Das Konzept ist ein volksnahes: Stammgäste oder Wirte können dem Schweizer Fernsehen Beizen vorschlagen. Die Redaktion wählt pro Woche fünf Lokale aus einer Region aus, lässt fünf Stammgäste in jeder Lieblingsbeiz einmal dinieren und zeigt das Resultat eine Woche lang in knapp halbstündigen Folgen (jeweils 18.15 Uhr auf SRF 1).

«Mini Beiz, dini Beiz» vom 7. März in der «Fischbeiz Alte Post» in Kaiserstuhl

«Mini Beiz, dini Beiz» vom 7. März in der «Fischbeiz Alte Post» in Kaiserstuhl

Die Gäste geniessen fünf Mehrgänger, geben fünf bodenständig-ehrliche Bewertungen ab, verteilen fünfmal Punktzahlen. Die Beiz, die Ende der Woche die meisten Punkte hat, gewinnt mit «ihrem» Stammgast 1000 Franken.

Drehen bis nach Mitternacht

Heute Mittwoch ist das Restaurant zum Hirschen in Villigen an der Reihe. Stammgast Rita Böck, Lehrerin und Einwohnerrätin aus Brugg, hat den «Hirschen» dem SRF empfohlen. Das Wirtepaar Nadja Schuler (30) und Stephane Wirth (29) musste nicht lange überlegen. «Wir wussten von befreundeten Wirten, dass die Sendung von viele Leuten geschaut wird und eine gute Werbung ist», erzählt Nadja Schuler bei einem Kaffee in ihrer Gaststube.

Etwas Mühe hatte sie einzig mit dem Titel: «Für mich war Beiz ein Reizwort, ein Lokal, in dem hauptsächlich getrunken und gejohlt wird.» Jetzt habe sie sich damit angefreundet: «Es ist wohl einfach ein beliebtes Mundart-Synonym. Das ist ganz in Ordnung.»

Der  Hirschen in Villigen

Der Hirschen in Villigen

Die Produktion hat SRF an die deutsche Produktionsfirma ITV vergeben. Das «Hirschen»-Team musste dem Fernsehteam zwei Menüs vorschlagen. Schuler: «Sie brauchten diese Auswahl, falls ein anderes Restaurant ein ähnliches Menü vorschlagen würde.»

Der Dreh wurde an einem einzigen Tag im Dezember abgewickelt – allerdings wurde es ein langer Tag: Um 13 Uhr wurden die ersten Aufnahmen gemacht, nach Mitternacht die letzten. Ein Aufnahmeleiter, ein Redaktor und zwei Kameraleute rückten an. Vieles habe man zwar inszenieren oder wiederholen müssen, ein Script habe es aber nicht gegeben. «Und beim Arbeiten wurden wir in Ruhe gelassen», erzählt das Mitglied der Aargauer Kochgilde.

Wie das Aufgetischte von den Gästen bewertet wurde, weiss Nadja Schuler noch nicht. «Wir haben keine Ahnung. Ich hatte aber das Gefühl, dass alle zufrieden waren.» Sowieso sei ehrliche Kritik von Gästen die beste, die es gebe: «Wir wollen ja lernen und an uns arbeiten. Also wollen wir auch wissen, wenn etwas nicht gepasst hat.»

Public Viewing zum TV-Menü

Eine solche ehrliche Kritik bereits erhalten haben Urs und Karin Schumacher von der Fischbeiz Alte Post in Kaiserstuhl. Sie eröffneten in der Sendung vom Montagabend die «Aargauer Woche» mit einem Fischmenü. Hansueli, pensionierter Leiter Managmentsysteme, meldete seine Lieblingsbeiz an. «Die Fischsuppe ist etwas Einmaliges! Auch der Fisch für zwei, da geht einem das Herz auf!», schwärmt er in die Kamera. Nach dem Essen loben die Stammgäste Service und Komposition. Aber Koch Christian bemängelt, bei ihm habe «keine Geschmacksexplosion stattgefunden».

«Mini Beiz, dini Beiz» vom 8. März im Restaurant «La Perla» in Aarburg

«Mini Beiz, dini Beiz» vom 8. März im Restaurant «La Perla» in Aarburg

Die az erreicht einen zufriedenen Urs Schumacher gestern an seinem Ruhetag in der Lenzerheide. Zwischen Schneeflocken sagt der Fischbeizwirt ins Mobiltelefon: «Wir haben an Erfahrung und Wertschätzung gewonnen. Wir haben gewonnen, egal, auf welchem Platz wir am Freitag landen.»Sie hätten zahlreiche SMS, Whatsapp und Mails erhalten. Schumachers zelebrierten den TV-Auftritt regelrecht: Am Montag luden sie zum Public Viewing ins Restaurant, dazu gab’s das «originale Fernsehmenü».

Direkt nach der Sendung habe man 600 Zugriffe auf die eigene Website registriert. «Das ist gewaltig!», freut sich Schumacher. In den 28 Jahren, in denen er in Kaiserstuhl wirte, habe man immer wieder auf «negative äussere Einflüsse» reagieren müssen: «Alkohol, Rauchen, Hygiene, Personalkosten. Und jetzt kommt diese Sendung, diese Plattform. Das ist fantastisch! Endlich mal etwas, das unserem Gastgewerbe hilft.»

«Mini Beiz, dini Beiz» gastiert diese Woche noch in drei anderen Restaurants (siehe Liste unten links). SRF-Sprecherin Saskia Wegmann sagt, bei der Auswahl sei «die Vielseitigkeit entscheidend». Man versuche, bei der Auswahl der Restaurants den Begriff «Beiz» so weit wie möglich zu fassen, um jeden Tag «spannende und interessante Locations zeigen zu können». Die Bewertungen seien jeweils «sehr fair und anerkennend», die Beizen «mehrheitlich sehr zufrieden».