Sprach man im Aargau und in der Schweiz von Holderbank, meinten die wenigsten Leute das tausend Einwohner zählende Dorf zwischen Chestenberg und Aare. Das Wort stand für Zement und Zementfabrik schlechthin. Mindestens bis zum Wechsel auf den Namen Holcim im Jahr 2001. Mit ein Grund war die Tatsache, dass Holderbank im Ausland immer wieder für eine Bank gehalten wurde. Nun, die Zementhersteller erlebten mit Kalkstein und Mergel goldige Zeiten und eine glanzvolle Geschichte.

Tatsächlich hat alles in Holderbank begonnen, genau am 15. Februar 1912. An diesem Tag gründete Adolf Gygi die Aargauische Portlandcement-Fabrik. Die erste Fusion folgte auf dem Fuss, schon 1914 schloss die junge Zementfabrik Holderbank sich mit der Rheintalischen Cementfabrik Rüti zusammen. Der Industrielle Ernst Schmidheiny übernahm bald das Zepter, die Familie sollte das Schweizer Zementgeschäft über Generationen prägen.

Grosse Rückschläge und Boomphasen wechselten sich über die Jahrzehnte immer wieder ab. Der Aargauer Jura aber blieb treuer Lieferant von Kalkstein und Mergel, des nötigen Futters für die hungrigen Zementöfen. Im Ersten Weltkrieg wurde die Produktion eingestellt, die Arbeiter waren im Militär, die Nachfrage brach ein.

Frühe Expansion ins Ausland

Der gut vernetzte Nationalrat und Oberstleutnant Schmidheiny setzte nach dem Krieg zu einem Feldzug ins Ausland an: Schon 1922 mit einer Zementfabrik südlich von Paris, dem Teilerwerb von Fabriken in Belgien und Holland folgte 1929 die moderne Zementfabrik im ägyptischen Tourah bei Kairo. Für die damalige Zeit brauchte es viel Mut und Abenteuerlust, derart schnell eine weltweite Expansion aufzubauen. Doch mit wenigen Ausnahmen zahlte sich der Aufbau neuer Werke in fernen Ländern aus.

Als im Jahr 1935 Ernst Schmidheiny bei einem Flugzeugabsturz im Sinai ums Leben kam, folgten die Söhne Ernst und Max in die grossen Fussstapfen des Vaters. Sie expandierten weiter, in den Nahen Osten und bis nach Südafrika. Während des Zweiten Weltkriegs brach der Heimmarkt erneut zusammen, das starke Auslandgeschäft half mit, den Holderbank-Konzern auf den Beinen zu halten.

Wieder kamen bessere Zeiten

Mitte des letzten Jahrhunderts folgte der Schritt nach Nordamerika. In der Schweiz kumulierte sich der Bauboom mit den grossen Staumauern in den Alpen. 1978 übernahm die dritte Generation mit Thomas Schmidheiny das Zepter und steuerte Richtung Osteuropa, China, Indien und Südostasien.

Bis zur Fusion mit Lafarge ist der Holcim-Konzern auf 71 000 Mitarbeitende in über 70 Ländern gewachsen.

Von den weltweit 139 Millionen Tonnen HolcimZement jährlich produzieren die Schweizer Werke in Siggenthal, Untervaz und Eclépens nur den Bruchteil von 2,7 Millionen Tonnen. Das Werk Siggenthal in Würenlingen ist in den letzten Jahren stark modernisiert worden.

Zu Diskussion führte jüngst die Umstellung auf Braunkohle, aber Holcim entsorgt im heissen Ofen auch viele Abfälle. «Wir sind froh, wenn das Werk weiterhin so stabil läuft», sagt der Würenlinger Ammann André Zoppi. Es gebe wenig Friktionen, weil sich die Holcim Mühe gebe und immer sehr offen und früh über alle Projekte informiere, lobt Zoppi.

Das Zementwerk Siggenthal der Holcim (Film 3)

Das Zementwerk Siggenthal der Holcim (Film 1)

Das Zementwerk Siggenthal der Holcim (Film 2)