Tourismus
Für Chinesen sind die Aargauer Schlösser unbekannt

Die Chinesen liegen bei den Logiernächten im Kanton Aargau auf Platz 2. Nur Deutsche Gäste übernachten 2015 häufiger im Aargau. Doch die Chinesen sind keine gewöhnlichen Touristen. Sie besuchen den Kanton aus geschäftlichen Gründen.

Peter Brühwiler
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Chinesen besuchen den Aargau aus geschäftlichen Gründen. (Archiv)

Chinesen besuchen den Aargau aus geschäftlichen Gründen. (Archiv)

Keystone

Kommt der Anfang Jahr eingefädelte Deal zwischen dem Basler Agrochemie-Konzern Syngenta und ChemChina zustande, dann arbeiten im Kanton Aargau bald 600 Personen für einen chinesischen Staatskonzern. Wie präsent die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt hier bereits heute ist, zeigt die diese Woche veröffentliche Beherbergungsstatistik: Von allen ausländischen Gästen waren in den Aargauer Hotels letztes Jahr mit 124 000 Logiernächten nur Deutsche häufiger anzutreffen als Chinesen.

Der Aufstieg verlief rasant; vor nur fünf Jahren lag das Reich der Mitte mit 5 500 Logiernächten noch auf Platz acht aller Herkunftsländer. Niederländer etwa übernachteten damals doppelt so häufig im Kanton, und auch mehr Dänen oder Belgier stiegen im Aargau ab.

Nun lässt sich aus einer höheren Zahl Touristen natürlich nicht automatisch auf einen intensiveren Wirtschaftsaustausch mit dem jeweiligen Herkunftsland schliessen. Im Falle Chinas aber wohl schon, meint Dominik Wyss. Der Präsident des Aargauer Hoteliervereins hat sich bei einigen Berufskollegen umgehört und kommt zu folgendem Schluss: Beim grössten Teil der chinesischen Gäste handelt es sich nicht um Touristen im klassischen Sinn.

Sie kommen — zum Beispiel für Schulungen — auf Einladung von hiesigen Firmen. Die Aargauer Hotellerie spüre anhand der Übernachtungszahlen, «dass die Firmen in Asien aktiver werden». Rund 24 000 der über 25 000 chinesischen Logiernächte gehen auf das Konto von Geschäftsleuten, vermutet Wyss. Nur ein einziger der von ihm angefragten Hoteliers beherbergte im letzten Sommer eine kleine Gruppe chinesischer Individualreisender.

Es gibt in diesem Bereich also noch Luft nach oben. Das Ziel sei, einen Markt für geführte Gruppen aufzubauen, sagt Wyss. «Und dann kommen auch Individualreisende nach». Die kantonale Organisation Aargau Tourismus oder gar regionale Tourismusbüros seien für den chinesischen Markt aber zu klein, so Wyss. «Die Vermarktung in China ist Aufgabe von Schweiz Tourismus.»

Gezielt vermarktet wird die Tourismusregion Aargau in Asien jedoch noch nicht, wie Simon Bosshart von Schweiz Tourismus auf Anfrage sagt. In Fernmärkten habe Schweiz Tourismus die Rolle, Türen zu öffnen «und Regionen oder Anbieter zu begleiten, die langfristig bereit sind, dort tätig zu werden.» Hinter dem Erfolg von Engelberg etwa stehe «eine massive Aufbauarbeit der Partnerorganisation Titlis-Bahnen, die zudem Marketinggelder in unsere Aktivitäten investiert», erklärt er.

Eine solche Partnerorganisation könnte auch der kürzlich gegründete Verein «die Schweizer Schlösser» werden, dem aus dem Aargau Hallwil, Habsburg und Lenzburg angehören. Eine Zusammenarbeit sei naheliegend, sagt Bosshart, mittelfristig vielleicht auch im chinesischen Markt. Denn bisher, so der Schweiz-Vermarkter, «hat sich dort nur das Schloss Chillon etabliert.»

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