Regierungsratswahlen
«Gegen den Abbauwahn»: Gleich drei Juso-Frauen mischen den Wahlkampf auf

Mia Gujer, Ariane Müller und Mia Jenni: So heissen die drei neusten Regierungsrats-Kandidatinnen. Alle drei treten für die Juso Aargau an. Die Dreifach-Kandidatur hat mehrere Gründe.

Philipp Zimmermann
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Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf.

Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf.

ZVG

Mit Franziska Roth (SVP), Maya Bally (BDP) und Ruth Jo. Scheier (GLP) wollen bereits drei bürgerliche Frauen den Regierungsratssitz der abtretenden Susanne Hochuli (Grüne) erben. Nun erhalten sie Konkurrenz aus dem Lager der Juso Aargau: Mit Mia Gujer (22), Ariane Müller (23) und Mia Jenni (21) haben gleich drei Frauen dasselbe im Sinn.

Die Juso-Mitgliederversammlung vom 11. August hat die drei jungen Frauen bereits für die Regierungsratswahlen vom 23. Oktober nominiert. Was hat sie zu dieser aussergewöhnlichen Nomination motiviert? "Die Kandidaturen von drei bürgerlichen Frauen bewegen uns unter anderem zu diesem Schritt", sagt Mia Gujer.

Die Präsidentin der Juso Aargau schiebt deutliche Worte nach: "Sie und ihre Parteien disqualifizierten sich nicht zuletzt durch ihre konsequente Abbaupolitik bereits vor dem Regierungsratswahlkampf von einer vertretbaren Kandidatur."

"Regierung mit Männermehr kaum hinterfragt"

Das ist allerdings nicht der einzige Grund für die Nomination des Trios. "Das Aargauer Wahlvolk hat dieses Jahr die Möglichkeit, das Parlament mit fünf linken Köpfen zu füllen und damit dem Abbauwahn endlich ein Ende zu setzen", wird Arianne Müller in der Medienmitteilung zitiert. Und Mia Jenni: "Die momentane Situation im Kanton Aargau ist ein bezeichnendes Beispiel von mangelnden Frauen in der Politik."

"Eine Diskussion darüber gibt es nicht. Das ist ein Armutszeugnis für den Kanton", kritisiert auch Mia Gujer. Das Mit der dreifachen Kandidatur wollen sie "ein Zeichen setzen". "Wir würden gern den Spiess umdrehen", sagt Gujer zur möglichen Frauenpower in der Aargauer Regierung, die sich zurzeit aus vier Männern und einer Frau zusammensetzt. SP-Regierungsrat Urs Hofmann als einen der vier Männer in der Exekutive will sie damit keineswegs angreifen. "Er leistet sehr gute Arbeit für den Kanton Aargau."

Nebst Urs Hofmann, SP-Nationalrätin Yvonne Feri und dem Grünen-Grossrat Robert Obrist stehen bereits drei linke Kandidaten zur Wahl. Mit der Trio-Kandidatur ermöglicht es die Juso nun linken Wählern, nur Kandidaten von SP und Juso Wahlzettel zu schreiben.

Urs Hofmann werden grosse Wahlchancen eingeräumt. Aber Yvonne Feri könnte von dieser dreifachen Kandidatur profitieren, indem ihre Gegnerinnen und Gegner weniger Stimmen erhalten, wenn gerade linke Wähler so auf die Wahl von Mitte-Kandidatinnen oder -Kandidaten verzichten. Gujer räumt allerdings ein, keine solchen taktischen Überlegungen gemacht zu haben. "Wir sind uns auch bewusst, dass wir geringe Wahlchancen haben", sagt sie.

Die Ziele

Die Juso-Frauen machen auch gleich klar, welche politischen Ziele sie verfolgen:

  • Alle Steuersenkungen seit 2012 sollen rückgängig gemacht werden.
  • Eine höhere Vermögenssteuer soll eingeführt werden. Dafür hat die Juso im Juni die Millionärs-Initiative eingereicht. Vermögen von über zwei Millionen Franken sollen mit einem Prozent besteuert werden. Aktuell ist es weniger als ein halbes Prozent. Konkret würde das beispielsweise bei einem Vermögen von 10 Millionen bedeuten, dass man 41'801 Franken statt 20'480 Franken abliefern müsste.
  • Der Leistungsabbau in der Bildung soll rückgängig gemacht werden.
  • Flüchtlingen und Asylsuchenden sollen Bildung gratis ermöglicht werden. Die Kosten soll der Kanton übernehmen.
  • Für leerstehende Liegenschaften soll eine Steuer erhoben werden (Leerstandssteuer).
  • Stimmrechtsalter 16 und ein Ausländerstimmrecht.
Franziska Roth (SVP)
22 Bilder
Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)
Yvonne Feri (SP)
Die 50-jährige Nationalrätin kämpft um einen zweiten SP-Sitz in der Aargauer Regierung. Feri ist noch bis Ende Jahr Gemeinderätin von Wettingen und unter anderem Präsidentin von "Kinderschutz Schweiz" sowie des "Vereins für Soziale Gerechtigkeit".
Die Aargauer Regierungsratskandidaten 2016 Markus Dieth (CVP)
Der 49-jährige Wettinger sitzt seit 2009 im Grossrat und präsidierte diesen im Jahr 2015. 2006 wurde er in den Gemeinderat von Wettingen gewählt, wo er seit 2008 das Amt des Gemeindeammanns ausübt.
Alex Hürzeler (SVP)
Der 51-Jährige sitzt seit 2009 im Aargauer Regierungsrat und hat dort das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) inne. Der Fricktaler stellt sich diesen Oktober für eine weitere Amtsperiode zur Wahl.
Maya Bally: «Die Chancen stehen gut für eine Frauenkandidatur aus der Mitte» (8.8.2016)
Die 55-jährige Hendschikerin ist seit 2012 Mitglied der kantonalen Parteileitung und Präsidentin der Bezirkspartei Lenzburg. Im Oktober 2012 wurde sie in den Grossen Rat gewählt, seit 2013 ist sie Präsidentin der Fraktion. Als Schulpflegepräsidentin liegen ihre politischen Schwerpunkte in der Bildung aber auch bei Wirtschaft und Finanzen.
Stephan Attiger (FDP)
Der 49-Jährige steht im Regierungsrat seit 2013 dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) vor. Am 23. Oktober kandidiert er für seine Wiederwahl.
Urs Hofmann (SP)
Der 59-jährige Aarauer leitet im Regierungsrat seit 2009 das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI). Im Oktober will er den SP-Sitz in der Aargauer Regierung verteidigen.
Mia Jenni, Ariane Müller und Mia Gujer: Dieses Trio zieht für die Juso in den Regierungsrats-Wahlkampf. Mia Jenni (21) ist Vorstandsmitglied der Juso Aargau und studiert Germanistik und Kunstgeschichte. Ariane Müller (23) studiert zurzeit Geschichte und Geologie und ist Präsidentin der Juso Freiamt. Mia Gujer (22) ist Präsidentin der JUSO Aargau und arbeitet als Kampagnen-Mitarbeiterin.
Robert Obrist (Grüne)
Der 58-jährige Schinznacher sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat. Als Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sind Umwelt und Bildung die Themen, die Obrist am meisten umtreiben.
Ruth Jo. Scheier (GLP)
Die 40-Jährige wohnt seit 2005 in Wettingen. Sie ist alleinerziehende Mutter einer 17-jährigen Tochter. Sie arbeitet als kaufmännische Angestellte in einer Schmuck-Grosshandelsfirma. Die Grossrätin ist auch Vize-Präsidentin der GLP Aargau.
Die transsexuelle Jil Lüscher kandidiert als Parteilose.
Pius Lischer (IG-Grundeinkommen)
Der 53-jährige Pius Lischer wohnt in Oberrüti und ist schon bei mehreren Wahlen angetreten – jeweils ohne Erfolg.

Franziska Roth (SVP)

Alex Spichale