Laut der kantonalen Bevölkerungsprognose soll die Stadt Baden bis zum Jahr 2035 um rund 4000 Einwohner wachsen. Dafür ist neuer Wohnraum nötig, die bestehenden Bauzonen sind zu 96 Prozent überbaut. Nun kann die letzte grosse Landreserve der Stadt, das Gebiet Galgenbuck in Dättwil, eingezont werden. Der Grosse Rat hat mit 117 Ja- gegen 9 Nein-Stimmen grünes Licht für die nötige Änderung des Richtplans gegeben.

In einem Studienwettbewerb wurde ein Überbauungsszenario für den Galgenbuck ermittelt. Demnach wird das Potenzial des Areals auf rund 600 Wohneinheiten für 1300 bis 1400 Menschen geschätzt – das sind mehr, als die Gemeinde Freienwil Einwohner hat. Das Gebiet soll baulich mit hoher Qualität und nachhaltig entwickelt werden. Mit «nachhaltig» ist zum einen die Anbindung an den öffentlichen Verkehr mit «autoreduzierter» Erschliessung gemeint, zum andern die Schaffung von Raum, wo sich Familien ansiedeln können.

«Der Tod dieser Vorlage»

In der Debatte im Grossen Rat forderte Hansjörg Wittwer (Grüne), die landwirtschaftliche Fläche, die bei der geplanten Einzonung verloren gehe, müsse überkommunal kompensiert werden. Esther Gebhard-Schöni (EVP) entgegnete, für die verlangte Kompensation gebe es keine rechtliche Grundlage. Martin Keller (SVP) bezeichnete den Antrag der Grünen als nicht umsetzbar und ergänzte, das Bedürfnis nach einer Einzonung im Galgenbuck sei anerkannt. Baudirektor Stephan Attiger, vor seiner Wahl in den Regierungsrat Stadtammann in Baden, hielt fest, eine Kompensation der einzuzonenden Fläche sei in Baden nicht möglich. Eine derartige Forderung wäre «der Tod dieser Vorlage», warnte Attiger. Der Antrag der Grünen wurde denn auch klar abgelehnt, dies mit 24 Ja- zu 102 Nein-Stimmen.

Hans-Ruedi Hottiger (CVP) sagte, die künftige Siedlungsentwicklung in Baden müsse höher gewichtet werden, als die Erhaltung der sogenannten Fruchtfolgeflächen. Mit einem Entwicklungsrichtplan (ERP), der verbindliche Vorgaben festlege, werde eine nachhaltige und qualitativ hochstehende Erschliessung gewährleistet. Rosmarie Groux (SP) sagte, der ERP biete Gewähr, dass bei der Einzonung «mit Sorgfalt und Bedacht» mit dem Land umgegangen werde. Positiv sei auch die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Forderung nach verdichtetem Bauen

Roland Basler (BDP) bedauerte, dass im Galgenbuck nur 600 Wohneinheiten geplant seien. Es sei enttäuschend, dass in einem derart grossen Gebiet nicht verdichteter gebaut werde. Martina Sigg (FDP) bezeichnete die Einzonung als bedarfsgerecht und sinnvoll, wies jedoch auf den Mehrverkehr hin, der zu erwarten sei. Es sei deshalb zwingend, in den späteren Planungsphasen ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Sander Mallien (GLP) machte darauf aufmerksam, dass der Aufgabe- und Finanzplan vorsehe, pro Jahr rund 10 Hektaren Fruchtfolgeflächen einzuzonen. Tatsächlich gingen aber im Schnitt der letzten Jahre rund 23 Hektaren verloren.