Bauern
Für mehr Ackerland – Bauern kämpfen gegen noch mehr Ökoflächen

Für die Stärkung der Aargauer Landwirtschaft und gegen eine weitere Erosion des Acker- und Kulturlandes verlangen die Bauern in ihrer Resolution einen Stopp der Generierung von Ökoflächen. Durch die Flächen verlieren die Bauern Direktzahlungen.

Hans Lüthi
Drucken
Die Bauern wollen mehr Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren. Dazu brauchen sie genug fruchtbares Ackerland.

Die Bauern wollen mehr Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren. Dazu brauchen sie genug fruchtbares Ackerland.

Keystone

Genug ist genug. Das sagen die Aargauer Bauern zur ständig zunehmenden Ökologisierung ihres produktiven Kulturlandes.

Am Mittwochabend fassen sie an ihrer Generalversammlung in Möhlin eine Resolution dazu – zweifellos mit grosser Mehrheit.

Stärkung der Aargauer Landwirtschaft heisst für den Bauernverband Aargau (BVA): höhere Eigenversorgung, weniger Importe und aufgewertete Ökoflächen.

«Statt der vom Bund geforderten 7 Prozent hat der Aargau schon 11 Prozent Ökoflächen», betont Geschäftsführer und CVP-Grossrat Ralf Bucher.

Wenn man noch die Naturschutzgebiete, die Auen und die Hochstammbäume dazunehme, komme der Kanton auf 10 400 Hektaren für die Natur – die vielen Wälder gar nicht eingerechnet. Statt noch mehr Ökoflächen auf Kosten des Ackerlandes verlangt die Resolution einen Stopp.

Verlust von Direktzahlungen

Das Thema brennt den Bauern unter den Nägeln, weil sie viel Geld aus den Direktzahlungen verlieren. Schon dieses Jahr sind es, gestützt auf die Agrarpolitik 2014–17 des Bundes, rund 15 Millionen Franken.

Es droht noch schlimmeres Ungemach: Total 40 Millionen Franken oder 14 000 Franken pro Betrieb gingen verloren, wenn der Kanton die Programme zur Vernetzung der Ökoflächen und der Landschaftsqualität nicht umsetzte.

Graubünden und die Innerschweizer Kantone haben das flächendeckend gemacht. Abgesehen von einem Pilotprojekt im Seetal ist der Aargau ein weisser Fleck. Ist es nicht widersprüchlich, wenn die Bauern die Ökoflächen bremsen und das Geld dafür kassieren wollen? «Nein», sagt Ralf Bucher: «Wir akzeptieren die 10 bis
11 Prozent Ökoflächen, aber statt einer laufenden Ausweitung wollen wir eine qualitative Verbesserung.»

Naturschützer: Nur produzieren, was die Böden hergeben

Intensiv produzierende Bauern und Ökologie sind ein Widerspruch, der sich bei Ausgleichsflächen und Umweltmassnahmen entzündet. «Andere Nahrungsmittel produzieren statt Eier, Milch und Schweinefleisch», sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau und FDP-Grossrat.

Grundsätzlich sollten die Bauern hier nur das produzieren, «was der Boden bei einer natürlichen Bewirtschaftung hergibt», fordert Jenny. Mit dem Import von viel Futtermitteln und Soja aus Südamerika werde bei uns zu viel Fleisch produziert.

Oftmals hätte importiertes Fleisch, etwa aus Argentinien, die bessere Ökobilanz. Vor allem wenn man sich vorstelle, dass wir «hier nur die besten Stücke verwerten und das minderwertige Fleisch bei der Entsorgung viel Energie benötigt».

Weil es bei der Versorgung mit Lebensmitteln heute keinen Engpass gebe, müsse der Eigenversorgungsgrad nicht erhöht werden. Viel wichtiger ist es laut Jenny, eine gute Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten. Dann seien sie in Krisenzeiten auch in der Lage, genügend Lebensmittel zu produzieren.

Gleicher Ansicht ist der WWF Aargau: «Die Bauern brauchen die Natur, darum ist es unverständlich, wenn sie jetzt gegen mehr Ökologie schiessen», sagt Geschäftsführerin Tonja Zürcher vom WWF. (Lü.)

Forderungen an die Regierung

Die Aargauer Regierung spare am falschen Ort, glauben die Bauern, denn mit einer Million Franken könne der Kanton neun Millionen Bundesmittel auslösen. Unter dem Strich sei es für den Finanzdirektor kostenneutral, weil das eingesetzte Geld durch höhere Steuererträge wieder hereinkomme. Die konkreten Forderungen an Regierung und Parlament:

Der Kanton soll genug Geld für eine effiziente und praxisnahe Umsetzung der neuen Agrarpolitik zur Verfügung stellen. Bestehende Ökoflächen sollen aufgewertet werden, auf den Ökoausgleich bei Strassenbauten sei zu verzichten. «Mit einer Motion und der Forderung von 3 Millionen Franken werden wir im Grossen Rat nachdoppeln», erklärt Ralf Bucher.

Andere Kantone sorgten schon jetzt für die Anschubfinanzen, im Aargau seien sie nur zu einem Drittel gesichert, einen Drittel bezahlten die Gemeinden, ein weiterer Drittel der Bauern gehe leer aus. Ärmere Gemeinden hätten oft gute Voraussetzungen für Ökoflächen, doch ihnen fehle das Geld. «So könnte man im Mettauertal mit 80 000 Franken eine Summe von 800 000 Franken auslösen», sagt Bucher.

Volksinitiative auf gutem Weg

Der Kampf gegen eine sinkende Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln richtet sich auch gegen die Agrarpolitik 2014–17. Die Volksinitiative für Ernährungssicherheit will «den Extensivierungs- und Bürokratietrend auf nationaler Ebene bekämpfen». «Schon 8000 Unterschriften haben wir im Aargau gesammelt, landesweit sind bald 100 000 Unterschriften beisammen», freut sich Bucher.

98 Prozent der befragten Leute seien dafür, die Versorgung mit einheimischen Lebensmitteln zu stärken. Eine bessere Eigenversorgung sei nur möglich, wenn die intensiv bewirtschafteten Flächen nicht weiter abnähmen. «Beim Schutz des Kulturlandes für die Produktion helfen wir den Landwirten», sagt Simon Grossniklaus, stellvertretender Leiter von Landwirtschaft Aargau. Die ideelle Unterstützung ist schon da, jetzt fehlt noch die finanzielle.

Aktuelle Nachrichten