Bildungssystem
Für den Lehrplan 21 kämpft Bildungsdirektor Alex Hürzeler gegen die SVP

Eine Volksinitiative will den neuen Lehrplan verhindern. An vorderster Front engagiert sich die SVP für die Initiative – und setzt damit ihren Bildungsdirektor unter Druck. Wo steht in der Kontroverse SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler?

Fabian Hägler
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Fraktionschef Andreas Glarner (rechts) riet Bildungsdirektor Alex Hürzeler (links), sich gut zu überlegen, auf welcher Seite er stehe.

Fraktionschef Andreas Glarner (rechts) riet Bildungsdirektor Alex Hürzeler (links), sich gut zu überlegen, auf welcher Seite er stehe.

AZ

Vor der nächsten Sitzung des Grossen Rats, am 2. Juni, wird die Initiative gegen den Lehrplan 21 eingereicht. An vorderster Front engagiert sich die SVP für die Initiative – und setzt damit ihren Bildungsdirektor unter Druck. Denn die Erwartungshaltung der Partei ist klar: Alex Hürzeler muss sich als SVP-Vertreter für die Initiative einsetzen. In der Aargauer Zeitung sagte Fraktionschef Andreas Glarner, der Bildungsdirektor müsse sich gut überlegen, auf welcher Seite er stehe. «Steht er auf der falschen, muss er sich warm anziehen», schob Glarner an die Adresse von Hürzeler nach.

Dieser hält auf Anfrage fest: «Zu einem guten Bildungssystem im Aargau gehört auch ein zeitgemässer Lehrplan.» Wie das gewünschte System zu erreichen sei, diskutiere er regelmässig mit Lehrkräften, Verbänden und Parteien – «auch mit der SVP Aargau», sagt Hürzeler. Auf die Kritik seiner Partei am neuen Lehrplan 21 angesprochen, erklärt der Bildungsdirektor: «Unterschiedliche parteiinterne Ansichten zu Sachgeschäften kommentiere und kommuniziere ich nicht in den Medien.»

Hürzeler betont, der Lehrplan 21 sei in der kantonalen Anhörung Ende 2013 weitgehend auf Zustimmung gestossen. Er ist überzeugt, dass den 21 Deutschschweizer Kantonen «mit den danach erfolgten Anpassungen nun eine gute und austarierte Vorlage für die kantonale Umsetzung vorliegt».

Bereits ein Brief an die SVP Schweiz, aus dem die Aargauer Zeitung zitierte, zeigte, dass Hürzeler die Reform unterstützt. Er und sechs weitere SVP-Bildungsdirektoren warben für eine Änderung des Parteiprogramms und warnten vor einer drohenden Zerreissprobe: «Eine Torpedierung des Lehrplans auf nationaler oder kantonaler Ebene könnte uns in die schwierige Situation bringen, dass wir uns gegen die SVP positionieren.»

Nun dürfte im Aargau genau diese Situation eintreten: Der Regierungsrat wird die Anti-Lehrplan-Initiative ablehnen, Hürzeler als Bildungsdirektor wird diesen Entscheid – unabhängig von seiner persönlichen Haltung – gemäss dem Kollegialitätsprinzip vertreten, während seine Partei für ein Ja zur Initiative kämpfen wird.

Wie heikel bildungspolitische Vorlagen sein können, hat vor sechs Jahren die Abstimmung über das Bildungskleeblatt gezeigt. Andreas Glarner, der damals hinter der SVP-Kampagne stand und massgeblich zur späteren Abwahl von CVP-Bildungsdirektor Rainer Huber beitrug, zog in der Aargauer Zeitung eine Parallele zu 2009. Für den SVP-Fraktionschef hat die Auseinandersetzung um den Lehrplan eine «Kleeblatt-Dimension».

Hürzeler ist anderer Meinung und entgegnet: «Das ist weit übertrieben. Der Lehrplan 21 greift nicht in die Schulstrukturen ein. Die beiden Vorlagen sind absolut nicht vergleichbar.» Und der Bildungsdirektor ergänzt, der Aargau lasse sich, im Gegensatz zu anderen Kantonen, genügend Zeit für die notwendigen Vorbereitungsarbeiten und kantonsspezifischen Anpassungsarbeiten am Lehrplan.

Tatsächlich soll dieser im Aargau erst im Jahr 2020 eingeführt werden, das Parlament hat der Verschiebung im vergangenen Herbst zugestimmt. Hürzeler sagt vor diesem Hintergrund: «Hektik und gereizte Abstimmungsrhetorik sind derzeit absolut nicht angezeigt.»

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