Sparprogramm

Gegenreaktion: Die Aargauer SVP will Lehrern eine Ferienwoche über Weihnachten wegnehmen

Lehrerinnen und Lehrern soll eine Ferienwoche gestrichen werden.

Lehrerinnen und Lehrern soll eine Ferienwoche gestrichen werden.

Mit einem brisanten Vorstoss reagiert die Volkspartei im Grossen Rat auf den Druck der Lehrer.

Eine gestern eingereichte Motion der SVP-Fraktion im Grossen Rat dürfte in den kommenden Wochen – besonders in der Weihnachts- und Neujahrszeit – bei Lehrern, Schülern und Eltern für viel Gesprächsstoff sorgen. Die Fraktion will den 2005 beschlossenen Abbau von Schulstunden durch eine zweite Weihnachtsferienwoche rückgängig machen. Sprecher und Fraktionschef Jean-Pierre Gallati begründet die Forderung so: 2005 sei die zweite Weihnachtsferienwoche auf Druck der Lehrerschaft bei gleichem Lohn eingeführt worden. Er schreibt mit Blick auf die Demonstration vor dem Grossratsgebäude: «Die Lehrpersonen beklagen sich über angeblichen Bildungsabbau. Deshalb soll diese Massnahme rückgängig gemacht werden.» Gallati ärgert sich enorm über den Lehrerstreik. «Das ist Arbeitsverweigerung auf dem Buckel der Schüler». Die Lehrer würden Druck aufbauen, nun setze die SVP eben Gegendruck auf. Lehrerverbands-Präsidentin Elisabeth Abbassi bezeichnete den Vorstoss gegenüber der az als «nur noch dumm».

Gallati kündigt weiter an, die SVP werde eine Lohnerhöhung für die Lehrer nicht nur dieses, sondern auch nächstes Jahr ablehnen. Allerdings müsse das Lehrerlohndekret angepasst werden, das nur mit Lohnerhöhungen funktioniere. Für Gallati ist klar: «Eine Fehlkonstruktion.»

Via Facebook machte gestern auch SVP-Aargau-Präsident Thomas Burgherr seinem Ärger Luft. Er schrieb: «Ich finde das oberpeinlich und sehr grenzwertig was hier abgeht! Die Lehrpersonen, welche zum Unterrichten angestellt sind und dafür einen sehr guten Lohn beziehen, streiken anstatt zu unterrichten.» Ihr Anliegen hätten sie gewiss anders und besser platzieren können, so Burgherr: «Ich bin überzeugt, wahren Respekt bekommt kein Lehrer von seinen Schülern, wenn sie während des Unterrichtes streiken und dieser ausfällt!» Wenn schon Streik, was er grundlegend ablehne, fragt der SVP-Präsident: «Wieso nicht am Samstagmorgen? Liebe streikende Lehrpersonen, schaut über den Schulhauszaun hinaus in die Privatwirtschaft. Dort weht ein rauer Wind.» Bei einem ehrlichen Vergleich sei der Lehrerlohn um einiges höher als jener für einen vergleichbaren Job in der Privatwirtschaft. Auch die Arbeitsplatzsicherheit für Lehrer sei um vieles höher.

Aufgrund der entsprechenden Propaganda dächten offenbar viele Menschen, das Ende der Bildung sei nahe, kritisierte die FDP-Bildungsspezialistin Sabina Freiermuth in einer Fraktionserklärung im Grossen Rat. Dabei gehe völlig unter, dass die vorberatende Kommission die primären Sparmassnahmen ja deutlich ablehne. Freiermuth geht davon aus, dass diese auch im Grossen Rat abgelehnt werden.

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