Anhalten!

Fussgänger gehen bei Planung oft vergessen – das soll sich jetzt ändern

Fussverkehr Schweiz gründet eine Regionalgruppe Aargau (Symbolbild)

Fussverkehr Schweiz gründet eine Regionalgruppe Aargau (Symbolbild)

Warum Fussverkehr Schweiz heute eine Regionalgruppe Aargau gründet.

Zufussgehen: Für Christian Keller ist es das Schönste. «Man sieht die Natur, den Leuten in die Vorgärten, Veränderungen in der Stadt. Es ist ein Stück Lebensqualität in bewusstem Tempo.» Dass die Fussgänger unter dem Namen Fussverkehr Schweiz eine eigene Organisation haben, ist weniger bekannt. Acht kantonale Sektionen führt der schweizerische Fachverband der Fussgängerinnen und Fussgänger. Und heute kommt Nummer 9 dazu.

Gegründet wird sie im Rahmen der jährlichen Fachtagung von Fussverkehr Schweiz, die heute erstmals am FHNW-Campus in Windisch stattfindet. Initiiert wurde sie von Christian Keller. Er arbeitet als Projektleiter auf der Geschäftsstelle des Verbands in Zürich, wohnt in Nussbaumen, politisiert im Einwohnerrat Obersiggenthals (Grüne) und ist Mitglied der Gruppe OASIN (Ostaargauer Siedlungsentwicklung intelligent und nachhaltig).

Das Ziel: Eng mit Kantons- und Gemeindebehörden zusammenarbeiten. Es steht ein Netzwerk aus über einem Dutzend Experten bereit, die auf Anfrage beratend in den Einsatz gehen. Wenn es darum geht, Querungen oder Trottoirs zu planen, das Wegnetz zu verdichten, den öffentlichen Raum möglichst hindernisfrei und Schulwege sicher zu gestalten. Der Verband verfügt über einen Leistungsauftrag des Bundes und kann, wenn nötig, vom Verbandsbeschwerderecht Gebrauch machen. Man dürfe die Arbeitsweise aber nicht mit jener des Verkehrsclubs VCS vergleichen, sagt Keller: «Wir weisen zwar manchmal auf das Verbandsbeschwerderecht hin, wollen aber partnerschaftlich-konstruktiv mitarbeiten.» Heisst: Viel stille Hintergrundarbeit, die öffentlich kaum wahrgenommen wird. Auch das will man ändern.

Umdenken erst auf Papier

Bei neuen Verkehrslösungen müsse man die Fussgänger von Anfang an einplanen: «Im Nachhinein mit Farbe zu hantieren, ist keine gute Lösung.» Bei den Velofahrern hätten Gemeinden dies inzwischen realisiert. «Jetzt ist es an uns, einen Fuss in die Tür zu setzen und zu sagen: Anhalten, wir wollen auch mitreden.» In der Ära von Verkehrsdirektor Peter C. Beyeler (FDP) seien die Fussgänger noch als Randphänomen betrachtet worden, sagt Keller. Unter Stephan Attiger (FDP) erhoffe man sich eine Bewegung: «Er hat mit der Ostaargauer Strassenentwicklung (OASE) die Chance, viel zu bewirken.» Ein positives Zeichen sei die Fachstelle Fuss- und Radverkehr, die neu geschaffen wurde. Im Aargau sei ein Umdenken spürbar, aber erst auf Papier: «Die Probleme sind noch nicht gelöst. Es gibt noch viel zu tun.» Erst 10 der 213 Aargauer Gemeinden sind bislang Einzelmitglied des Verbands, 4 davon im Bezirk Baden. Die Stadt Baden gewann 2008 auch den Hauptpreis von Fussverkehr Schweiz für den Panoramalift und den Limmatsteg.

Fricker: «Liegt mir am Herzen»

Gründungspräsident ist Nationalrat Jonas Fricker (Grüne) aus Baden. Er sagt, Mobilität zu Fuss sei essenziell für die Lebensqualität: «Wir alle sind Fussgängerinnen und Fussgänger. Und doch gehen wir bei Planungen oft vergessen.» Man wolle Kompetenzzentrum und Ansprechpartner sein in allen Fragen zum Thema. Fricker wurde angefragt, ob er das Präsidium übernehmen wolle. Es sei sein allererstes Mandat überhaupt, das er als Nationalrat annehme. «Bislang habe ich mich bewusst zurückgehalten, aber dieses Thema liegt mir wirklich am Herzen und der Aargau hat hier etwas aufzuholen.» Fussverkehr sei für alle Aargauer relevant und die Organisation politisch unabhängig.

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