Hüpfende Kängurus, drückende Hitze und Aboriginals als Nachbarn. Für Karina Fenner aus Wettingen wurden diese exotischen Lebensbedingungen zum Alltag. Sie lebt mit ihrem Partner seit zehn Jahren in Down Under, sieben davon Seite an Seite mit den australischen Ureinwohnern in der Wüstenstadt Alice Springs. Nur ein Katzensprung von ihrem Zuhause ragt das wohl berühmteste Wahrzeichen Australiens gen Himmel, der weltbekannte Fels Uluru, auf Englisch Ayers Rock.

Frau Fenner, haben Sie schon immer von diesem Leben geträumt?

Karina Fenner: Ja, ich war schon als kleines Mädchen fasziniert von fernen Ländern. Nach meiner Schulzeit in Wettingen habe ich in der Romandie Französisch gelernt. Kurz darauf fing ich an zu reisen und entwickelte mich immer mehr zu einer abenteuerlustigen Persönlichkeit.

Karina Fenner erzählt von Abenteuern in Indien, Badeferien in Spanien und Entdeckungstouren durch Asien und Mexiko. Als sie auf ihre erste Australien-Reise zu sprechen kommt, ändert sich ihre Erzählform. Sie berichtet ausführlich, fast detailbesessen von ihrer ersten Ankunft in Sydney und schwärmt von ihrem Leben als Backpackerin. 17 Jahre nach ihrem ersten Aufenthalt in Australien lernt sie in der Schweiz ihren heutigen Partner Anand Roodur kennen, einen eingewanderten Mauritier. Bei ihrer ersten gemeinsamen Reise 2006 durch den roten Kontinenten verfällt auch er dem «Australian Dream».

Wann haben Sie sich entschieden, nach Australien auszuwandern?

Diese Idee kam auf, als wir 2006 von unserer Reise im australischen Frühsommer in den Schweizer Herbst zurückkehrten. Wir waren damals an einem Punkt angelangt, wo wir unser Leben verändern wollten. Also haben wir uns intensiv um einen Job in Australien bemüht.

Und wurden Sie fündig?

Nicht sofort. Kurz vor Weihnachten 2006 machte mich mein Lebenspartner auf eine ausgeschriebene Stelle als berittene Reiseleiterin in Südaustralien aufmerksam. Dann ging alles sehr schnell: Ich bewarb mich, erhielt die Zusage und mein Partner bekam zugleich einen Job im selben Tourismusunternehmen offeriert. Einige administrative Hürden später sassen wir im Sommer 2007 bereits im Flugzeug.

Nach zwei Jahren in Australien liefen die befristeten Arbeitsverträge und Visa von Karina Fenner und ihrem Lebenspartner aus. Eine Heimkehr kam für die beiden nicht infrage, zu gut gefiel ihnen das Leben am anderen Ende der Welt. Nachdem sie einen internationalen Englischsprachtest bestanden hatten, erhielten sie eines der begehrten Dauervisa. Mit den neuen Papieren verbesserten sich auch ihre Jobaussichten. Roodur wurde Reiseleiter in Alice Springs und Fenner nahm einen Job als Generalmanagerin im Besucherzentrum einer Schule in der Wüstenstadt an. Heute ist die 54-Jährige Administrationsverantwortliche im Aboriginal Jugend- und Gemeinschaftscenter in Alice Springs.

Was ist die Aufgabe des Aboriginal-Centers in Alice Springs?

Mehrheitlich betreuen wir Aboriginal-Kinder und Jugendliche. Je nach Altersgruppe bieten wir andere Programme an. Eine Hauptaufgabe ist ein Abholdienst für die 5- bis 12-Jährigen von den Schulen. Dann beschäftigen wir sie mit verschiedenen Aktivitäten wie Basteln, Kochen oder Sport. Auch ein Unterstützung- und Wiedereingliederungsprogramm für Jugendliche haben wir in unserem Angebot.

Wie ist die Arbeit mit dem Nachwuchs der Aboriginals?

Interessant und anspruchsvoll. Bei den kleinen Kindern gibt es viele fordernde Aufgaben, in denen wir uns mit menschlichen Schicksalen auseinandersetzten müssen. Diese Kinder, Teenager und Jugendliche sind mit anderen Grundsätzen aufgewachsen und leben in einem ganz anderen Umfeld als wir es als kennen.

Leben Sie denn den «Australian Dream», von dem sie geträumt haben?

Ja, absolut. Wir lieben die Natur, die unendliche Weite rund um die Stadt und das Gefühl von Freiheit. An den Wochenenden kann ich mit meinem Partner im Outback campen, Wildtiere beobachten und den Sonnenaufgang in der Wüste geniessen. Das ist Lebensqualität. Und hier sind die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Wenn beispielsweise das Auto in der Reparatur ist und man kein Transportmittel hat, bietet dir ein Arbeitskollege ohne Umschweife seines an, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.