Lehrplan 21
Für neuen Lehrplan muss sich auch die Prüfungsart ändern

Am Freitag hat die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz den Lehrplan 21 präsentiert. Der Lehrplan sei gut, sagt der Präsident des Aargauer Lehrerverbands, wenn der Kanton Geld für Weiterbildungen spricht.

Aline Wüst
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Nur wenn sich Stundentafel, Lehrmittel und das Prüfen verändern, greift ein neuer Lehrplan.

Nur wenn sich Stundentafel, Lehrmittel und das Prüfen verändern, greift ein neuer Lehrplan.

Keystone

Jetzt beginnt auch im Aargau das Tauziehen um den Lehrplan 21. Diesen Lehrplan, der die Volksschule in 21 Deutschschweizer Kantonen vereinheitlichen soll, wie es das Stimmvolk 2006 verlangt hat.

Nun geht der Lehrplan in die Anhörung. Von Juli bis September sollen sich Organisationen aus der Schulwelt, Fachwelt, Wirtschaft und Gesellschaft, sowie der Politik einbringen.

Das Werk wird nun studiert

Für Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauer Lehrerverbands, wird der Lehrplan 21 nur dann Erfolg haben, wenn die Kantone von ihrer Souveränität abrücken. «Wenn nun jeder Kanton überall nach eigenem Gutdünken Anpassung macht, dann ist der Lehrplan 21 ein Etikettenschwindel.»

Die Ziele des Lehrplans 21 seien allerdings gut. Auch die neue Kompetenzenorientierung, die festlegt, dass der Bildungsauftrag dann erfüllt ist, wenn die Schüler das Wissen anwenden können und nicht, wenn es im Unterricht behandelt wurde.

Erfolgreich umgesetzt werden könne der neue Lehrplan nur, wenn der Kanton bereit sei, Geld auszugeben, damit die Lehrpersonen entsprechend der neuen Vorgaben ausgebildet werden können.

Ausserdem müssten neue Lehrmittel zur Verfügung gestellt werden und künftig so geprüft werden, dass der neu geforderten Kompetenzorientierung Rechnung getragen wird.

Ein Beispiel: Bei den Kompetenzen werden auch ethische Einstellungen definiert. Wie Lehrer diese prüfen wollen, das ist Stöckli noch schleierhaft. Aber der Präsident des Aargauer Lehrerverband weiss: Nur wenn sich Stundentafel, Lehrmittel und das Prüfen verändern, greift ein neuer Lehrplan.

Der kantonale Lehrerverband werde nun dieses grosse Werk seriös studieren und eine Vernehmlassung zuhanden des Schweizer Lehrerverbands und des Departements Bildung, Kultur und Sport durchführen.

Uneinigkeit bei Fremdsprachen

Bei den einzelnen Bereichen des Lehrplans 21 zeigt sich, dass vor allem beim Fremdsprachenunterricht Uneinigkeit herrscht. Zwar übernimmt der Lehrplan die kantonale Forderung, dass bereits die Primarschüler Fremdsprachen lernen. Ob zuerst Englisch oder Französisch wird aber nicht festgeschrieben.

Thomas Leitch-Frey, Präsident der grossrätlichen Bildungskommission, ist dem Lehrplan 21 gegenüber positiv eingestellt und begrüsst es sehr, dass der Lehrplan in der Deutschschweiz nun endlich vereinheitlicht wird.

Einziges Minus sei, dass nicht festgeschrieben wurde, welche Fremdsprache wann eingeführt werde. «Zieht eine Familie in einen anderen Kanton, wo Englisch statt Französisch als erste Fremdsprache gelehrt wird, bleibt das weiterhin ein Problem.»

Für Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) ist die Diskussion um die Fremdsprachen einer der Eckwerte des neuen Lehrplans, die von der Politik diskutiert werden müssen. SVP-Grossrat Richard Plüss aus Lupfig findet es wenig sinnvoll, zwei Fremdsprachen in der Primarschule zu lernen.

«Das könnte gewisse Schüler überfordern.» Und wenn, müsste man andere Fächer rauskippen – beispielsweise Religion. Auf keinen Fall dürfe die zweite Fremdsprache auf Kosten der handwerklichen Fächer gehen. Plüss würde es befürworten, wenn die Kinder zuerst Englisch lernen würden.

Grossrätin Eva Eliassen (Grüne) sieht das anders – zuerst Französisch. «Ich weiss, mit dieser Meinung bin ich allein auf weiter Flur.» Stimmt nicht. Auch Leitch will, dass zuerst Französisch gelernt wird.

Frühestens eingeführt werden soll der Lehrplan 21 im Aargau ab Schuljahr 2017/2018.