Sozialversicherungen
Für IV-Bezüger einen Job zu finden, wird für die SVA zur Herkulesaufgabe

Die Aargauer Sozialversicherungsanstalt (SVA) soll für Personen einen Job finden, die teilweise seit Jahren eine IV-Rente erhalten haben. Die vollständige Integration in den Arbeitsmarkt gelang letztes Jahr bei acht Personen.

Urs Moser
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Wenn die IV nicht mehr oder weniger zahlt, wird es für die Bezüger schwierig, den Lebensunterhalt auf dem freien Arbeitsmarkt zu bestreiten.

Wenn die IV nicht mehr oder weniger zahlt, wird es für die Bezüger schwierig, den Lebensunterhalt auf dem freien Arbeitsmarkt zu bestreiten.

Alex Spichale

Die Umsetzung der IV-Revision ist eine der grossen Herausforderungen für die SVA, die Aargauer Sozialversicherungsanstalt: Sie stellte sie vor den Auftrag, nach Möglichkeit auch Personen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, die unter Umständen schon jahrelang eine IV-Rente bezogen haben. Im vergangenen Jahr mussten im Aargau 150 Versicherte darüber informiert werden, dass ihre Rente gekürzt oder ganz gestrichen wird. Die Integration in den ersten Arbeitsmarkt ist bei acht Personen gelungen.

Die Umsetzung der Reform sei sehr schwierig, so die stellvertretende SVA-Direktorin Inge Hubacher, die seit dem Ausfall von Bergita Kayser der Geschäftsleitung interimistisch vorsteht (vgl. Box). Den Fokus legt man deshalb auf die Frühinterventionen: die berufliche Integration vor, nicht aus der Rente. Wie der gestern präsentierte Jahresbericht der SVA ausweist, ist die Zahl der Frühinterventionsmassnahmen 2013 markant von knapp 2000 auf fast 3000 Fälle gestiegen. Bei über 1800 Personen liess sich eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt realisieren.

Direktion: Bis zu Sommerferien soll Kandidat feststehen

In letzter Zeit machte die SVA Aargau vor allem mit personellen Turbulenzen auf sich aufmerksam. Direktorin Bergita Kayser war mit einem kurzen Unterbruch seit Ende 2012 fast dauernd krankgeschrieben, bis Mitte März ihr definitiver Abgang bekannt wurde. Die Wahl einer neuen Direktorin oder eines Direktors ist Sache des Regierungsrats, nicht der Verwaltungskommission.

Deren Präsidentin Elisabeth Meyerhans hofft, der Regierung bis zu den Sommerferien den Wahlvorschlag zur Neubesetzung des Postens unterbreiten zu können. Er war bisher übrigens mit rund 280 000 Franken dotiert, wie man nun dank den neuen Richtlinien zur Public Corporate Governance weiss.

Seit April 2013 arbeitet die SVA nach einem neuen Geschäftsreglement, das die Führungsverantwortung nicht mehr allein bei der Direktion konzentriert, sondern auf eine fünfköpfige Geschäftsleitung verteilt. Ihr sei es unter der Leitung von Inge Hubacher trotz des Ausfalls von Direktorin Kayser gelungen, die strategischen Vorgaben erfolgreich umzusetzen, betont Elisabeth Meyerhans. (mou)

Neu haben 1500 Personen eine IV-Rente zugesprochen erhalten, die Ablehnungsquote bei den Rentengesuchen lag bei 52 Prozent und ist damit in den vergangenen Jahren mehr oder weniger konstant geblieben. Dasselbe gilt für die Abklärungen beim Verdacht auf Versicherungsmissbrauch und die daraus resultierenden, hypothetischen Einsparungen. Rund 200 Verdachtsfälle werden pro Jahr gemeldet (2013 waren es exakt 198 gegenüber 206 im Vorjahr), 227 Fälle wurden letztes Jahr erledigt, die Zahl der offenen Verdachtsfälle hat sich von 155 auf 126 reduziert.

In 36 Fällen wurde eine Rente gekürzt oder ganz aufgehoben, in sechs Fällen neue Rentengesuche abgelehnt. Das führt zu 14,6 Millionen weniger Ausgaben. Die Zahl bezieht sich allerdings auf die ganze hypothetische Bezugsdauer der Renten. Auf ein Jahr gerechnet fallen die Einsparungen durch konsequente Missbrauchsbekämpfung gemessen am Gesamtvolumen der IV-Leistungen von über 263 Millionen kaum ins Gewicht. «Beim Missbrauch handelt es sich um ein Randphänomen», sagt Elisabeth Meyerhans, Präsidentin der SVA-Verwaltungskommission.

Markant mehr EL-Bezüger

Insgesamt wickelte die SVA im vergangenen Jahr die Auszahlung von 2,2 Milliarden Sozialversicherungsleistungen ab. Markant ist die Steigerungsrate nicht nur demografisch bedingt bei der AHV, sondern auch bei den Ergänzungsleistungen. Und hier sei davon auszugehen, dass nach wie vor längst nicht alle Ergänzungsleistungen einfordern, die gesetzlichen Anspruch darauf hätten, gibt Inge Hubacher zu bedenken.

Auf die Höhe der Leistungen hat man bei der SVA keinen Einfluss, sie ist nur die Durchlaufstelle. Ihren Beitrag zur Meisterung der wachsenden Herausforderung, vor welcher insbesondere die AHV steht, könne die SVA dadurch leisten, dass sie ihren Auftrag möglichst effizient und mit möglichst tiefen Verwaltungskosten erfüllt, so Elisabeth Meyerhans.

Sie blickt diesbezüglich auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die Ausgleichskasse kann auch dieses Jahr mit dem gesenkten Beitragssatz 1,28 Millionen Verwaltungskosten rückvergüten, und auf 2015 senkt auch die Familienausgleichskasse den Beitragssatz. Bei gleich bleibenden Parametern werde der Beitragssatz bis 2019 unverändert bleiben und die Kunden der Familienausgleichskasse damit um insgesamt 45 Millionen entlastet.