Kaiserschnitt

Geburten durch Kaiserschnitt sind der neue Trend im Aargau

Immer mehr Frauen wollen ihre Kinder per Kaiserschnitt zur Welt bringen. Der Aargau liegt national über dem Durchschnitt und ist damit fortschrittlich - einige Hebammen und Ärzte warnen aber vor der Entwicklung.

Über ein Drittel der Geburten in des Schweiz werden mittlerweile per Kaiserschnitt durchgeführt - Tendenz steigend. Die Operation gilt als sicher, aber nicht jede wird aus medizinischer Relevanz angeordnet. Der Kanton Aargau ist in Sachen Kaiserschnitt national über dem Durchschnitt, in manchen Regionen sogar stark.

Baden ist die Kaiserschnitt-Stadt

Der Schweizer Durchschnitt für Schnittentbindungen liegt bei genau 33.3 Prozent, das sind 26'528 Prozeduren, der Aargau liegt mit 34,36 Prozent über der Norm. Innerhalb des Kantons gibt es nochmals Abweichungen. Im Jahr 2011 waren es in der Stadt Aarau 35.7 Prozent, in Wettingen 34.9 Prozent und im Fricktal 29.7 Prozent, die eine Schnittentbindung wählten.

Besonders beliebt wurde der Kaiserschnitt in der Stadt Baden: Waren es 2009 noch 29.5 Prozent, stieg die Zahl für das Jahr 2011 auf stolze 38 Prozent.

Viele Gründe für eine Operation

Als Grund für die Zunahme gilt die höhere Klagebereitschaft gegenüber Spitälern. Experten sehen allerdings noch bedeutendere Unterschiede. Michael Hohl, Chefarzt des Departements Frauen und Kinder vom Kantonsspital Baden, kennt noch andere Gründe: «Früher tendierte man im Zweifelsfall für eine natürliche Geburt, auch wenn Saugglocken oder Zangen zum Einsatz kommen mussten», erklärt er, «heute ist ein Kaiserschnitt wesentlich sicherer geworden. Es kam zum Durchbruch, weil man in der Lage ist, nun Teilnarkosen anstelle von Vollnarkosen einzusetzen.» Hohl betont ausserdem, dass man heute versucht, den Körper der Frauen zu schonen.

Private Kliniken machen mehr Kaiserschnitte

Auffallend ist ausserdem die Tatsache, dass in privaten Kliniken letztes Jahr viel mehr Schnittgeburten durchgeführt wurden, als in öffentlichen Spitälern. Bei den Privaten sind es 40.9 Prozent, in öffentlichen Spitälern kommen nur 31.3 Prozent der Kinder so zur Welt.

Michael Hohl sieht dafür verschiedene Gründe: «Meine Erklärung für die höhere Rate an Kaiserschnitten in privaten Kliniken ist deren Risikobeurteilung und die Unterschiede in der Infrastruktur», sagt der Chefarzt zum Vorgehen der Fachkollegen, «eine Normalgeburt ist von der Betreuung her und von Seiten der Infrastruktur halt ein viel grösserer Aufwand, Geburten werden aber trotzdem eher schlecht bezahlt.»

Die Privatklinikgruppe Hirslanden antwortet gegenüber der Aargauer Zeitung: «Der Kaiserschnitt ist heute eine etablierte Operation, die maximale Sicherheit und Kontrollierbarkeit des Geburtsverlaufs ermöglicht.» Und weiter: «Der Entscheid der Geburtsmethode liegt allein bei der gebärenden Frau und ihrer Frauenärztin bzw. Frauenarzt. Die Wünsche der werdenden Mutter werden - sofern medizinisch möglich - immer berücksichtigt.»

Aus der Stellungnahme geht ebenfalls hervor, dass Frauen aus höheren Einkommensschichten oder aus urbaneren Regionen häufig ein höheres Bedürfnis an Terminplanung aufweisen und sich deshalb für einen Kaiserschnitt entscheiden.

Einsatz für die Natürliche Geburt

Der Verband der Schweizer Hebammen (SHV) setzt sich indirekt gegen den Trend ein. Der Verband bemängelt, dass nicht alle Kaiserschnitte aus medizinischer Relevanz geschehen. «Aufgrund der starken kantonalen Unterschiede kann man davon ausgehen, dass nicht alle Kaiserschnitt-Geburten medizinisch erklärbar sind», sagt Doris Güttinger, die Geschäftsführerin des Hebammenverbands.

Sie kritisiert den Trend: «Der Kaiserschnitt ist nicht der risikoärmste Weg der Geburt, es können kurz- und langfristige Risiken für die Mutter und das Kind entstehen», erklärt sie, «kurzfristig sind Atemprobleme beim Neugeborenen ein Risiko, längerfristig weisen Studien auf ein möglicherweise höheres Risiko für chronische Erkrankungen wie beispielsweise Asthma und Diabetes hin.»

Auch Chefarzt Hohl greift Güttinger mit einer Aussage indirekt unter die Arme: «Aus meiner langjährigen Erfahrung kann ich sagen, dass ein Kaiserschnitt prinzipiell nicht risikoärmer ist, als eine natürliche Geburt, vorausgesetzt letztere findet in einer sicheren Umgebung statt mit guter Infrastruktur und qualitativer Betreuung», sagt er abschliessend.

Die Kaiserschnittrate im Kanton Aargau
(Quelle: BFU)

Jahr

Kaiserschnittrate (%)
Durchschnittliches Alter bei Kaiserschnitten
2011  34.36
 32.0
2010  33.61
 31.6
2009  32.89
 32.7
2008  33.01
 32.0
2007  32.9
 31.5

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