Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Ennetbaden haben an der Gemeindeversammlung dem Gemeinderat mit 162:149 den Auftrag erteilt, eine Fusion mit Baden zu prüfen. In der «Schweiz am Sonntag» reagierte Badens Stadtammann Geri Müller hoch erfreut. Und gab bekannt, dass Baden wieder mit Neuenhof für eine Fusion im Gespräch ist. Man erinnert sich: 2010 war eine Fusion Baden/Neuenhof trotz überwältigendem Ja aus Neuenhof an einem hauchdünnen Nein aus Baden gescheitert. Müller ist überzeugt: «Die Abstimmung käme heute anders heraus.» Fusionen seien aufwendig, so Müller: «Am einfachsten und effizientesten ist es, sie in einem Rutsch zu machen.»

Gut fände Müller eine Fusion mit Ennetbaden und Neuenhof auf den Legislaturwechsel per 2018. Gelänge dies, käme die neue Stadt, «Grossbaden», auf knapp über 30'000 Einwohnerinnen und Einwohner, wäre also um rund die Hälfte grösser als die Kantonshauptstadt Aarau, die mit knapp über 20'000 Einwohnern heute die grösste Aargauer Gemeinde ist.

«Wir sind keine arme Braut»

Susanne Voser, Gemeindeammann von Neuenhof, ist überzeugt von den Vorteilen von Fusionen in der Region. Das Jahr 2018 erachtet sie als realistisch. Dennoch verfällt sie nicht in Euphorie. Wenn die Ennetbadener den Prüfungsauftrag für die Fusion mit Baden mit 90 Prozent Ja erteilt hätten, «würde ich sagen, wouh!», so Voser zur az. Der Entscheid fiel aber knapp und mit knappen Entscheiden kann Neuenhof umgehen.

Ob des Ennetbadener Ja sei sie jedoch sehr froh: «Das wollen wir aber nicht überbewerten. Wir warten ab, was Ennetbaden weiter macht.»

Sie bereut, dass es 2010 zu wenig gelungen sei, aufzuzeigen, dass Neuenhof keine arme Braut sei. Und inzwischen habe sich viel getan. Der Bräutigam, der Neuenhof zum Altar führen will, müsse Neuenhof damit nicht «retten», betont sie. Über die IG «fairer und gerechter Lastenausgleich» hat Neuenhof mit Windisch und weiteren Gemeinden inzwischen einen faireren Ressourcenausgleich in der Spitalfinanzierung erwirkt. Im neuen Lasten- und Finanzausgleich zeichnet sich zudem ab, dass Neuenhof weiterhin Gelder bekommt. Klar würden sich diese bei einer Fusion wieder verringern.

Die fusionierten Gemeinden müssten dann aber weniger berappen. Heute zahlt Baden rund 8, Ennetbaden rund 1, Wettingen rund 2 Millionen Franken in den Finanzausgleichstopf. Voser: «Heute alimentieren in diesen Gemeinden über 4000 Leute mit ihren Steuern, gerechnet auf die durchschnittliche Steuerkraft des Kantons, nur diesen Topf. Diese Beträge würden dann massiv sinken.» Die Braut Neuenhof will die Zeit nutzen, um sich zu verschönern. Voser: «Bis 2017 sind unsere Schulhäuser neu- bzw. umgebaut und bereits heute die Infrastruktur auf einem Stand, um den uns manche Gemeinden beneiden.»

Noch viel Überzeugungsarbeit

Der Ennetbadener Gemeindeammann Pius Graf verweist darauf, dass der Entscheid der Gemeindeversammlung knapp ausfiel. Der Gemeinderat hätte sich – egal in welche Richtung – einen deutlicheren Entscheid gewünscht. Für ihn steht denn auch fest: «Es muss noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.» Ein Modell und dessen Mehrwert mit einem Zusammengehen mit Baden und Neuenhof müsse man «der Bevölkerung schon gut erklären können. Das Scharnier ist Baden. Bei einer Fusion geht es um dessen Zentrumsfunktion und den Mehrwert für beide Seiten.» Der Fusions-Leidensdruck in Ennetbaden sei nicht gross, mahnt Graf: «Wir kämen problemlos weitere 15 Jahre ohne Fusion gut zurande.»

Für den Fall einer Fusion mit mehreren Gemeinden müsste man über Baden, Ennetbaden und Neuenhof hinausdenken, die beiden Siggenthal und auch Wettingen einbeziehen können, findet Graf. Je grösser die Stadt, desto mehr Gewicht hätte sie und könnte eher erreichen, dass etwa die Limmattalbahn bis Baden fortgesetzt wird.

Wie Voser hebt aber auch Graf nicht ab. Er erinnert an eine Umfrage, in der sich in Ennetbaden 2011 zwar schon 54 Prozent für oder eher für eine Fusion mit Baden ausgesprochen haben, aber nur 32 Prozent auch für eine mit einer weiteren Gemeinde. So plädiert er dafür, «jetzt etwas aufzubauen und die Türe für weitere mögliche Entwicklungen offen zu lassen».