Bei den Nationalratswahlen 2011 holte die frisch gegründete BDP Aargau auf Anhieb 6,1 Prozent der Wählerstimmen. Sie war im Hoch, stellte mit Bernhard Guhl erstmals einen Nationalrat. Die CVP verlor zwei ihrer drei Nationalratssitze und erreichte mit 10,6 Prozent einen neuen Tiefstand. Der damalige CVP-Präsident Franz Hollinger warb danach für einen Zusammenschluss mit der BDP, und erreichte damit nationale Bekanntheit. Doch die Basis beider Parteien wollte nicht. Hollinger musste als Präsident den Hut nehmen.

Heute ist es der Gründervater und frühere Präsident der BDP Schweiz, Hans Grunder, der seiner Partei eine Fusion empfiehlt. Allerdings nicht mit der CVP, sondern mit den Grünliberalen. Das sagte er in der «SonntagsZeitung». Wie realistisch ist das? Bernhard Guhl scheint ob Grunders Äusserungen irritiert. Gewiss habe man «mit der GLP unverbindliche Diskussionen gehabt. Eine Fusion steht aber nicht auf der Traktandenliste. Darüber gibt es keine Gespräche, auch nicht kantonal. Wir konzentrieren uns voll auf die nationalen Wahlen vom Herbst».

BDP will Listenverbindungen

Da strebe man schweizweit Listenverbindungen zwischen BDP, GLP, CVP und EVP an, so Guhl weiter, «um die Mitte zu stärken und keine Sitze ans rechte oder linke Lager zu verlieren, oder um je nach kantonaler Konstellation Restmandate gewinnen zu können». Grunders Aussagen würden jetzt medial hochstilisiert, findet er. Dieser dürfe sich natürlich solche Gedanken machen. Doch Grunder gebe jetzt ja sein Nationalratsmandat ab: «Da ist er wohl nicht die erste Anlaufstation, um zu definieren, wie es weitergehen soll.»

Mit der GLP vertrage man sich gut, sagt Guhl. Das gelte besonders für seinen Aargauer Nationalratskollegen Beat Flach. In der BDP habe man wie in der GLP gesellschaftsliberale Positionen, wolle den bilateralen Weg weitergehen, und sei für ein griffiges CO2-Gesetz. In Fragen der Sicherheitspolitik, oder der Beschaffung eines neuen Kampfflugzeugs sei man aber weit voneinander entfernt. Auch in der Landwirtschaftspolitik sende man nicht auf derselben Wellenlänge. Guhl: «Wie in der Schweiz am Wochenende zu lesen war hat, die BDP im Aargau in den letzten zwei Jahren am zweitmeisten Abstimmungen gewonnen. Betrachtet man die zehn Jahre seit Bestehen der Partei, steht die BDP alleine an der Spitze. Wir politisieren nahe am Volk und werden das auch in Zukunft tun. Und wie gesagt, eine Fusion steht nicht zur Debatte.»

Flach: Schnittmenge zu klein

Ganz ähnlich tönt es bei Beat Flach, dem Nationalrat der Aargauer Grünliberalen. Auch er betont die Nähe zur BDP in Fragen der Umwelt-, Energie- und Europapolitik: «Wir arbeiten in vielen Bereichen sehr gut zusammen.» So sei man gemeinsam für das Schengen-Abkommen und habe miteinander und erfolgreich die Selbstbestimmungsinitiative der SVP bekämpft. Doch bei Verkehr, Landwirtschaft und weiteren Themen sei man teilweise weit voneinander entfernt. Das zeigen auch die Politspider der Aargauer Nationalräte (vgl. Bildergalerie oben).

Flachs Fazit: «Die Schnittmenge ist viel zu klein für ein Zusammengehen. Wenn überhaupt, stünde uns ja auch die CVP auf nationaler Ebene näher.» Ist das als Avance an die CVP zu verstehen? Flach winkt lachend ab: «Nein, wir haben ein klares politisches Profil entwickelt und wir haben damit Erfolg. Durch das Zusammengehen mit einer anderen Partei würde es bloss verwässert.» Aber schliesslich habe man mal eine Fraktionsgemeinschaft mit der CVP gehabt, «und der CVP damals viele Inputs in Umweltfragen geben dürfen».

Dennoch betont Beat Flach, natürlich gelte es, das Mitte-Lager zu stärken. Deshalb sei man auch bei den Aargauer Grünliberalen offen für entsprechende Listenverbindungen, zumal das geltende Wahlrecht kleinere Parteien benachteilige. Aber eben, eine Fusion mit der BDP strebe man nicht an, sagt Beat Flach mit einem Schmunzeln: «Wir sind happy als Single.»