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Gefährliche Bitumen-Flicken: Warum der Sommer für Biker doppelt heiss ist

Für Biker sind mit Bitumenstreifen geflickte Strassen, wie hier auf der Büttikerstrasse in Sarmenstorf, sehr gefährlich. Sie werden nicht nur bei Nässe rutschig, sondern auch bei Temperaturen um 30 Grad.

Für Biker sind mit Bitumenstreifen geflickte Strassen, wie hier auf der Büttikerstrasse in Sarmenstorf, sehr gefährlich. Sie werden nicht nur bei Nässe rutschig, sondern auch bei Temperaturen um 30 Grad.

Wenn die Temperaturen steigen, werden mit Bitumen reparierte Strassenabschnitte so rutschig wie Eisflächen. Beim Strassenunterhaltsdienst ist man sich dessen durchaus bewuss – sieht aber keine Alternativen.

Jeder Motorradfahrer kennt sie und hat grossen Respekt davor: Risse in den Strassen werden in der Schweiz und auch im Ausland mit Bitumen geflickt. Die schwarzen Streifen sind bei trockener Fahrbahn problemlos befahrbar. Ist es nass, werden sie jedoch rutschig und für Zweiradfahrer gefährlich. Vor allem im Kurvenbereich. Denn bei zu starker Schräglage kann man mit dem Töff auf diesen Flicken leicht ins Rutschen kommen.

Bitumenstreifen werden bei Hitze plastisch

Zu «Eisflächen» drohen auf diese Art reparierte Strassen auch bei grosser Hitze zu werden. Wer mit seinem Zweirad nicht aufpasst, hat auf dem ausschwitzenden Pech schnell einmal Pech gehabt. Denn bereits bei Temperaturen um 30 Grad werden die Bitumenstreifen plastisch und die Rutschgefahr ist jener bei Nässe ähnlich. Für die Biker, die in ihrer Motorradkleidung jetzt eh schon genug schwitzen, wird der Tropensommer somit noch heisser.

Ist man sich beim Strassenunterhaltsdienst dieser Gefahr überhaupt bewusst? Und: Gibt es keine Alternativen zu diesem für Biker gefährlichen Bitumen-Flickwerk? Die AZ hat beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) nachgefragt. «Die einzigen Alternativen sind grossflächige Reparaturen sprich Patchwork-Strassen oder gleich eine komplette Belagssanierung. Für beiden Varianten muss jedoch stets mit längeren Verkehrsbehinderungen und dementsprechend deutlich höheren Kosten gerechnet werden», sagt Manuel Baldi, der verantwortliche Kreisingenieur für den Strassenunterhaltsdienst vom Kreis III im Freiamt.

Baldi erklärt vorab, was es mit diesen Flicken überhaupt auf sich hat: «Der Belag, mit dem wir unsere Strassen überwiegend asphaltieren, ist eine Mischung aus dem Bindemittel Bitumen und Gesteinskörnungen. Wenn das Bitumen altert oder bei grossen Verkehrsfrequenzen stark beansprucht wird, wird es spröde, und es gibt Risse im Belag. Wenn wir diese Risse nicht umgehend behandeln, dringt Wasser ein, das im Winter gefriert. Das wiederum kann zu grossflächigen Abplatzungen und somit zu massiven Strassenschäden führen.»

Um das zu vermeiden und die Strassen betriebsbereit zu erhalten, werden die Risse mit polymermodifiziertem Bitumen geflickt: «Die Fugen werden mit einer Lanze ausgeblasen und mit Bitumen gefüllt. Am Schluss geben wir oben feinkörnigen Sand dazu, damit die Flicke rutschfester werden», erklärt Manuel Baldi das Vorgehen.

Steigen die Temperaturen und/oder werden die Flicke stark befahren, wird dieser Sand jedoch bald abgetragen, und damit verschwindet auch die Rutschhemmung und es entsteht die beschriebene reduzierte Griffigkeit.

Es gibt keine Alternative zu den Bitumen-Streifen

Beim Strassenunterhaltsdienst ist man sich dessen laut Baldi durchaus bewusst, sieht aber keine Alternativen: «Wir wissen, dass bei Nässe auch die Strassenmarkierungen insgesamt sowie die Schachtdeckel beim Befahren für Zweiradfahrer sehr heikel sind.

Die Bitumen-Streifen sind zudem auch bei Hitze eine latente Gefahr. Reparaturen auf diese Art sind jedoch in der Schweiz und im Ausland eine gängige Methode, um Abplatzungen zu verhindern und damit die Betriebssicherheit bis zur nächsten Belagssanierung zu erhalten.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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