mit der PLO» behauptet «NZZ»-Journalist Marcel Gyr, nach dem Anschlag habe der Bundesrat mit den Palästinensern ein geheimes Abkommen ausgehandelt.

Damit sollten weitere Terrorakte gegen die Schweiz verhindert werden. Seither wird diese These kontrovers diskutiert, wobei die frühere Bundesanwältin Carla Del Ponte, der Historiker Sacha Zala und der ehemalige Staatssekretär Franz Blankart den Erkenntnissen von Gyr widersprachen. Klarheit soll nun eine Arbeitsgruppe schaffen, die der Bundesrat Ende Januar eingesetzt hat.

Standortkanton will Klarheit

Nun zeigt sich: Auch der Aargauer Regierungsrat ist im Zusammenhang mit dem möglichen Geheimabkommen in Bern vorstellig geworden.

Sprecher Michel Hassler bestätigt auf Anfrage, dass sich die Kantonsregierung brieflich an den Bundesrat gewandt und ihn ersucht habe, die Vorgänge rund um den Absturz von Würenlingen und das angebliche PLO-Geheimabkommen zu untersuchen.

Die Reportage von Gyr und das Buch «Goodbye Everybody» des damaligen Würenlinger Gemeinderats Arthur Schneider hätten bisher nicht bekannte Ausführungen zu den Umständen des Absturzes enthalten.

Deshalb habe der Regierungsrat «als Exekutive des Standortkantons des Flugzeugabsturzes den Bundesrat gebeten, die damaligen Vorgänge in geeigneter Form aufarbeiten zu lassen», hält Hassler fest.

Die Landesregierung hat die Forderung aus dem Aargau offenbar positiv aufgenommen. «Der Bundesrat hat dem Aargauer Regierungsrat ein entsprechendes Vorgehen in Aussicht gestellt», sagt Hassler.