«Wir können verstehen, dass einzelne Kunden verärgert sind, allerdings sollte man die Dimensionen der Schäden nicht ausser Acht lassen», sagt Urs Graf, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Aargauische Gebäudeversicherung AGV.

Das Jahr 2011 war mit seinen Unwettern und Hagelschauern kein Segen für die Hausbesitzer im Aargau und damit auch nicht für die AGV.

Über 30'000 Schadensfälle entstanden 2011 an den Häusern der Aargauer. Am schlimmsten waren die Unwetter im Juni, Juli und im Dezember. «Von diesen 30'000 Fällen sind 97 Prozent bereits abgewickelt oder in Bearbeitung», erklärt Graf. Nur noch 3 Prozent seien hängig.

Eine solch gewaltige Welle von Wetterschäden gäbe es nur alle 200 Jahre. Um den vielen Schadensmeldungen Herr zu werden, mussten die Mitarbeiter der Versicherung viele Überstunden und Wochenendeinsätze leisten, sogar Pensionäre wurden einberufen: «Normalerweise dauert die Abwicklung 30 Tage, aber unter diesen Umständen war das schwierig».

«So habe ich meinen glauben an diese AGV verloren»

In dem Beschwerdebrief, der die ganze Kritik ausgelöst hatte und in der «Aargauer Zeitung» veröffentlicht wurde, war zu lesen: «So wurde bis heute noch nicht mal alle Schäden eruiert und eingeschätzt. So wäre es sinnvoll wenn Herr Dr. Urs Graf, Vorsitzender der Geschäftsleitung, sich um die Kunden sorgt, bevor man irgendwelche Dokumente produziert über Schadensprävention. So habe ich meinen glauben an diese AGV verloren. Für mich als Kunde ist diese Versicherung unprofessionell und unzuverlässig mit überfordertem Aussendienstpersonal.»

Aargauische Gebäuderversicherung unter Beschuss

Aargauische Gebäuderversicherung unter Beschuss

90 Prozent der Kunden zufrieden

«Umfragen haben ergeben, dass 90 Prozent der Kunden mit der AGV zufrieden sind. Nur sind es nicht die zufriedenen 90 Prozent, die Leserbriefe schreiben, sondern die unzufriedenen 10 Prozent», kontert Graf.

Die Kunden seien über Verzögerungen informiert worden und jede Beschwerde sei bei ihm persönlich über den Tisch gegangen.

Als Beweis für die Kundenzufriedenheit schickt der Geschäftsführer eine Leistungsanalyse, die von einer externen Firma im Jahr 2010 angefertigt wurde und durchwegs positiv für die AGV ausfällt.

Als Fazit ist am Schluss des Berichts zu lesen: «Extrem hohe Zufriedenheit der Kunden von der Anmeldung über die Schadensbesichtigung bis hin zur Abrechnung!» Dieser Krasse Gegensatz zur aktuellen Einschätzung durch die Medien wird von einem Leserbrief unterstützt, welcher der «Aargauer Zeitung» vorliegt.

Darin schreibt der Kunde Paul Locher: «Es mag sein, dass bei der Fülle von Schadenfällen Fehler passiert sind und nicht alles termingerecht abgewickelt werden konnte. Dass deshalb der ganzen Organisation inklusive Geschäftsleitung Unprofessionaltät vorgeworfen wird ist zumindest unfair. Meine Erfahrung mit der AGV sind seit Jahren positiv.»