Vielen von uns ist es auch schon passiert: Die Augen schliessen sich vor Müdigkeit ganz kurz - nur einige Sekunden. Doch wenn der sogenannte Sekundenschlaf beim Autofahren hinter dem Steuer passiert, kann das fatale Folgen haben.

So wie gestern Nacht: Ein 24-jähriger Autofahrer kollidierte bei Neuenhof auf der Autobahn A1 Richtung Bern mit der Randleitplanke. Verletzt wurde zum Glück niemand, aber es entstand ein Sachschaden von zirka 20'000 Franken. Unfallursache: Sekundenschlaf.

«Das ist kein Einzelfall», erläutert Barbara Breitschmid von der Kantonspolizei Aargau. Unfälle wegen Sekundenschlaf gebe es immer wieder. Vor allem im Winter spürten viele den Mangel an Licht. «Ich kann mir gut vorstellen, dass das Autofahren im Winter mühsamer ist», bemerkt Breitschmid. Zudem erhöht die Einnahme von Medikamenten die Müdigkeit. Im Winter kann also nur schon ein Hustensirup die Verkehrssicherheit gefährden.

Tricks gegen Sekundenschlaf

Um der Müdigkeit am Steuer den Kampf anzusagen, gibt es einige Tricks: «Der 15-minütige Turboschlaf ist sicher eine Möglichkeit», erklärt Stephan Müller vom Touring Club Schweiz (TCS). Sich die Füsse vertreten und Wasser trinken helfe auch. «Sowieso sollte bei einer langen Fahrt alle zwei Stunden eine Pause eingelegt werden», empfiehlt Müller. Die allgemein verbreitete Praktik die Scheiben runterzulassen, das Radio laut zu stellen und Kaffee zu trinken, sei aber Unfug. Polizistin Barbara Breitschmid bestätigt: «Das wirkt nur kurzfristig.»

Das Unfallverschulden beim Sekundenschlaf ist allein dem Fahrer zuzuschreiben. Unterdessen kann aber die Technik weiterhelfen: Seit 2009 bieten verschiedene Fahrzeughersteller Warnsysteme gegen den Sekundenschlaf an. Das System misst verschieden Parameter wie zum Beispiel das Einhalten der Spur, die Lenkbewegung oder teilweise schon die Augen- und Lidbewegungen. Ist ein Auge länger als eine Sekunde geschlossen wird Alarm ausgelöst. Trotzdem kann die Maschine den Schlaf nicht verhindern und einen verantwortungsbewussten Autofahrer ersetzen.

Im Zweifelsfall ÖV

Beide Experten sind sich einig: Das einzig wirksame Mittel gegen Sekundenschlaf ist genügend erholsamer Schlaf. Der Grundsatz für Autofahrer soll lauten: «Ich sitze nur fit hinters Steuer.» Und im Zweifelsfall: sich selber und den Mitmenschen zuliebe das Auto stehen lassen und den öffentlichen Verkehr nutzen.

Die Müdigkeit am Steuer lohnt sich sowieso nicht. Nebst dem Sachschaden von 20000 Franken wurde dem Autofahrer beim gestrigen Unfall von der Polizei auch der Ausweis entzogen. «Ein Weiterfahren wäre nicht verantwortbar gewesen», sagt Breitschmid von der Kapo Aargau. Falls das Strassenverkehrsamt den Fall als «Fahren in fahrunfähigem Zustand» befindet, droht dem Fahrer mindestens drei Monate Fahrausweisentzug.

Das kann passieren, wenn Autofahrer plötzlich einschlafen:

Sekundenschlaf