Verfahren

G20-Krawalle: Ermittlungen gegen Aargauer ziehen sich hin – konkrete Beteiligung nicht nachweisbar

Am 29. Mai, um 6 Uhr morgens, drang ein Durchsuchungskommando der Kantonspolizeit Aargau ins Kulturzentrum Bremgarten (KuZeB) ein und konfiszierte mehrere Gegenstände.

Hausdurchsuchung im "KuZeB": Am 29. Mai, um 6 Uhr morgens, drang ein Durchsuchungskommando der Kantonspolizeit Aargau ins Kulturzentrum Bremgarten (KuZeB) ein und konfiszierte mehrere Gegenstände.

Am 29. Mai, um 6 Uhr morgens, drang ein Durchsuchungskommando der Kantonspolizeit Aargau ins Kulturzentrum Bremgarten (KuZeB) ein und konfiszierte mehrere Gegenstände.

Auch nach anderthalb Jahren ist offen, was mit dem Mann passiert, der im Kulturzentrum Bremgarten verkehrt und an den Krawallen im Sommer 2017 in Hamburg dabei gewesen sein soll.

Seit einem Monat läuft in Hamburg ein Prozess gegen fünf junge Männer, die im Juli 2017 dabei gewesen sein sollen, als über 200 Vermummte die noble Elbchaussee verwüsteten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten unter anderem schweren Landfriedensbruch, Brandstiftung, gefährliche Körperverletzung und Verstoss gegen das Waffengesetz vor.

Ganz ähnlich lauten die Vorwürfe gegen einen jungen Aargauer, der Ende Mai letzten Jahres im Umfeld einer Razzia in Bremgarten festgenommen und befragt wurde. Der Mann, der im lokalen Kulturzentrum verkehrt, ist auf einem Video zu sehen, wie er in Hamburg am Tag der schweren Ausschreitungen seine Vermummung abnimmt.

Weder dem verdächtigten Aargauer, noch den fünf Angeklagten, die derzeit vor Gericht stehen, können die Hamburger Strafverfolgungsbehörden eine konkrete Beteiligung an den Verwüstungen nachweisen. Es gibt offenbar keine Beweise, dass die Männer zum Beispiel Scheiben eines Geschäftes eingeschlagen oder ein Auto angezündet haben. Doch die Anklage geht davon aus, allein die Anwesenheit in der Gruppe, die in Hamburg wütete, reiche für eine Verurteilung als Mittäter aus. Demnach hätten die rund 220 vermummten Teilnehmer gemeinsam den Entschluss gefasst, Straftaten zu verüben und «Angst und Schrecken zu verbreiten», argumentiert sie. Wer nicht selbst randaliert habe, habe Passanten eingeschüchtert und damit die Gewalt der anderen mit ermöglicht.

Die Gegenseite bezeichnet die Argumentation absurd. «Unsere Mandanten haben nichts getan, als ihr Demonstrationsrecht auszuüben, wenn sie überhaupt da gewesen sind», sagte eine Verteidigerin dem «Spiegel». Bis die entscheidende Frage – reicht die blosse Anwesenheit für eine Verurteilung? – geklärt und ein Urteil gefällt ist, dürfte es noch Monate dauern.

Aargauer auf freiem Fuss

Wartet die Hamburger Staatsanwaltschaft den Ausgang der Gerichtsverhandlung ab, bevor sie entscheidet, wie es im Fall des Aargauers weitergeht? Dies wäre naheliegend, weil die Kernfrage bei ihm und den fünf Männern, die jetzt vor Gericht stehen, dieselbe ist.

Pressesprecherin Nana Frombach dementiert dies und hält fest, die Verfahren würden getrennt geführt. «Die Ermittlungen gegen den Beschuldigen aus der Schweiz sind noch nicht abgeschlossen», teilt sie mit. Dieser befinde sich auf freiem Fuss und nicht in Haft, weil eine Auslieferung aus rechtlichen Gründen nicht in Betracht komme.

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