Restauranttester Bumann
Gastro-Aargau-Präsident: «Ich muss ehrlich sagen, das ist mir zu blöde»

Josef Füglistaller, Gastro-Aargau-Präsident, sagt im Interview, dass er die TV-Sendung mit «Restauranttester» Daniel Bumann selbst nicht anschaue. Trotzdem sei sie keine schlechte Werbung für die Aargauer Gastronomie.

Bastian Heiniger
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Josef Füglistaller, Präsident Gastro Aargau (rechts): «Würde man drei, vier Jahre später bei den Wirten nachfragen, sähe es bei den meisten wohl schlecht aus.» – Links: Szene aus der Lengnauer «Restauranttester»-Sendung mit Daniel Bumann.

Josef Füglistaller, Präsident Gastro Aargau (rechts): «Würde man drei, vier Jahre später bei den Wirten nachfragen, sähe es bei den meisten wohl schlecht aus.» – Links: Szene aus der Lengnauer «Restauranttester»-Sendung mit Daniel Bumann.

3+/ZVG

Viele traditionelle Gastronomiebetriebe kämpfen ums Überleben. Daniel Bumann, bekannt als der Restauranttester, versucht in seiner Fernsehsendung, angeschlagene Beizen wieder auf Kurs zu bringen. So auch in der Sendung vom Montagabend zu einem Lengnauer Lokal.

Von den vier getesteten Betrieben im Aargau sind heute dennoch zwei geschlossen (die az berichtete). Im Interview sagt Josef Füglistaller, Präsident Gastro Aargau, was er vom TV-Format hält und weshalb manche Beizen trotz den Profitipps letztlich eingehen.

Wie hilfreich ist für die Beizen eine Sendung wie «Der Restauranttester»?

Josef Füglistaller: Man muss zwei Sachen unterscheiden: Einerseits ist es eine gute Sendung, weil sie die Leute interessiert und sie das Interesse an der Gastronomie weckt. Andererseits fragt sich, was es einem Wirt effektiv bringen soll, wenn er Bumanns Hilfe annimmt. Denn da bin ich skeptisch. Meistens sind ja bei den Betrieben vor allem finanzielle Probleme vorhanden.

Liegt es also oft nicht an den Kochkünsten, sondern am Wirtschaftlichen?

Es liegt am fehlenden Know-how. In der Sendung kommen oft Berufsleute, die sich nie weitergebildet haben oder dann als Quereinsteiger in die Gastronomie gekommen sind. Aber: Beizer sind Unternehmer. Von den Wirten wird mehr Können und Wissen vorausgesetzt als von Angestellten. Eigentlich.

Sind die vier Tage, in denen Bumann hilft, zu wenig, um etwas zu verändern?

Nein, das glaube ich nicht. Es kann so oder so niemand innert vier Tagen lernen, zu wirten. Das geht nicht. Was aber geht, und das könnten auch andere, das ist, den Betrieben aufzuzeigen, wo die Fehler liegen, was verändert werden könnte. Das setzt jedoch voraus, dass der Wirt die Ratschläge dann auch umsetzen kann.

Schauen Sie die Sendungen?

Nein.

Warum nicht?

Ich muss ehrlich sagen, das ist mir zu blöde. Ich glaube nicht an ein solches Konzept.

Wie immer: Der Restaurant-Tester kommt überraschend in Lengnau vorbei.
18 Bilder
Er bestellt im «Schmitte Beizli» querbeet durch die Speisekarte.
In der Schmitte-Küche geht die Arbeit los.
Restaurant-Tester Daniel Bumann probiert das Angebot der Lengnauer Beiz.
Das Fleisch ist «zäh wie Leder»: Bumann ist nicht zufrieden.
Standpauke in der Küche: Ein neues Konzept muss her.
Wie weiter? Daniel Bumann gibt der Lengnauer Wirtin Cinzia Di Vetta Ratschläge.
Die drei Freundinnen in ihrem Restaurant.
Bumann macht Verbesserungsvorschläge.
Auf dem Weg zum Geschirr-Fachmarkt.
Hier gibt es neues Geschirr für das neue Konzept.
Bumann - Episode Schmitte Lengnau
Hat auch einen Auftritt: Die az mit der Reportage von den Dreharbeiten im November 2014.
Profi-Support: Wurstkönig Roger Vogel in der Schmitte-Küche.
Bei Radio Argovia machen die drei Frauen Werbung für die Neueröffnung ihres Restaurants.
Den Frauen und dem Restauranttester ist das Lachen noch nicht vergangen.
Extrawurst: Das neue Konzept kommt auf den Tisch.
Happpy End? Die Freundinnen vor ihrem «neuen» Restaurant.

Wie immer: Der Restaurant-Tester kommt überraschend in Lengnau vorbei.

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Gezeigt werden vor allem Lokale, die nicht laufen. Eine schlechte Werbung für die Aargauer Gastronomiebranche?

Erstaunlicherweise nicht. Ich habe noch selten mit Gästen gesprochen, die nicht positiv über die Sendung geredet haben. Vielen gefällt, was Bumann macht. Ausserdem gönnen sie jedem Beizer den Erfolg. Würde man aber drei, vier Jahre später bei den Wirten nachfragen, sähe es bei den meisten wohl schlecht aus.

Dann schreckt die Sendung also nicht ab, wenn Mängel in der Küche aufgedeckt werden.

Ich glaube nicht. Denn die Kunden kennen ja die Branche und sie wissen auch, dass es oft schwierig ist. Sie haben dann eher das Gefühl: «Jetzt ist einer da, der im Dorf unserer Beiz hilft. Und jetzt geht es dann besser.»

Die Zuschauer glauben an die Sendung.

Genau. Daher ist sie trotz allem positiv.

Was unternimmt Gastro Aargau, um angeschlagenen Beizen zu helfen?

Anfragen dazu haben wir natürlich oft. Allerdings: Ich glaube, ein Verband kann generell nur Rahmenbedingungen schaffen. Und diese gelingen uns auf der politischen Ebene nicht immer. Man gibt ja immer dem Rauchverbot oder der Promillegrenze die Schuld. Ich mag es bald nicht mehr hören. Aber da gelang es uns nicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Insofern haben wir wenig Einfluss, um den Wirten direkt zu helfen. Wir können höchstens sagen, dass sie auf die Personalkosten achten sollen und sich im Wareneinkauf verbessern können. Doch das sollten Grundvoraussetzungen sein. Zumindest, wenn jemand den Fähigkeitsausweis besitzt.

Womit haben die Beizen im Aargau besonders zu kämpfen?

Das grösste Problem: In den letzten Jahren hat sich das Konsumverhalten verändert. Es drängen immer mehr Anbieter auf den Markt, die eine schnelle Verköstigung bieten. Sprich: Fast Food, Take-away, Tankstellenshops.

Daniel Bumann sagte, es gäbe in der Schweiz insgesamt zu viele Gastrobetriebe. Teilen Sie diese Meinung?

Nicht direkt. Es ist eher so, dass viele traditionelle Betriebe verschwinden. Die Zahlen sind deutlich: Früher zählte Gastro Suisse 25'000 Mitglieder, heute noch 18'000.