Naturama Aargau

Gefährliche Präparate: Bitte nicht berühren – weil giftig!

Kinder streicheln im Naturama Aargau einen ausgestopften Biber – heute animiere man Besucher nicht mehr dazu, sagt die Museumssprecherin.ZVG/Thomas Schwarb

Kinder streicheln im Naturama Aargau einen ausgestopften Biber – heute animiere man Besucher nicht mehr dazu, sagt die Museumssprecherin.ZVG/Thomas Schwarb

Zehntausende von präparierten Tieren sind in der Schweiz mit Arsen belastet. Das Naturama Aargau zeigt ausgestopfte Tiere, die belastet sind, nur hinter Glas in Vitrinen. Zum Anfassen gibt es im Naturama nur die Felle im Naturlabor.

Bis in die 1980er-Jahre hinein wurde das hochgiftige Arsen verwendet, um ausgestopfte Tiere vor Mottenbefall oder anderen Insekten zu schützen. Die Präparatoren reinigten Felle und Häute und behandelten diese auf der Innenseite mit Arsenseife.

In einer Studie des Deutschen Instituts für angewandte Umweltforschung über «Krebserzeugendes Arsen in Tierpräparaten» hat sich gezeigt, dass eine Mehrheit der untersuchten Präparate giftig war, wie die «NZZ am Sonntag» in ihrer letzten Ausgabe berichtet. Das Gift habe sich durch die Tierhaut gearbeitet, das Präparat sei arsenbelastet, ebenso der Staub, der sich darauf sammelt.

Zehntausende von präparierten Tieren sind gemäss dem Artikel in der Schweiz mit Arsen belastet. Der heute geltende Grenzwert von 1000 Milligramm pro Kilogramm wurde zum Beispiel bei Messungen an älteren Präparaten im Naturhistorischen Museum Bern mehrfach deutlich überschritten.

Naturama: keine Messungen

Auch im Naturama in Aarau stehen ausgestopfte Tiere, das Museum besitzt ungefähr 1500 präparierte Vögel, 230 Säugetiere sowie rund 100 Reptilien und Amphibien. «Eventuell mit Arsen behandelt sind Vögel und Säugetiere wegen ihren Federn und Fellen», sagt Kommunikationsleiterin Pia Viviani.

Man sei sich der Arsen-Problematik im Naturama durchaus bewusst, Messungen bei den Präparaten seien aber nicht nötig. «Alle offenen Objekte in unserer Dauerausstellung sind neueren Datums, also nicht mit Arsen präpariert», hält sie fest. Die älteren Objekte in der Ausstellung seien durch Vitrinen geschützt und könnten damit gefahrlos gezeigt werden. Und die Sammlung, in der sich die meisten ausgestopften Tiere im Naturama befinden, ist nur auf Anfrage hin und in Begleitung einer Fachperson zugänglich. Viviani betont: «Unsere Mitarbeiter, die für die Sammlung zuständig sind, arbeiten mit den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.»

Biber streicheln unerwünscht

Fragen wirft ein Bild auf der Website des Naturama auf, das Kinder zeigt, die einen ausgestopften Biber streicheln. Die im Frühling angepasste Biozidverordnung des Bundes schreibt vor, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht mit Arsen in Kontakt kommen dürfen. Pia Viviani sagt, diese Vorschrift gelte selbstverständlich auch im Naturama. «Auch für die über 18-Jährigen sind allenfalls belastete Präparate abgeschirmt.» Zum Anfassen gebe es im Naturama nur die Felle im Naturlabor, «und die sind völlig ungefährlich».

Die offenen Präparate, alle nach 1990 präpariert und nicht mit Arsen belastet, seien theoretisch nicht zum Anfassen bestimmt. «Uns ist aber bewusst, dass sich nicht alle Besucher daran halten», räumt Viviani ein. Der abgebildete Biber sei auch neueren Datums, trotzdem animiere das Naturama bei diesem Präparat eigentlich nicht zum Streicheln. Dies möge, wie das Foto zeigt, früher anders gewesen sein.

Hände waschen hilft

Arsen sei zwar giftig, aber nur, wenn es tatsächlich in den Körper gelange, hält Viviani fest. Bei gut entstaubten Präparaten gerate das Gift kaum in die Luft, zumal Arsen erst bei einer Temperatur von 600 Grad verdampfe. Allerdings könnten sich Kleinst-Teilchen aus Federn oder Haaren von ausgestopften Tieren lösen und sich mit Staub vermischen. Deshalb arbeiten Museumsangestellte mit Handschuhen und Schutzmasken, wenn sie mit Tierpräparaten in Kontakt kommen. Für die Besucher gilt: «Sollte jemand in Berührung mit einem älteren Präparat kommen: Möglichst schnell Hände waschen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1