Frühgeburten
Für die kleinsten Patienten fehlen an vielen Orten die Betten

Notstand Neonatologie: Obwohl am Unispital Zürich in dieser Woche eine neue Abteilung für frühgeborene Babys eröffnet wurden, gibt es in der Schweiz zu wenig Betten. In Aarau gibt es 12 Intensivbetten, die stark ausgelastet sind.

Christine Fürst
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Die Füsschen eines Frühchens (Symbolbild)

Die Füsschen eines Frühchens (Symbolbild)

Keystone

Die Ärmchen dünn, die Fingerchen noch dünner und die Atmung kaum vorhanden. Wenn ein Frühchen auf die Welt kommt braucht es eine intensive Betreuung. Im Jahr 2010 kamen laut Bundesamt für Statistik von rund 80‘000 Neugeborenen 0,4 Prozent zwischen der 22. und 27. Schwangerschaftswoche zur Welt, 0,6 Prozent zwischen den Wochen 28 und 31.

Im Kantonsspital Aarau (KSA) stehen diesen frühgeborenen Kindern in der Intensivstation der Neonatologie 12 Betten zur Verfügung. Sind diese Betten besetzt, müssen die kleinen Patienten in andere Spitäler, die Intensivbetten anbieten, verlegt werden. Dazu hatte die Schweizerische Gesellschaft für Neonatologie vor einigen Jahren ein Netzwerk auf die Beine gestellt, in dem sie ihre freien Betten angeben. Es gibt neun Kliniken in der Schweiz, die für solche Fälle Betten zur Verfügung haben. Da kann es gut sein, dass eine Mutter mit ihrem Kind in Lausanne entbinden muss, weil es in Aarau keinen Platz hat.

Es braucht ausgebildetes Personal

«Wenn wir akut die Betreuung nicht übernehmen können sind wir immer bemüht einen möglichst wohnortenahen Intensivplatz zu finden», sagt Henrik Köhler, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche im Kantonsspital Aarau. Doch im KSA gebe es wenigstens keine kalten Betten, sprich Betten, die niemand betreuen kann, weil ausgebildetes Personal fehlt. Denn um diese kleinsten Patienten zu betreuen, braucht es Pflegefachpersonen mit einer Intensivpflegeausbildung.

Vor ein paar Jahren seien die Ausbildungsplätze ausgebaut worden, sagte Urs Sieber von der Dachorganisation Arbeitswelt Gesundheit gegenüber der Sendung «10 vor 10». «Wir hoffen, dass sich diese Situation bessert, der Bedarf nach neuem Personal ist aber jetzt schon vorhanden», sagt Köhler. Denn auf nächstes Jahr hin will das KSA drei neue Intensivbetten anschaffen. Doch: «Mit den neuen Betten ist es nicht getan. Neue Betten heisst auch neue Patienten und dafür braucht es mehr Personal.»

Keine Intensivstation in Baden

Das Kantonsspital Aarau ist das einizige im Kanton, das Intensivbetten anbietet. Im Kantonsspital Baden gibt es keine Intensivstation für Frühchen sondern eine neonatologische Abteilung für Frühgeborene und kranke Neugeborene, ohne Beatmungsplätze. «Wir haben im KSB meistens genügend Plätze zur Verfügung, akute Fälle können behandelt werden, solange es keine Beatmung braucht», sagt Marco Bellafiore, Mediensprecher des KSB.

Frauen mit drohenden Frühgeburten, bei denen man im Voraus schon wisse, dass das Kind eine Beatmung brauche, würden bereits vor der Geburt in andere Spitäler mit Intensivstationen für Frühchen verlegt werden.