Gesundheitskosten
Gebühr für Notfall-Patienten: «Es wird sich schnell herumsprechen, wie man sie vermeidet»

Severin Lüscher von den Aargauer Grünen erklärt im "TalkTäglich", warum Menschen mit Bagatellfällen in Notaufnahmen eine Gebühr bezahlen sollen. Der CEO des Kantonsspitals Aarau sagt, eine solche Regel könne neue Gewaltprobleme hervorrufen.

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Wer mit einer Bagatelle in einer Aargauer Notaufnahme auftaucht, soll dafür eine Eintrittsgebühr bezahlen. Mit dieser Idee haben die Aargauer Grünen vergangene Woche die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Severin Lüscher Grüner Grossrat und Hausarzt in Schöftland, will via Portemonnaie das Verhalten der Notfallpatienten verändern. Was ihn stört: Viele Menschen gehen heute mit Bagatellfällen in die Notaufnahme, was mit ein Grund ist für die stetig steigenden Gesundheitskosten.

Geht es nach Lüscher, wirkte eine Gebühr präventiv: "Wenn es sich herumspricht, dass es einen Hunderter kostet, wenn man in den Notfall kommt, spricht es sich auch sehr schnell herum, wie man ihn vermeiden kann", sagt Lüscher im TalkTäglich von "Tele M1". Er wolle aber kein rentierendes Geschäft aufbauen, es gehe bloss um Verhaltenssteuerung.

Das Problem: 24-Stunden-Gesellschaft

Das Verhalten der Patienten sieht Lüscher von der 24-Stunden-Gesellschaft beeinflusst. "Man bekommt heute alles 24 Stunden am Tag. In der Medizin gibt es aber halt doch einen Unterschied zwischen dringenden und nicht dringenden Anliegen." Das sei schwierig, zu vermitteln.

Die angedachte Eintrittsgebühr müssten die Spitäler eintreiben. Robert Rhiner, CEO des Kantonsspitals Aarau (KSA), befürchtet, eine Gebühr könnte neue Konflikte in den Notfallaufnahmen provozieren: "Wir haben heute schon relativ viel Gewalt bei uns im Notfall und ich fürchte, dass es noch mehr Konflikte geben wird", sagt Rhiner.

Regionalspitäler entlasten statt Patienten belasten

Die FDP-Grossrätin und Apothekerin Martina Sigg ortet wie Lüscher dringenden Handlungsbedarf, was die Gesundheitskosten angeht. Sie peilt aber eine andere Lösung an als die Aargauer Grünen. Sie will die Regionalspitäler direkt entlasten. Heute muss jedes Haus eine 24-Stunden-Permanence betreiben. Die dauerhafte Präsenz der Ärzte kostet viel Geld. "Die wirklichen Notfälle gehen aber ohnehin ins Kantonsspital nach Aarau oder Baden", sagt Sigg. Deshalb soll man die Notfallstationen in den Nachtstunden auf wenige Spitäler konzentrieren.

Ein ärztlicher nächtlicher Notfalldienst müsse gleichwohl vorhanden sein in den Regionen, ergänzt Sigg. Grundsätzlich gebe es gute Alternativen zu den Notfallstationen: Hausärzte, Apotheken, telemedizinische Angebote.

In einer Umfrage der az findet der Vorstoss der Grünen viel Zuspruch: 62 Prozent befürworten eine Eintrittsgebühr für Bagatellfälle (471 Teilnehmer).

Den ganzen Talk sehen Sie hier: